Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-01-12 · Heft 3 (12.1.1852) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 3 (12.1.1852)
Date
1852-01-12
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225768-3225772--12192-3242345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

schreiben ü. f. M Ich glaube also, daß ich, bei so vielen Rückstchten für die Leser, auch Nachsicht verdiene und daß inan eS nicht - für eine allzugröbe espkalio denevolevtiLs' halten wirddaßich hier in einer Ertra-Nummer der''Novelle allein erscheine und-den Jahreswechsel zu einem Neujahcsbriefe -benutze. -' - - ' - ' i 'Ich wünsche Euch aber, theuere Leser, Vieles, vor Allem Frieden, in der weitesten Bedeutung des Wor- - tes. Ich glaube nicht, daß Einer von Euch noch große Furcht vor dem Jahre 1852, das bereits in die Welt getreten ist, wenn Ihr dies leset, haben wird. Was so lange vorher gefürchtet und vonsoVielen gefürchtet wird, bedeutet gewöhnlich Nichts, so wie daS am Wenigstens .eintrifft^waS Biele Voraussagen., Gewiß, das Jahr wird hingehen, wie so.viele andere, es wird dem Einen Leben, dem Anddm Tod, dem Einen Glück, dem Andern Unglück, Diesem Hoffnungen^' Jiinem Täuschungen bringen, unddaS Regiment wird der führen, der seine Welt seit ihrem Entstehen geführt hat und weder rechts noch links schaues Härmet Euch, liebe israelitische Brüder, nur- (nichtwenn im Verlaufe des Jahres ein paar Zeilen oder ein Paragraph in den papiernen Verfassungen der Völker gestrichen werden, die von Eurer Gleichstellung u. dgl. sprechen, oder gar diese Verfassungen gäNz und gar zu Grunde gehen) der im-Himmel thront laßt wirklich kein Papier zwischen sich Undseine Menschheit einschieben, er führt-Völker ihre Bahnen und eS ist besser, Eure Emanzipation steht im Herzen der Fürsten und Völker, als auf dem Papiere, denn wenn sie dort nicht steht, so hilft es auch Nichts. Vor Allem aber, Brüder, lasset uns an unsrer selbsteigrnen Emanzipation arbeiten) das ist das Nothwendigste. Lasset uns den Sauerteig des Unfriedens, des Haffesder Selbstsucht aus unstrm Herzen, unseren Häusern und unseren Gemeinden entfernen, lasset die Liebe und den Frieden einziehen in alle diese Stätten und sie daselbst heimisch werden. Was sagt der Prophet Jesakas? „Komm' und geh' in deine Kammern, mein Volk, schließe die Thüren hinter dir zu und warte nur eine kleine Meile!" Sehetda habet Ihr den wahren israelitischen Beruf! Daß er darunter keine Deputirtenkammern, erster : und zweiter Ordnung, gemeint hat, weiß ein Jeder und: ist eigentlich albern, noch zu bemerken. Aber gelegentlich: zu-bemerken, daß von allen Parlamenten, Senaten und Kammern kein großes Heil' für uns erwachsen kann, ist' nicht ganz - unnütz, und daß -überhaupt die Welt nicht durch Parlamentsreden u. dgl. regiert und eingerichtet wird,: hat die Erfahrung der letzten Jahre hinlänglich.gelehrt.^ Einige von Euch haben eS in diesen verhängnißvollen Jahren gut gemeint und glaubten, sie müßten zeigen, daß sie Bürger des Landes seien und Theil nehmen än der großen Völkerbewegung, Andere haben es- Nicht gut gemeint und folgten der Eigensucht, dem wilden Triebe der Selbstvergötterung und siehe, „sie wollten sich einen Namen machen" bei diesem babylonischen Thurmbau, und haben dadurch viel Unglück über sich und Andere gebracht und besonders d a s ffehr große,: .daß mannach aller Weife — das ganze Israel für ihr Gebahren mit Schmach überhäufte und für ein böses, unruhiges Volk hielt, da doch die große Masse unserer Stammeögenoffen friedlich gesinnt war und ruhig dem Weltenlenker Alles anheimgab. Und wirklich, wahrer israelitischer Beruf ist es — ich spreche es ohne Scheu aus — einzugehen in die Kammern unsers Hauses (und unsers HerzenS) - die Thüren hinter sich zu schließen und zu warten bis vorübergezogen der Grimm, wie der Prophet sagt. Wir-find die Mation, welche das Glück und das Elend vieler Völker gesehen und' überlebt hat, Asshrer, Griechen , Rön^ und wie sie alle hießen, blüheten und gingen unter- Israel aber bestand nur dadurch, daß es in seinen Kammern blieb und die Lehre untersuchte und befolgte, die das Erbtheil ist der Gemeinde Jakobs. Wo wir diese Aufgabeverlassen und vernachlässigen wollten, hat eS keinen Segen gebracht. Wir sollen bilden unter dem Streite der Welt eine stille Gemeinde des Friedens, die ihre Heimath und Vereinigungsstätte in der uralten Lehre unserer Väter hat und diese Lehre als das theuerste Kleinod erkennet und verehrt — wir sollen aufbauen in unserm Hause einen Tempel des Friedens, warmer GotteSverehrung und lichtvoller Frömmigkeit, auf daß Weib und Kind sich erfreuen des Segens, der ihnen solcher Tempel. schaffet — wir sollen sein voller Liebe gegen die Menschen und Trost bringen den Leidenden, Hilfe den (Gebeugten, Erquickung den Schmachtenden für und für und -ohne Unterlaß und ohne Ermüdungwir sollen sein ein priesterliches Volk auf Erden, wie schon MoseS sagte. Des Priesters Amt war aber die Versöhnung zwischen- Gott und Mensch und also soll die Versöhnung unter uns und zwischen unserm Herzen und Gott daS ununterbrochene Geschäft unserS Lebens sein. Dann schließen wirdie Thüren hinter uns zu und warten- — warten auf-bessere Zeit, warten auf die nie'versiegende Gnade GotteSauf feine in der Geschichte der Menschenwelt waltende Gerechtigkeit, bis vorübergezogen ist der Streit, der Kampr, von Selbstsucht und Selbstvergötterüng bereitet. Ja,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.