Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1851)
- Date
- 1851-12-22
- Page
- Seite 621 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Debatte, die sich über den Rekurs selbst entspann, war nicht von Bedeutung, und er wurde mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Majorität angenommen. Außer dem Rekurse hatte Dr. Pinkas auch Bericht erstattet über die in der Sitzung vom 5. gestellten, und der Vorberathung des Stadtrathes überwiesenen Anträge. Der Stadtrath proponirte, vorläufig weder den Horacek'schen, noch den Brauner'schen, wohl aber den Palacky'schen Antrag insofern zu berücksichtigen, als das Handelsministerium in einer besondern Eingabe unter Berufung auf den in einer Kopie beizulegcnden Rekurs gebeten werden soll, zu verordnen, daß durch den Anschluß die bisherigen Gewcrbsvcrhältnisse nicht alterirt werden sollen. Nach längerer Debatte wurde endlich zur Abstimmung geschritten. Herr Odkolek beantragte die Abstimmung durch Kugelung, und unterstützte seinen Antrag damit, daß er auf Frankreich hinwies. Dieses triftige Motiv führte die Annahme des Antrags herbei. — Nachdem der Herr Bürgermeister zu wiederholten Malen erklärt, wohin die weißen und wohin die schwarzen Kugeln zu legen seien, wurde jeder der anwesenden Herren Stadtverordneten durch Namensaufruf aufgefordert, sein Votum in die Urne zu deponiren. Dies geschah. 58 Herren nahmen an der Abstimmung Theil. Herr Frankl enthielt sich der Slimmgebung. Mit 38 gegen 20 Stimmen wurde der Antrag des Herrn Dr. Horacek: „es möge eine Deputation an Se. Maj. den Kaiser gesendet werden, mit der Bitte, daß es von der Vereinigung der Judenmit der Christengemeinde sein Abkommen habe," und die Judenstadt eine freie unabhängige Gemeinde bleibe, zum Beschlüsse erhoben. — Wie die Annahme des Rekurses mit diesem Beschlüsse sich vereinigen lasse, ist nicht abzusehen. Herr A. Haase machte auf den innern Widerspruch der beiden in der gestrigen Sitzung gefaßten Beschlüsse aufmerksam. Die Herren, die den letztem Beschluß wirksamst gefördert, fanden jedoch oder wollten wenigstens keinen Widerspruch darin finden. Das Resultat war, daß die Herren Dr. Brauner und Dr. Horacek mit Abfassung der neuen Petition betraut mnd die Wahl der Deputation vertagt wurde. Erst nach 8 Uhr endete die merkwürdige Sitzung. —. Das „C. Bl. a. B." berichtet: Dem Vernehmen nach hat die Prager Handelskammer in ihrer letzten Sitzung in Betreff der Freizügigkeitsfrage (unter welchem Euphemismus sich bekanntlich die Judenfrage verbirgt) mit 16 Stimmen gegen 15 beschlossen, daß den israelitischen Kaufleuten die Uebersiedlung ihres Geschäftes aus der Josephstadt in die anderen Stadttheile zu gestatten sei, den Krämern dagegen nicht. Hoffentlich wird der offizielle Bericht der Handelskammer bald abgefaßt sein und nähere Aufklärung bringen. Vorläufig vernehmen wir, daß ein Protest gegen diesen Beschluß von Seite vieler Handelsleute im Zuge sei. Palästina. Jerusalem, II. Tischri.. (Privatmitth.) Sie haben in Nr. 51. und 52. des vor. I. Ihrer Zeitung einige Briefe des Dr. Asche gegeben, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Spuren der Zehn Stämme zu verfolgen. Er ist bereits retournirt, ohne bis jetzt sein Ziel erreicht zu haben. Er war tief in Cyabesch eingedrungen und hat dort gewisse Nachricht erhalten, daß noch 14 Tagereisen weit in der Wüste sich Israeliten befinden, welche sehr kräftig und tapfer seien, und ein Königreich bilden. Er unternahm es daher, auch diese 14 Tage noch zurückzulegen; allein als er in die Wüste eingedrungen, wurde er von wilden Thieren und Eingebornen wiederholt überfallen, so daß er kaum sein Leben retten konnte; sie haben ihn von Kopf bis auf den Fuß rein ausgeplündert, so daß er nackt und arm umkehren mußte. Jetzt praktizirt er als Quarantaine-Arzt in Aleppo, und erhält einen schönen Gehalt, so daß er sich wieder erholt hat. — Preußen haben hier nah an der Stadt vor dem Joppcr Thore eine Seidenwürmeranstalt etablirt, um Seide zu gewinnen, mit welchem Erfolg weiß ich noch nicht. — Merkwürdig ist es, wie die ganze Welt jetzt hierher strömt, um sich hier ansässig zu machen. So ist unlängst aus Amerika eine neue Missionsgesellschaft angekorqmen, mit einem Arzte und einer Apotheke; ebenso vor zwei Monaten Nonnen aus Preußen, die ein Hospital für arme Juden etablirt haben. Wir machen aber keinen Gebrauch von beiden, da wir wissen, daß es hauptsächlich auf Proselyten abgesehen ist. — In der Stadt erzählte man sich jüngst, es sei ein türkischer Knabe geboren worden, der sogleich nach Ausgang aus dem Multerschooße mit Haaren und Zähnen versehen war und die arabische Sprache gesprochen habe. Er frug nach seinem Vater, und als dieser erschien, forderte er einen