Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1852)
- Date
- 1852-01-12
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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warten wollen wir Alle, liebe israelitische Brüder, Jeder aiif etwas Gutes, in jedem Augenblick auf etwas Gutes und LiebeS vom Vater,' und sei es auch, wie der Schreiber dieses Neujahrsbriefes in diesem Augenblicke, auf die Entwirrung der häuslichen. Unruhe, die seine Hausfrau um ihn geschaffen, als'geschäftige Vorbereitung zum Empfang lieber Gäste, denn er wartet auf die Ankunft und den. Besuch eines entfernten lieben Bruders und eines hoffnungsvollen, theuern Sohnes, die auf Neujahr in seine Kammern kommen wollen. . Nun aber, werthe Leser, Hur Novelle. Da habe ich nun zwei Klassen von Lesern von mir, alte und neue. Mit den alten, treuen, habe ich wenig zu sprechen, sie können in der bald folgenden neuen Nummer gleich fortfahren und weiter Xcfcnj nur Dank will ich ihnen sagen, -daß sie auSgehalten und weiter aushalten, um was ich sie bitte. Mit den alten, untreuen Lesern, d. h. denjenigen, welche diese Zeitschrift zu Neujahr, verlassen, oder sie zu bestellen haben, brauche ich eigentlich gar nicht zu sprechen, denn sie hören eS nicht, ich wollte nur die treuen oder neuen bitten, wenn sie einem solchen verlornen Sohn begegnen, ihn doch ja von mir zu grüßen und, wenn cs möglich ist, ihn, zu veranlassen,^ zurückzukehren und es. noch ein Jahr mit anzusehen'u. s. vv . Wie soll ich eS aber mit den neuen Lesern anfangen, sie kommen auf Nummer 9 der Novelle und wissen noch gar Nichts vom „Unbekannten" und seinen Freunden und. doch ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende; sie sollen nun für diese Spalten umsonst ihr'Geld.bezahlen, was ihnen nicht allein, -sondern auch Redakteur, Verleger und dem Novellenherausgeber sehr unangenehm wäre, denn neue Freunde sind zu gewinnen und zu fesseln. Es ist wirklich schwer, hier Rath zu finden. Doch will ich es versuchen. Der erste Rath wäre — nach meiner Meinung auch der beste — sie gingen hin und kauften sich den ganzen oder halben vorigen Jahrgang,, da der Verleger noch Exemplare haben soll. Dann könnten sie ohne Zeitverlust frisch Alles weglesen und das Register sagt ihnen die Zeitungsnummern, wo es zu finden ist. Ist ihnen dieser Rath nicht genehm, so weiß ich einen zweiten. Sie schreiben sich selbst die ersten acht Nummern und dichten sie nach eignem Ermessen. Schwer soll es freilich Manchem werden, obgleich Mancher gewiß etwas viel "Besseres und Gediegeneres zu Tage brächte und dainit mich — nicht beschämen — sondern recht erfreuen könnte. Einige Anleitung will ich aber . geben. Das Bisherigewerläuft nämlich so..Vor dreißig Jahren (nicht; fünfzig,-wie^in Nummer 1 stehet, da genaue Nachforschungen das Erstere ergeben) starb hier ein älter Mann, der für einen großen Gelehrten, natürlich an.einem so kleinen Orte und in -einer winzigen Gemeinde/ galt, aber ganz unbekannt' war. Er hätte sich wenige Jahre vor seinem Tode hierher zurückgezogen, war in das Hau'S eines braven Mannes gekommen und unterrichtete seine Kinder. Dessen Papiere fallen nach so langen Jahren dem Unterzeichneten in die Hände und er edirt daraus dessen Lebensgefchichte. Das beschreibt ausführlich Nummer 1. Die zweite Nummer giebt die Geburtsgeschichte deS Unbekannten und die war sehr traurig, denn der Vater mußte nach dem Dorfe in kalter Neujahrsnacht einen ärztlichen Helfer holen. Wer mit dergleichen nicht Bescheid weiß, dem wird diese Nummer schwer werdeni Viel leichter die folgende dritte, denn der Knabe kommt an die Schule und lernt Alphäbeth u. s. w. -Hier wird, wenn es der Arbeiter aus eigner Erfahrung nicht kennt, ihm wol sein Vater oder Großvater aushelfen, der die langen und kurzen Rebi'S der^,alten Zekt/wohl kennt und waS für furchtbare Strafgerichte - sie hielten und wie - schlechte Pädagogen sie waren. Daher war es eine große Beruhigung für mich, daß mein Unbekannter in Rümmer 4 zu seinem Herrkk in der Waldeinsamkeit kam, wo er recht ^ausgelassen und dabei recht fromm und gut werden konnte. Das wird übrigens am Leichtesten" gerathen, denn die Meisten haben doch gemißt einen so lieben Herrli gehabt oder haben ihn. noch und streiften - gern durch Mald und Flur, sind auch, wie in Nummer 5 gemeldet wird, früh in die Synagoge geführt und in die Kirche gerathen, um den Gegensatz beider Religionen kindlich und äußerlich aufzufaffen. Aber Nummer 6! Da kommt der Unbekannte wieder nach Haufe und unterwegs treten mehrere Personen auf, die ich hiev' doch unmöglichwieder aüfführen kann, wenn ich nicht die ganze Nummer abschreiben wollte. Zum Glück greifen dieft Personen, so ^pöfstplich sie sind, nicht in die Lebensgeschichte ein, Wohl aber wird von großer Wichtigkeit (in Nummer 7) ein Bachur Joffel, der den Knaben bei seiner Heimkehr auö dem Herrlihaufe unterrichten will und dessen eigene Lebensgeschichle nun in die große deS „unbekannten Rabbi"eing'efchachtelt wird. Dieser unser Joffel ist ein ganzer Kerl, er ist der Sohn eines Prager' Schusters (dessen Irrfahrten, Schicksale, Ende und Testament auch" hinlänglich' gegeben" werden und der in der Stadt Sammetloch ehrlich lebte und starb), er bekommt seine erste Bildungin einer,Tora-, einer Kantorschule und Spinnstuhe,. ..er,...geht,,, auf., Akade- : mien und . geräth.. als. wandernder Schüler der Armee