Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1851)
- Date
- 1851-09-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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xv. z-h-g°°g. Allgemeine No. SS. Zeitung -es Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philipps«»», Dr. V. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 22. September 1851. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 7 8 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22*/a Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächf. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Dessau, aus der Provinz Posen, aus der Provinz Posen, Königsberg, Köln. Oesterreichischer Kaiserstaat: Pesth, Prag, Lemberg. Großbritanien: London. Literarische Nachrichten: Breslau, aus der Altmark. Belletristisches: Der unbekannte Rabbi. Eine Novelle. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Dessau, 12. September. (Eingesandt.) Heute endlich ist es dem rastlosen Bemühen unsers Vorstandes gelungen, den mit dem bisherigen Rabbiner der hiesigen Kultusgemeinde bestandenen Kontrakt definitiv zu lösen. Letzterer war auf 3 Jahre abgeschlossen, während die Wirksamkeit des Stadthagen im Ganzen nur etwa 6 Monate gedauert hat. Aber auch welche Wirksamkeit! — Dieser junge Mann („in Meseritz ist er zu Hause") war aus dem Haus- oder Privatlehrerstande von Berlin aus auf den hiesigen Rabbinatssitz, der gewiß nicht zu den unrühmlichsten in Deutschland gehört, berufen worden. Aber seiner unbegrenzten Eitelkeit und Selbstüberschätzung genügte das nicht, und fast von der ersten Stunde seines Hierseins an strebte er danach, Landesrabbiner zu werden. Hätte er den geraden Weg hierzu eingeschlagen, so würde er, wenn auch nicht so rasch, doch mit der Zeit jedenfalls dieses Ziel erreicht haben; denn wenn er durch tüchtige Leistungen sich dessen werth gezeigt hätte, wäre ihm ohne Zweifel vom Vorstande selbst die Hand dazu geboten worden. Doch der Ehrgeiz in seiner Verblendung schlägt gern die kürzesten Wege ein. vr. St. zog es vor, sich der politischen und mehr noch der christ-kirchlichen Restaurationspartei in die Arme zu werfen, suchte sich durch diese, der ein solches Werkzeug bei ihren judenfreundlichen Plänen sehr willkommen war, bei einzelnen Hochgestellten und Vornehmen Eingang zu verschaffen, und von diesem Augenblicke an ließ er jede Rücksicht auf seine Gemeinde links liegen, schwelgend in der Aussicht auf die Verherrlichung seines eignen Namens, war er beständig im schwarzen Frack mit weißen Glacehandschuhen zu sehen, und früh und spät stand er an den Glockenzügen der Beamten und in den Vorzimmern der Großen. Endlich wurde sein sehnlichster, langgenährter Wunsch erfüllt: er wurde nicht nur dem Staalsminister v. Plötz vorgcstellt, sondern erhielt auch bei unserm Herzoge eine Audienz. Hier nun schilderte er sowol den religiösen, als auch ganz besonders den politischen Standpunkt unserer Gemeinde in einem überaus nachtheiligen Lichte, flehcte um Schutz und Beistand für sein Streben, uns zur Gottesfurcht und somit zur Unterthanentreue zurückzuführen, ja, als ihm hiernach der Auftrag ward, einen schriftlichen Bericht über diese Verhältnisse einzureichen, entblödete sich dieser Mensch nicht, hierin Verdächtigungen gegen