Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1851)
- Date
- 1851-11-24
- Page
- Seite 575 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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515 legung des Marktes nach dem Schloßplatze nicht ein, denn er wohnte dicht an demselben. Darob ergrimmte aber die ganze Rotte sehr, es kam zum Wortwechsel, zum Zank und Streit, Alle drangen auf den dissentirenden Altmeister Jordan ein, und ein junger, langer Kerl, von Branntwein und Geschrei erhitzt, versetzte dem kleinen Altmeister einen Schlag vor die Stirn, daß er betäubt am Fuße des Grenzpfeilers zu Boden sank. Es war ein entsetzlicher Lärm, aber als sie den Meister liegen sahen, rannten sie Alle davon. Da erhob sich Jossels Vater von seinem Sitz, schritt über die Grenze und den liegenden Altmeister und rief mit aufgehobenem Stabe: „Mit diesem Stabe schreite ich über diesen Jordan und werde zu zwei Lagern werden/' Ec erhob den Betäubten, setzte ihn auf einen Stuhl, übergoß ihn mit Wasser, forderte vom herbeigeeilten Wirthsmann Leinwand und Tuch, um die starkauflaufende Stirn zu verbinden, und als der Altmeister die Augen aufschlug und verwundernd umhcrschauete, da mußte wol diese Verwunderung noch größer werden, wie der Jude ihm den üblichen Handwerksgruß in's Ohr raunte, woran er ihn als braven Handwerksgenossen erkannte. Aber es war hier nicht viel Zeit zu verlieren, der wankende Altmeister wurde nach Hause gebracht, wo er Rausch und Schlag verschlafen sollte. Joffels Vater hatte seinen Entschluß gefaßt. Am andern Morgen stand er im Hausflur des Bürgermeisters und verlangte Audienz. Sie wurde ihm ertheilt. Ec stellte dem Herrn seine Lage vor und sein Begehr, im guten Städtchen Sammetloch, unter dem Schutze eines erhabenen Fürsten und großherzigen Bürgermeisters, sein Handwerk zu betreiben. Das Haupt der Stadt sah ihn verwundert an und schüttelte den Kopf. Das wäre wol fast eine unmögliche Sache, meinte er. Jossel's Vater ließ sich nicht einschüchtern. Er wußte ja, wie sich der Bürgermeister mit den Schustern stand. Er ließ einige Worte von den Gesinnungen fallen, die die Schaar der Fußbekleider gegen das großmülhige Haupt der Stadt hegte, und als dieser neugierig wurde, machte er sich gar kein Gewissen daraus, die Szene an der Grenze ausführlich zu schildern. Warum sollte er sich auch geniren, es war ja öffentlich genug geschehen und die Kunde von der Verletzung des Altmeisters würde ja nicht ausbleiben. Der Bürgermeister war gerührt von den Schicksalen des Juden, erbittert auf seine Gegner, Jossels Vater bemerkte dies bald und seine Beredsamkeit bot Alles auf, den Vielmögenden für sich zu gewinnen. Ob auch hierbei das Versprechen mitwirkte, im Erhörungsfalle die sämmtlichen Füßchen der zahlreichen Kinderschaft des Vielvermögenden auf ewige Zeiten mit dem Bedarf an Stiefeln und Schuhen zu versehen und dabei nur die Lederkosten zu berechnen, das Flickwerk aber gänzlich gratis zu besorgen, das wissen wir nicht, wenigstens haben sich über diese geheime Klausel des Vertrages zwischen den kontrahirenden Mächten keine Dokumente vorgefunden, sind am Ende wol gar nicht aufgenommen worden. — Genug, der Bürgermeister maß mit großen Schritten sein Kabinett, in welchem ec auf und abging, seine Stirn legte sich in Falten, als kreuzten sich in seinem Gehirn verschiedene Gedanken, oder als wären noch gar keine und sollte es erst zum Aufsteigen von Ideen gebracht werden. An der Seite der Thür stand der Schuster und gutmürhig reichte er dem Vielmögenden, bei seiner jedesmaligen Ankunft und Retroversion an dieser Stelle, eine Prise Schnupftaback aus seiner hölzernen Dose dar, um durch dieses wehentreibende Mittel des Geistes dem gedankenschwangern Bürgermeister und somit auch sich selbst baldigst zu erlösen. — Endlich hatte er es gefunden. Er setzte sich an den Schreibtisch und immer seliger wurde das Gesicht, je mehr sich der Kopf von seiner Bürde befreiet fühlte und je mehr die schwarzen Zeichen auf dem Papier das Herz erquickten. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Vakante Predigerstelle. Die hiesige israelitische Religionsgemeinde beabsichtigt recht bald einen Prediger zu engagiren. Derselbe muß zum Predigecamt durchaus befähigt sein und genügende Zeugnisse sowol über seine Tüchtigkeit und Qualifikation als Rabbiner, als über seine wissenschaftliche Bildung überhaupt beibringen, wie auch sich über seinen tadellosen, religiösen Wandel gehörig ausweisen können. Diejenigen Herren Rabbinen, welche aus diese Stelle reflekliren, wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse, in portofreien Briefen, bis spätestens Ende Dezember d. I. an die Unterzeichnete Stelle wenden, die ihnen auf Verlangen das Nähere mittheilen wird. Köln, 3. November 1851. Der Vorstand.