Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1851)
- Date
- 1851-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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xv. Jahrgang. Allgemeine Ro. 44 Zeitung -es Zudcnthums. Eiu unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philippson, Dr. V. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 27. Oktober 1851. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22V2 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Die bürgerliche Gleichstellung. — Ueber jüdische Erziehung. Von Uri. (Schluß.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Berlin, Berlin, Breslau, Schneidemühl, Ostrowo, Koblenz, Köln, Frankfurt a. M., Frankfurt a. M., München. Großbritanien: London. Italien: Nom. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Pädagogische Aphorismen. Von E. Wolffberg. (Schluß.) Belletristisches: Der unbekannte Rabbi. Eine Novelle. (Fortsetzung.) Leitende Artikel. Magdeburg, 21. Oktober. Die bürgerliche Gleichstellung. So wehe es thun muß, eine Voraussagung, deren Inhalt schmerzlich ist, immer mehr in Erfüllung gehen zu sehen, so ist es doch vollkommen richtig, was wir schon gegen Ende des Jahres 1848 oft genug aussprachen: daß die bürgerliche Gleichstellung der Juden noch auf sehr schwachen Stützen ruhe. Ja, wir können jetzt geradezu sagen, in den Landern, in welchen diese Gleichstellung nicht schon vor 1848 erlangt war, wird sie noch lange ein vielbestrittener Preis der Anstrengung und der Entwickelung sein. Wir brauchen nur auf jede Nummer dieses Blattes hinzuweisen, um die Beweise dafür zu haben. Weshalb wir dies aussprechen? Wahrlich, nicht um jene Großsprecher zu demüthigen, die oft genug, ja noch in jüngster Zeit aussprachen, daß die Judenheit gar keine politische Mission mehr habe, und daß sie in dieser Beziehung aufgegangen sei in die Allgemeinheit — denn was geschieht, können diese doch nicht verhüllen — sondern erstens um die Juden selbst auf diesem Gebiete immerfort wach zu erhalten, daß sie nicht müde werden, selbst mühsam nach dem zu ringen, was ihnen wieder entwunden wird und werden soll; zweitens um alle jüdische Eltern hinsichtlich ihrer Kinder immer wieder vor falschen Schritten zu warnen, die sie gehen in dem Traume der Lässigkeit: bis unsere Kinder zur Karriere reif sein werden, wird es schon anders geworden sein — wollet Ihr Eure Kinder dem Judenthume erhalten, wollet Ihr nicht die heuchlerische Maske vornehmen: unsere Kinder haben ja selbst zu wählen — heuchlerisch, weil Ihr ihnen dann fast keine Wahl gelassen — so dürft Ihr sie nur für solchen Beruf bestimmen, von dem Ihr sicher, ganz sicher seid, er wird den Juden nicht wieder verschlossen. Wollet Ihr hierfür einen Rath, einen Rath, der nicht aus Oppositionsgeist, sondern aus der einfachsten Beachtung der Weltverhälknisse fließt: erziehet Eure Söhne, wenn sie hervorragende Talente zeigen, zu Technikern, zu Chemikern, zu Mechanikern, zu Maschinenbauern, zu Baumeistern rc. rc. Dies sind Wege, auf denen Talent und Fleiß glanzende Karrieren machen und gute Ziele erreichen können, ohne von Jemandem abhängig zu sein.... Die Stellung der Judenheit bringt es einmal mit sich, daß jeder Jude höchstens vom allgemeinen Publikum abhängig sei; die Unabhängigkeit scheint das Vehikel ihres Bestandes zu sein. So wie ein Jude abhängig wird,