Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1851)
- Date
- 1851-11-24
- Page
- Seite 569 (sequence 5)
- Language
- German
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569 auf drei Jahre, welche gemeinschaftlich mit ihm das Kuratorium bilden. Münster, den 26. Oktober 1851. (gez.) Professor vr. Haindorf. Konsistorialoberrabbiner L. Bodenheimer. Löb. Lehrer H. Leeser. A. Wal bäum. Der hiesige Oberrabbiner Bodenheimer hat hiervon Gelegenheit genommen, an die Vorstände der israelitischen Gemeinden seines Sprengels folgendes Zirkulärschreiben zu richten, dem wir einen besten Erfolg wünschen: „Einem von dem Herrn Dirigenten des Vereins für Bildung von Elementarlehrern rc. zu Münster unter dem 9. Juli s. c. erlassenen Zirkulärschreiben zufolge, hat am 27. August eine Versammlung von Vertrauensmännern aus der Rheinprovinz und Westphalen stattgesunden, 'lwelche die fernere Erhaltung, resp. den gesicherten Fortbestand, so wie die zeitgemäße Umgestaltung des Vereins zum Gegenstände ihrer Berathung machte und in deren Mitte sich die Ansicht Geltung verschaffte, daß zunächst den betheiligten Gemeinden ein Reorganisationsprogramm vorliegen müsse, bevor an eine umfangreiche, dauernde Unterstützung Seitens der beiden Provinzen ernstlich gedacht werden könne, welche Ansicht den einstimmigen Beschluß veranlaßte, die Anfertigung eines solchen Programmes einer aus dem Herrn Dirigenten, dem Gutsbesitzer Herrn Löb, einem Konsistvrialoberrabbiner und zwei Lehrern bestehenden Kommission zu übertragen. Diese Kommission trat am 23. Oktober in Münster zusammen und so wurde nach genauer Bekanntmachung mit jedem einzelnen, die Anstalt berührenden Verhältnisse, nach reiflicher Erwägung eines jeden Punktes das beifolgende Reorganisationsprogramm entworfen und festgestellt. Indem ich Ihnen nun dasselbe hierneben mittheile, habe ich Sie im Interesse unsers Schulwesens zu bitten, in einer zu diesem Zwecke anzuberaumenden Gemeindeversammlung den Mitgliedern gefälligst an's Herz legen zu wollen, wie cs zu unseren heiligsten Pflichten gehöre, eine solche für die Wohlfahrt unserer Jugend kräftig wirkende und nach allen Seiten hin Segen verbreitende Anstalt mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen und zu stärken. Sie würden sich um Israels Jugend ein bleibendes Verdienst erwerben, wenn Sie es in Ihrer Gemeinde dahin brächten, daß sich dieselbe zu einem jährlichen, ihren Kräften entsprechenden Beitrage, wo möglich auf die Dauer von zehn Jahren, für den Verein verpflichtete und diese Summe zur Sicherung auf das Gemeindebudget übernähme. Der Verein zu Münster steht als das einzige Institut in der Monarchie da, das mit großer Aufopferung bis jetzt für die Heranbildung von Lehrern und Beförderung von Handwerken unter den Israeliten so väterlich gesorgt hat. Während ein ähnliches Institut in der Residenz nur eine kurze Zeit vegetirte, um plötzlich wieder in sein Nichts zurückzusi'nken, blüht der Verein zu Münster schon seit 25 Jahren. Welche Früchte er getragen, haben wir um so weniger hier auszuführen, als ein oberflächlicher Blick auf die Elementarschulen beider Provinzen jeden Unbefangenen schon hinreichend überzeugt, daß wir die tüchtigsten Lehrer, die unermüdlichsten Arbeiter auf diesem schwierigen Felde, jenem Institute allein verdanken und daß die Quelle der Achtung, die unseren Elementarschulen hie und da wegen der Gründlichkeit ihres Unterrichtes und ihrer trefflichen Disziplin von Seiten der anerkanntesten Pädagogen zu Theil wird, einzig und allein in jenem Seminar zu suchen sei. Am Deutlichsten tritt seine Wirksamkeit vor unsere Augen, wenn wir anerkennend in Erwägung ziehen, was wol aus der Jugend dieser Bezirke im Laufe vergangener Jahre geworden wäre, hatte nicht gerade dieses Seminar Männer herangebildet, die befähigt waren, den Schulen den Charakter und den Geist einzuprägen, den die Gegenwart so mächtig anstrebt. War aber sein Streben in der Vergangenheit schon als ein heilbringendes zu bezeichnen, was dürfen wir nicht erst von der Zukunft erwarten, die durch allmälige Entwickelung der im Programme angedeuteten Verbesserungen, die sich über die religiöse Richtung, die hebräischen Kenntnisse und Prüfungen der Zöglinge, wie über die Verwaltung des Vereines erstrecken, alle Parteien in religiöser und wissenschaftlicher Beziehung sicher befriedigen wird. Allein die bis jetzt dargebrachten, freiwilligen Beiträge, die namentlich aus der Rheinprovinz sehr spärlich geflossen, so wie die Zinsen des dem Vereine eigenthümlichen Fonds reichen keineswegs zur Befriedigung eines so hochwichtigen Bedürfnisses aus, und so ist es an uns, an den Gemeinden, durch eine um-