Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1851)
- Date
- 1851-11-17
- Page
- Seite 559 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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559 I Beiträge zur alten Gemeinde zu liefern, und der Gottesdienst selbst unter polizeiliche Aufsicht gestellt wurde. Diesem reihe ich noch ein Geschichrchen an, das, so seltsam es auch klingen mag, dennoch der Veröffentlichung werth ist. Herr Tiktin aus Breslau hatte vor kurzer Zeit Audienz bei Sr. Maj. dem Könige in Potsdam, und bei dem Minister v. Raumer hier. Und, wie es heißt, — staunen Sie nicht — beabsichtigte er — warum nicht'! —- sich das Rabbinat über Schlesien, als Gnade, ausbitten zu wollen. Doch rufen wir ihm die Worte zu: «bi dipn »6 es wird nicht werden und nicht sein. Zwar, wie man im Allgemeinen vermuthet, geschieht dies nicht aus eigenem Antriebe dieser Partei, sondern sie soll vom Pietismus unserer christlichen Brüder dazu angetrieben worden sein, um so im Bunde vereint jedem freien Institute in jeder Gesellschaft hinderlich entgegenzutreten. Herr Tiktin soll auch ein Empfehlungsschreiben vom Kardinal zu Breslau v. Dypenbrok an Raumer abgegeben haben. Sollte dies der Fall sein, so bleibt uns nichts Anderes übrig, als mit Entrüstung auf diesen Mann zu sehen, der sich dazu hergiebt, und solche Mittel anwendet, um nur zur Herrschaft gelangen zu wollen. — Ich komme nun noch auf einen Gegenstand zurück, der hier wieder die Aufmerksamkeit unserer Mitglieder beider Gemeinden auf sich zieht. Es ist dieses die Wiederwahl eines Mitglieds zur städtischen Schuldeputation. Die jüdische Gemeinde hier hat das Recht, einen Abgeordneten zur Schuldeputation zu wählen. Eine Reihe von Jahren füllte diese Stellung der wackere selige Herr Ruhr vollkommen aus. Doch jetzt ist man gehörig in Verlegenheit. Die Orthodoxie will Herrn Dr. Sachs und die Reformer wahrscheinlich Herrn vr. Stern zum Kandidaten Vorschlägen. Da aber die Gemeinden zusammen nur einen Mann zu schicken haben, so können diese Parteihäuptlinge nicht, wenn man im Allgemeinen wirken sollte, gewählt werden. Von der hiesigen Schulangelegenheit überhaupt behalte ich mir vor, künftig ausführlich zu schreiben. .r Berlin, 6. November. (N.-Z.) Die zwischen der hiesigen jüdischen Reformgemeinde und dem Vorstand der ältern Gemeinde gepflogenen Unterhandlungen über eine friedliche Regulirung ihrer Verhältnisse zu einander, sind von dem Letztem schon vor mehreren Wochen abgebrochen worden. —. 8. November. Die hiesige jüdische Gemeinde wird verfassungsmäßig durch ein Mitglied in der Schuldeputation des Magistrats vertreten. Es ist gegenwärtig eine Vakanz vorhanden, welche wieder besetzt werden soll. Der Gemeinderath wird die desfallsige Wahl demnächst zu vollziehen haben. Dieselbe ist jedoch nicht ohne Bedenken, weil man bei der Wichtigkeit der Stelle für die Interessen des Judenthums ein Mitglied wünschen muß, welches die ganze jüdische Gemeinde zu vertreten geeignet ist. Ein solches Mitglied wird sich aber bei den bekannten Zerwürfnissen in der Gemeinde nur sehr schwer finden lassen. Wie man hört, dürfte neben Anderen vornehmlich auf den Rabbinatsaffessor vr. Sachs und den ehemaligen Stadtrath Jakobson das Augenmerk gerichtet werden. Meurs am Rhein, 4. November. (Privatmitth.) Sie nehmen in Ihrer Zeitung wol gern Akt von einer menschenfreundlichen Handlung, wie sie leider! immer noch zu den Seltensten gehört. Am 26. Oktober feierte hier der Fabrikbesitzer Herr Friedrich Witgens seine goldne Hochzeit; an diesem Tage übersandte er der jüdischen Gemeinde für ihre Armen 50 Thaler Krt., eine Gabe, die nach dem numerischen Verhältnisse der Gemeinde (20- Mitglieder) zu den beiden christlichen eine äußerst reiche genannt werden muß. Die innigste Anerkennung unsers Herzens möge den ehrwürdigen Geber erfreuen! . Witzeuhausen, 5. November. (Eingesandte Warnung.) Seit 2 Jahren treiben sich namentlich in Kurhcssen ein Korrektor 'rraa br»2 und ein Toraschreiber idio aus Rußland Namens Israel Samuel Levit und Jakob (Paukel) Israel Levit aus Pluniany, herum und haben in unserm Ländchen bereits viel gearbeitet. Auch in Reichensachsen unweit Eschwege haben diese Leute 7 Wochen an sieben Torarollen gearbeitet. Als diese fertig waren und die Arbeiter ihren Lohn verlangten, verweigerte die Gemeinde diesen wegen zu schlechter Arbeit. Die Sache kam zum Prozesse und dieser dauerte bereits ein halbes Jahr, als auf den 13. v. M. Sachverständige von beiden Seiten zur Begutachtung der Arbeit vorgeschlagen wurden. Unter diesen war auch der Unterzeichnete, und zwar von den Arbeitern vorgeschlagen. Zwar habe ich die Sache mit meinem Herrn Kollegen aus Ehrfurcht und Heiligkeit gegen unsere Tora ausgei