Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1851)
- Date
- 1851-08-11
- Page
- Seite 395 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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395 glieder waren freiwillig gekommen; kein Vorgesetzter, keine Behörde, nur die gute Sache war es, die sie zusammenrief und kleine Opfer nicht scheuen ließ. Die Konferenz war eine freie; d.h. zu zweit, die Meinungsäußerung war frei. Versteht sich das nicht von selbst? Freilich; aber Schreiber dieses weiß aus Erfahrung, daß gewisse christliche Konferenzen deshalb nichts Nachhaltiges erzielt, weil die Herren Schulinspektoren nicht nur ex officio als Konferenzleiter austraten, sondern sich auch anmaßten, eine Art Meinungszensur einzuführen und ihre Worte als Evangelien zu betrachten. — Bei der qu. Konferenz wurde der Konferenzvorsteher erwählt und Herr Oberrabbiner Bodenheimec hat es verstanden, nach dem Ausspruche Secharias (11, 7.), den Stab „Noam" mit dem Stabe „Choblim" zu verbinden, Ernst mit Milde zu paaren, wohlerwägend, daß ein Widerspruch nicht der Person, sondern der Sache gelte. Drum konnte auch Jeder seine Meinung sagen; und er hat sie gesagt; auch die jüngeren Mitglieder haben mit löblichem Freimuthe gesprochen, und ich finde das nur ehrenwerth. Wer könnte auch an zwerghafter Gesinnung, an fledermausartigem Treiben Gefallen finden? Schmeichelei — und wenn sie auch noch so fein, noch so schön mit Salonfirniß geschminkt — bleibt immer Falschheit und zeigt jedenfalls von Mangel an Selbstgefühl und Charakterbildung. „Selbst ist der Mann" und „Nur wenn dieWahrheit frei ist, ist die Freiheit wahr." Die Konferenz — man verzeihe die kurze Unterbrechung — war endlich eine vielfach anregende, vorbereitende und läßt sich hoffen, daß durch die Betheiligung tüchtiger Kräfte ihre Wirksamkeit eine immer weiter greifende und — was sehr zu wünschen — praktisch bedeutungsvollere werden wird. Allerdings ist erst an dem Erreichten das Verdienst eines Instituts zu bemessen; aber auch schon der Eifer für das Gute verdient die Achtung aller Besseren. W orte sind freilich nur BLüten, Thaten sindFrüchte, aber müssen jene nicht diesen vorausgehen? Was ich damit sagen will? Erstens, daß man derlei Bestrebungen nicht so vornehm, mit hochgerümpftec Nase betrachten und zweitens, daß man auch in anderen Provinzen ähnliche Konferenzen veranstalten möge. Ich habe schon vor einigen Jahren einmal darauf aufmerksam gemacht (Ztg. d. Judenth. 1847, No. 12), aber bis jetzt ist's — wie so manches Andere — ein pium desiderium geblieben. Doch hierüber ein ander Mal. — Möge die Konferenz immer.mehr erstarken und ihr thatkräftiges Wollen von segensreichem Gelingen gekrönt werden. Möge den Lehrern in Israel recht bald das Morgenroth einer bessern Zukunft lichthell auf die häufig noch so düstere Gegenwart strahlen. Noch immer ist die Schule im Kampf gegen Vorurtheil und falscheAufklarungssucht, noch immer von den Gemeinden stiefmütterlich behandelt, noch immer wird ihr vom Staate nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdient und zu fordern berechtigt ist. Jndeß thun wir Alle das Unsrige, Jeder in seinem Kreise, Jeder nach seinem besten Wissen und Können. Das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, die Achtung der Besseren aller Orte, die Liebe, die aus dem reinen Kindesauge uns entgegenleuchtet — das sind schöne, duftende Blumen in dem Dornenkranz des Lebens; pflegen wir diese Blumen mit liebevollem Herzen; schützen wir sie mit dem Demantschild des Glaubens. Unser gemeinsames Band sei die Eintracht, unser Leitstern Liebe, unser Ziel Wahrheit, und unser Losungswort immer und immer: Es werde Licht! I. Wedell. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 */* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Berlagshandlung. Durch den Ankauf eines größeren und passenderen Lokals beabsichtige ich meine seit längerer Zeit bestehende Pensionsanstalt für Knaben zu vergrößern. Es können schon zu Michael d. I. noch Zöglinge, welche das hiesige Gymnasium, oder die Franzschule (neuorganisirte Handelsschule) besuchen wollen, unter den annehmbarsten Bedingungen ausgenommen werden. Mein Bestreben wird stets dahin gerichtet sein, dem mir von den Aeltern geschenkten Vertrauen in jeder Beziehung zu entsprechen. Deßau, 25. Juli 1851. Dr. Gustav Philipps»», Lehrer der Herzog!. Franzschule (Handelsschule) und Prediger des deutsch-israelitischen Gottesdienstes zu Leipzig. (Während der Messen, Thomaspförtchen No. 1 im Lokale des Tempels.) Ein israelitischer Kantor, welcher bereits 9 Jahre zur vollkommensten Zufriedenheit fungirt, mit authentischen Zeugnissen versehen und im Stande ist, neben seiner angenehmen und kräftigen Stimme einen vollständigen Chor einzusühren und zu leiten; auch befähigt ist, Gebetstücke nach dem alten Ritus aufs Beste zu rezitiren: wünscht in einer größer» Gemeinde eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stelle. Reflektirende Gemeinden wollen sich