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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-09-01 · Heft 36 (1.9.1851) · p. Seite 422

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 36 (1.9.1851)
Date
1851-09-01
Page
Seite 422 (sequence 2)
Language
German
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422 die ganze Zeit im Zimmer hätte zugcbracht werden sollen; ferner die stärkende Bewegung, die ich mir machen konnte; dann auch das reinliche, nette Gemach mit der das Herz stets erfreuenden, weiten Aussicht; die guten Speisen, die gereicht wurden, die weiße Wäsche, die stets bereit lag; endlich der Arzt, der mein Uebel von Beginn an richtig beurtheilte, und mir das für mich Zweckmäßigste, was der Ort bot, verordnete; ja der Arzt auch, der unter den hundert Badern des Vaterlandes gerade nach diesem mich sandte — und wenn ich es weiter bedenke, so waren vor Allem wieder die Mittel nothwendig, um auch hierberreisen, hier verweilen und alle Anstalten in Bequemlichkeit genießen zu können; ich bedurfte des freundlichsten Entgegenkommens meiner Vorgesetzten, um die nöthige Zeit zu erhalten; der liebevollsten Gefälligkeiten meiner Verwandten, die sich unterdeß, wahrend Vater und Mutter so fern weilten, der Kinder annahmenkurz, ich kann noch eine ganze Menge Dinge auszählen, die mehr oder minder nothwendig waren, um die gesegnete Wirkung hervorzubringen, deren ich mich nun zu erfreuen habe-und nun, in dieser wie von Weitem vorbereiteten und angeordneten Vereinigung aller dieser zu meiner gänzlichen Genesung und Wiederherstellung unentbehrlichen Dinge sollte ich nicht die Hand der göttlichen Vorsehung erkennen, fühlen, glauben? Da sollte ich nur den Brunnen sehen, der dort in der Niederung quillt, den Arzt, der da im Hause wohnt, die Sonne, die Luft, die Verwandten, die Freunde, die Bäume, die Au und die Höhen — sie Alle, die keine Bezüge unter einander haben, und doch jetzt zusammentreten, zu meimem Heile zu wirken? Wie todt! wie leer ist solch' ein Glaube, denn mehr als ein Glaube ist es doch auch nicht.... |3. Sie haben Recht, ich trete Ihnen gänzlich bei; aber die Gegner haben doch das für sich, daß sie das Wahrnehmbare und Erweisliche für und vor sich haben, also verlangen können, daß man ihnen erweise, wenn man noch ein Unsichtbares, Verdecktes, Ueberirdisches hinzugesellt. ... «Ä. Das wäre richtig, mein Freund, wenn der Mensch, das Unsichtbare, Verdeckte, Ueberirdische leugnen könnte wenn er diesem nicht überall begegnete, dieses nicht überall sich ihm auforangte, so daß wir mit völlig gleichem Rechte von unseren Gegnern verlangen können: erweiset, daß es kein Unsichtbares, Verdecktes, Ueberirdisches giebt.... Ich wünsche, daß Sie mir dies noch etwas naher bezeichnen; der Gedanke scheint mir von Wichtigkeit. A Und es ist doch so klar. Die Gedanken und Gefühle, die wir eben aussprechen, von wannen kommen sie? Nicht von einem Unsichtbaren, Verdeckten? Ob die Materialisten sagen, das Denken und Fühlen fei eine Funktion des Gehirns und der Nerven, haben sie damit Etwas erklärt, mehr erklärt als wie Spiritualisten, welche den Geist als ein selbstständiges, mit dem Körper nur zeitweise verbundenes Wesen betrachten? Das Athmen, das Verdauen, die Bewegung, das sind sichtliche, wahrnehmbare Funktionen der Organe, aber Denken und Füh- -len. Erinnern und Wollen?... Also ein Jeder trägt schon das Unsichtbare, Verdeckte, Unerweisliche mit sich selbst herum. Und nicht also auch in allen Erscheinungen der Natur? Die Wirkungen sind sichtbar, greifbar, aber die Ursachen? die Kräfte, die jene Wirkungen Hervorrufen? Wer hat die elektro-magnetische Kraft gesehen, erkannt, erwiesen? Niemand, nur die Wirkungen derselben. Ja, gehen wir wieder aus uns selbst zurück: wir sind, wir wurden — aber wie wurden wir? Jenes wunderbare Geheimniß der Zeugung, die Kraft, die uns in's Dasein rief, wer kann es wahrnehmen, wer hat es erkannt, erwiesen?... Also stoßen wir in jedem Augenblicke auf ein Unsichtbares, Verdecktes, Unerweisliches, und die dies im Ganzen leugnen wollen, während sie es im Einzelnen zugeben müssen, die es für das Universum nicht zugestehen wollen, wahrend sie es für jedes einzelne Ding zugestehen müssen, sie sind wol eher gehalten, diese Leugnung zu erweisen, als wir sein Vorhandensein. ... D. Was Sie aber hier angeführt, betraf allein die natürlichen Dinge; Sie sprachen jedoch dasselbe Unsichtbare, Ueberirdische den Geschehnissen zu, welche Ihnen jüngst hier im Bade so segensreich zugekommen, also den menschlichen Dingen. ... A. Ganz recht, und Nichts ist leichter, als es hier ebenfalls zu erkennen. Denken Sie an irgend einen Vorgang in Ihrem Leben: war er die einfache Folge einer einfachen Ursache — oder war er nicht vielmehr das Resultat, das Ergebniß einer großen Komplikation von Verhältnissen? Betrachten Sie die Stellung eines Menschen im Leben, und sei es die einfachste — welche Menge von Verhältnissen, von seiner Wiege an, gehörten dazu, mußten Zusammentreffen, um ihm gerade diese Stellung zu geben und keine andre! Ich möchte sagen, die ganze Weltgeschichte mußte vorangehen, um dem einfachsten Handwerker seine Stellung so und nicht anders zu geben; seine Ettern, seine Lehrer, sein Meister, seine Mitgesellen/

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