Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1851)
- Date
- 1851-11-17
- Page
- Seite 563 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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563 Ebenso Literarisch interessant aber von viel größerer praktischer Wichtigkeit ist das Ln derselben Buchhandlung 1850 erschienene Werk 8epber hajaschar, das Buch vom rechten Lebenswandel, angeblich von Rabenu Tarn, nach den ältesten und correctesten Ausgaben zum ersten Male in’s Deutsche übersetzt durch J. Kaufmann, 200 S. 8. Wir erhalten hier den hebräischen Text, Ln welchem die Klarheit des Ausdrucks und die Gewandtheit, mit der die abstraktesten Gegenstände behandelt werden, nicht genug zu bewundern sind, als auch eine sehr gelungene, texegetreue, gute deutsche Uebersetzung dieses alten Werkes, welches dem Studium der neueren Theologen überaus zu empfehlen ist. Auch ist das Buch sehr geeignet, den Jüngling, welcher sich auf eine instruktive und angenehme Weise zum Verständniß der rabbinischen Schriften vorbereiten will, eine genügende materielle Anleitung zu verschaffen, beiläufig auch Lehrern zu Exerzitien beim Uebersetzen aus dem Deutschen ins Hebräische Materialien zu liefern. — Hier der reichhaltige Inhalt: I. Der Grund der Weltschöpfung (öbwtt nana Tiö). II. Die Erklärung von den Säulen des Gottesdienstes (rrrny) und seine Ursachen. (Gottesdienst ist hier natürlich nicht blos das Gebet oder überhaupt der äußere Kultus, sondern die „von einem reinen Herzen ausgehende, auf dem Glauben an Gottes Vollkommenheit beruhende Gotteserkenntniß.") IH. Vom Glauben (Wiek) und von den Grundfesten des Gottesdienstes. „Der Glaube muß aus der Vernunft stammen, Vernunft aber ist der Inbegriff von Liebe, Gottesehrfurcht und Weisheit (N2NdrN N722NN"! N8*NN), denn wo sich diese drei verbinden entsteht die Vernünftigkeit." IV. Der Gottesdienst, kurz zusammengefaßt. V. Von den Säulen des Gottesdienstes, welche sind: die Vernunft, die Liebe, die Ehrfurcht, die Weisheis und der Glaube. VI. Von der Erklärung derjenigen Dinge, die zum Gottesdienst beitragen und die davon abhalten. VH. Von der Buße, der Ordnung der Gebete und der Enthaltsamkeit. VIII. Von der Erkenntniß Gottes. „Gott kann nicht positiv erkannt werden, sondern nur aus den Gegensätzen des Erschaffenen, da wir nur das erfassen können, was mit uns eine Gemeinschaft hat." „Wir können nur sagen: Gott ist die Alles umfassende Einheit und dann sind seine Kräfte und Eigenschaften eingeschlossen (rnTfifcO bbr>)." IX. Von den Zeichen des Wohlgefallens Gottes und wie der Mensch erkennen kann, ob er vor Gott Gnade gefunden u. s. w. Der Sieg der moralischen Kraft über die Leidenschaft charakten'si'rt den gottgefälligen Wandel. X. Ueber die Buße. Reine Buße wäre Rückkehr zur kindlichen Reinheit. XI. Von dem Vorzüge der Frommen. XU. Vdn den Geheimnissen der künftigen Welt. „Die künftige Welt ist außerhalb der uns umgebenden Weltkörper und ein unendlicher Raum, wo nur Geistiges waltet." Die Unbegreiflichkeit des Fortlebens und wie die Ueberzeugung nur aus dem Glauben hervorgeht, schildert der Verfasser sihr passend (man wird an Jean Pauls unsichtbare Loge erinnert); Diele (jetzige) Welt gleicht einer Höhle unter der Erde, deren Bewohner glaubt, es gebe außer ihr keine Welt, weil er Nichts außer ihr noch gesehen hat, käme er aber heraus, so würde er weite Länder, Himmel, Weltmeer und Sterne sehen. XIII. Vom ganzen Wesen des Gottesdienstes. XIV. Von der Berechnung (besser wäre Abrechnung) des Menschen (yiaran) mit sich selbst. XV. Von der Zeit, die dem Gottesdienste besonders gewidmet ist. XVI. Von der Glückseligkeit der künftigen und den Mißgeschicken, Zufällen und Verlockungen dieser Welt. XVII. Daß der Mensch des Sterbetages gedenke. XVIII. Von dem Unterschiede zwischen dem Frommen und dem Frevler. —- Das Buch ist eine kostbare Perle und gewahrt mehr praktischen Werth als manche sogenannte Religionsphilosophie der Neueren und mehr Erbauung und Sittenlehre als viele nach dem besten und neuesten homiletischen Zuschnitt verfertigte Predigten. — Welches Publikum wird aber Herrn K. für seine Mühe und Kosten entschädigen? Besser wäre es vielleicht gewesen, die Uebersetzung wäre mit deutschen Lettern gedruckt worden. Ein nur für die wenigen Liebhaber der spanisch-jüdischen Dichterwerke edirtes Werkchen (London, 1850. 8. 66 S.) ist: *nööp« (die Schätze Oxfords), eine Sammlung von Gesängen und Pijutim aus der Bibliothek von Oxford, veranstaltet von Edelmann und L. Dukes (dem berühmten Kenner der hebräischen Poesie der Spanier). In der in schönem Hebräisch geschriebenen Vorrede wird uns Mehreres über die Sänger Salomon den Jehuda den Gabirol, Jehuda Halevk, Moses den Jakob Aden Esra, Abraham den Meir Aden Esra, so wie über ein in der Bodlejanischen Bibliothek aufgefundenes Autograph von Rambam's Mischna Tora mitgetheilt, auch ein tao simile des Maimonides hinzugefügt. Die mitgetheilten, bis jetzt noch ungedruckten Gedichte sind von den oben angeführten Sängern: ein herrliches V2 zum Jom Kippur von Jehuda Halevi, eine nbvn von Gabirol, Pismon zu Schebuot von Halevi, rrw ‘vo von M. Esra an