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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-08-18 · Heft 34 (18.8.1851) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 34 (18.8.1851)
Date
1851-08-18
Page
Seite 399 (sequence 3)
Language
German
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399 IV Silber in den dünnen Locken! Herrlich in dem Kranz der Ehren, Herrlich in dem Kranz des Friedens Nach des Lebens Kampf, dem schweren! Aber Silber in den Locken Nach verlornem, eitlem Leben Ueber rauhem Sturm im Herzen, Das die Wogen wild durchstreben- Einsam sitzt der Greis, verdüstert, I» der traurig öden Klause, Denn der Fremdling sucht ihn nimmer, Und er wich vom Stammeshause. Was er hatte, warf er von sich, Was er suchte, fand er nimmer, Und sein Licht erlosch im Sturme, Als er nachging falbem Schimmer. Weh, wohin soll er den müden, Stützelosen Geist jetzt wenden? Denn der Zweifel kühnes Ringen Fand im Nichts die letzten Enden. O wer sich die Umkehr wahrte Für den Abend Au der Väter hehrem Glauben, Stärkend, labend! * * * Nicht des Menschen ist das Wissen, Sein Beweis ist niemals Schauen — Woll' auf den Verstand nicht bauen. Aus dem Geist herausgeriffen — Setzest Schluß auf Schluß zusammen, Und zuletzt bist Du betrogen, Und zuletzt stürzt es in Flammen, Denn der Grund hat Dir gelogen.... Was die Menschheit seit Jahrtausend Nur nach schwererkampften Siegen Groß an ihrer Brust gezogen. Was, ob linde oder brausend Ihm vorbei die Zeit geflogen, Steten Wuchses aufgestiegen, An der Sonne sich gekläret. An dem Sturme sich gestählt — Das ist Wahrheit, das bewähret. Das, was nimmer fehlt! Hast Du mit dem ganzen Geiste Dies ersaßt und Dir geeignet, Mit der Harmonie der Kräfte, Die noch niemals dies geleugnet — Hast Du's mit der Lüge schmutz'gen Händen niemals angetastet, Mit des gist'gen Truges Schacher Nie Dein bebend Herz belastet — Bauest Du mit glüh'ndem Eifer Dann auf diesem Grunde weiter, Fügst zum Bau auch Deine Steine, Eine Stufe zu der Leiter: Ewig jung und ewig blühend Krönet Dich das reiche Leben, Windet Kranze Dir um's Haupt noch, Um das Silbeclocken schweben; Geht die Sonne Dir einst unter, Leuchten tausend Sterne holde. Und die dunkelste der Wolken Ist umsäumt von hellem Golde. Franzensbad,im August. Leitende Artikel. Franzensbad, 4. August. Einwärts! Allerdings ist es Zeit, daß die Bekenner des Judenthums Abrechnung mit sich halten. Wenn die vergangene Zeit die Periode des Kampfes um die bürgerliche Gleichberechtigung war, ein hoher, heiliger Kampf, denn im Besonder» war cs der Kampf, dem vollgiliigsten Verlangen, dem, den Menschen erfüllenden Bedürfniß, um seines Glaubens willen im Gebrauch seiner Kräfte nicht behindert, um seiner Ueberzeugung willen nicht hinlenangcsetzt zu werden, zu genügen, im Allgemeinen war es der Kampf um Glaubensfreiheit — so ist doch jetzt dieser Kampf so weit entschieden, daß er das Hauptmoment des Inhalts und Strebens für die Zukunft nicht mehr sein kann. Wir wissen wol, daß diese Gleichberechtigung hin wieder beschränkt, dort wieder gemaßcegelk werden kann, so daß sie eigentlich wieder aufgehoben ist, denn das kleinste Gewicht schon macht „gleich" zu „ungleich" — allein dieser Kampf im Kleinen und Einzelnen, so wichtig er auch ist, und so sehr er Schritt vor Schritt verfolgt werden muß, ist nicht mehr das Charakteristische der Epoche, weil die Frage im Großen und Ganzen für immer entschieden ist.

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