Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1851)
- Date
- 1851-12-08
- Page
- Seite 590 (sequence 5)
- Language
- German
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590 Harsenklänge. Kleine Lieder. 2. Was flammet in des Knableins Blick, So schwärmerisch emporgezogen? Die kleine, liebliche Gestalt Steht angefeffelt, unbeweglich, Und auf dem Nacken ruht das Haupt; Der Rosenmund zum Wort geöffnet, Doch quillt kein Laut, kein Ton hervor; Was leuchtet von der weißen Stirn? Er denkt zuerst den Namen GOTT ... Still, alle Welt!... Leitender Artikel. Magdeburg, 1.Dezember. Zwei Artikel unsers heutigen Blattes, die Privatmittheilung aus Hirschberg und der Artikel aus Breslau lassen keinen Zweifel mehr übrig, daß in Preußen zwei Karrieren den Juden wieder geschlossen sind: die juristische und das Schulfach. Es ist uns wenigstens lieb, um darin klar zu sehen und zu wissen, woran wir sind. Aber gerecht wird man die Trauer finden, die uns überkommt, uns also wieder zurückgewiesen zu sehen, und die Opfer zu überschauen, welche gerade der Intelligenz unter den Juden auferlegt werden. Sehen wir auf die Schweiz, auf Frankfurt am Main, und wir dürfen uns den Geist nicht verhehlen, der durch die Welt schreitet. Man muß gestehen, wir haben in unsrer Zeit Merkwürdiges erlebt; wir haben die Gleichberechtigung wie ein Fieber durch Europa fahren sehen, und wie ein Fieber fahrt jetzt die Ausschließung hindurch; das, was wir für Sache des Rechts, der Aufklärung, der vernünftigen Diskussion hielten, hat sich uns als ein geheimnißvolles Walten einer geistigen Epidemie gezeigt; wir sind, statt eine Höhe hinaufzusteigen, auf der wie auf Felsengrund die Burg des Bürgerrechts erbaut werden sollte, in einen stürmischen Wellenschlag hineingerathen, der bald bergeshoch, bald abgrundstief schleudert. Und gerade darum können wir jetzt Nichts thun, als ruhig zusehen und ausharren. Bleiben wir an der knarrenden Wasserpumpe, um, bei dem Leck, den unser Schiff erlitten, es über Wasser zu erhalten, so viel wir vermögen, Dem vertrauend, *"im So ist es, der Intelligenz unter den Juden werden die Opfer wieder auferlegt. Während in materieller Beziehung, in Gewerbe und Industrie, schwerlich wieder eine Beschränkung Platz greifen wird — von der Schweiz und Rom sprechen wir nicht — wird der jüdischen Intelligenz der Spielraum für ihre Kräfte immer enger und enger wieder gezogen. So ist es abermals Sache dieser Intelligenz, zu beweisen, daß sie solcher Aufgabe fähig und würdig sei, daß sie im Stande ist, jegliches Opfer für das, was für sie wahr ist, zu tragen, gegen das, was ihr als unwahr erscheint. Aber um so mehr ist es auch Zeit, daß wir das wahre Panier Israels wieder erheben! Es ist nicht das Panier der bloßen religiösen Form, wie sie nothwendig war, als eine neue Dunkelheit über die Erde sich lagerte, die Dunkelheit des Mittelalters, um auch damals in einer blöden Masse das religiöse Leben kräftig und siegreich zu erhalten — es ist auch nicht das Panier der modernen Opposition, der modernen Negation, die jedes Blutkügelchen des religiösen Herzschlages unter das Mikroskop der Sophisterei und der zersetzenden Kritik bringt, um triumphicend zu rufen: es ist keine Strömung, es sind nur zahllose Zellchen, Zellenmonaden, die sich aneinandergelegt — es ist das Panier der starken, ursprünglichen Gottesliebe, das im Lichte strahlt und in der Nacht leuchtet! Dieses wahre Panier Israels müssen wir erheben und tragen, und vertheidigen unter uns und außerhalb unser, ein Panier für die Masse wie für die Intelligenz, begeisternd, erhebend und befriedigend! Und wenn es gelange, um dieses Panier die Kernschaaren Israels mit neuerstarktem Geiste zu sammeln, auf dem Felsengrunde ihrer Geschichte mit Innigkeit und Bewußtsein zu ermuthigen und zu erhalten — dann mag die Zeit der abermaligen Prüfung noch so lange währen, der Preis wäre des Opfers werth! Wohlan, zeigen wir der Wett abermals, daß Nichts uns abschreckt, die Bahn, welche eine viertausendjahrige Geschichte uns vorzeichnet, treu und beharrlich zu verfolgen, daß wir insofern unabhängig sind von Allem, was die Wett uns anzuthun vermag, indem wir nützlich verwenden, was sie uns gestattet, und ruhig entbehren, was sie uns entzieht. Ja, wir wissen, daß wir nicht blos Einzelne sind,