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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-01-01 · Heft 1 (1.1.1852) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 1 (1.1.1852)
Date
1852-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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um das Eine, das Eine, das Ringen um das tägliche Brod, das Streben um Hab' und Gut sich dreht, vor diesem Verlangen Alles zurückweicht, vor dieser Rücksicht Alles schweigt — fürwahr! dann hat die Erinnerung an einen frühern Sieg, an einen Makkabäersteg nur des Niederdrückenden, des Beschämenden, des Betrübenden Vieles. Und was ist es, m. Fr., was ist es, warum unsre Zeit also geworden und immer mehr wird, daß aus den Greisen die Weisheit, aus den Zünglingen das Feuer geschwunden, daß von Kindesbeinen an der junge Mensch nur zu Einem erzogen, und auf Eines gedrängt wird: „erwirb dir dein Brod und genieß es, das ist die Hauptsache, alles Andre Nebending, eitel" — was ist eS? Weil die Welt ihren Gott verloren, wei'l die Menschenwelt ihren Gott verloren . . . ihren Gott verloren? Schreckliches Wort! kennt Ihr die Bedeutung, den ganzen, vollen Sinn dieses Schreckenswortes? Gott verloren, und diese Welt um uns, ihre Ordnung, ihr Leben und all ihre Herrlichkeit ist nur die glcißnerischc Hülle des Todes, ist nur eine Maske des Chaos, deö Abgrundes/ darin sie verschlungen wird — Gott verloren, und das Recht ist nicht mehr Recht, und Tugend nicht mehr Tugend, und Erkenntniß Wahn, und Liebe Selbstsucht, und Erbarmen Eigennutz, Alles, Alles hat seinen Grund und Boden, aus dem allein es bestehet, Gott, verloren, ist willkührliche Annahme, und schwebt in der eiskalten Luft, und die ganze Menschheit ist nur eine Sammlung von so und so vielen Nahrung suchenden und verzehrenden Individuen — Gott verloren, und das Leben gähnt uns an als daS Schreiten zum Nichts, und der Gottesacker ist die wahre Wiege der Menschen, nämlich zum Nichts. O, wollet doch die Sache scharf in's Auge -fassen und des Mummenschanzes entkleiden, wollt Ihr das Eine, müsset Ihr auch das Andre wollen — habt Ihr Euren Gott verloren, so habt Ihr Nichts und seid Ihr Nichts, so sehr Ihr Euch sträubet. . . . Und wollet Ihr sagen: wir haben Ihn nicht verloren — so sehet Euch um: der Eine klammert sich an alte, überkommene Formen, deren Geist und Leben aber ihm entwichen ist, deren Geist und Leben er nicht mehr kennt und fühlt, aber er hält sie fest, und glaubt Gott darin zu haben; der Andere, und das ist die ungeheure Mehrzahl, überläßt sich dem Strom des Lebens, und schwimmt auf dessen Oberfläche nieder, wohin sie fließt, unbesorgt, unbekümmert, wenn er nur schwimmt; was droben in der Höh', was drunten in der Tiefe, das kümmert ihn nicht, wenn er nur schwimmt; der Dritte erklügelt sich seinen Gott, und glaubt Wunder was, wenn er einen Strohhalm oder einen niederhängenden Weidenstrauch am Ufer ergriffen, statt daß er auf demselben sicher stehen könnte; der Vierte klügelt, sich seinen Gott hinweg, und bläht sich auf und thut sich groß: ich, ich bin es, ich glaub' an Nichts, der Geist mit all seinen unräumlichen Gedanken, seinem Forschen und Erheben, der Geist, was man so nennet, ist nur eine Gehirnfaser, das Herz mit seiner Fülle von Liebe, von Freud' und Trauer, von Andacht und Schauer, das Herz, was Ihr so nennet, ist nur ein klopfender Muskel; freilich, woher diese Gehirnfaser zu diesen Gedanken, woher dieser klopfende Muskel zu seinen hohen und heißen Gefühlen gekommen, dieses Wunder können sie Euch nicht sagen, da verstummen sie — der Gott, sagen sie, der Gott, der die Welt gedacht und geschaffen, dieser Vater der Wesen, dieser Lenker der Geschicke, diese Leuchte in der Nacht, dieser Tröster in der Noth, dieser Helfer in Bedrängniß, diese unendliche Liebe, der die Liebe gezündet in uns, dieser Gott, sagen sie, was Ihr so nennet, ist nur die Natur, ist nur die Dinge selbst, also Stein, Erde, Holz, Fleisch und Bein, Mond und Sonne, o die Götzendiener in modernem Gewände; freilich, woher dieser Stein geworden, diese Pflanze erblüht, dieses Fleisch lebt, dieser Mond wandelt, diese Sonne leuchtet, woher, woher, diese Wunder können sie Euch nicht sagen, da verstummen sie — — also ist die Jetztzeit, das ist das lebende Geschlecht — aber jene flammende Begeisterung für Gott, jenes -Voll- und Durchdrungensein von Gott, jene unerschütterliche Ueberzeugung in Gott, die da Nichts, Nichts weiß, als durch Gott, vor der Alles Staub ist außer Gott, die Ihn hört in jedem Laute der Natur, Ihn schaut in jeder Wendung des Geschickes, vor Allem Ihn gewahrt in jeder Regung unseres Herzens, in jedem Aufschwung unsres Geistes, jene Weihe, Schauer, Läuterung, Sehnsucht und Befriedigung — sie sind verloren gegangen der Menschenwelt, sie sind jetzt auch verloren gegangen in Juda, ihrer ältesten und längsten Wohnstätte, und so hat die Welt ihren Gott verloren, und darum ward sie so leer und arm und verzweifelnd, und darum ist Alles nur des einen Eifers um die Existenz, um das tägliche Brod, um Erwerb und Genuß voll, und darum hat auch die Erinnerung an einen Sieg, wie die Makkabäer ihn vollbracht, nur des Niederdrückenden, deS Beschämendeu in sich. . .. Und dennoch, wenn wir von jenem Siege auf uns

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