Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1851)
- Date
- 1851-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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xv.Jahrgang. Allgemeine No. 30. Zeitung -es Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philippfon, Dr. V Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher R e d a k t e u r. Leipzig, den 21. Juli 1851. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 7 8 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; -— 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22V2 Ngr. (IS gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Seitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Ueber jüdische Erziehung. Von Uri. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Palästina: Jerusalem. Deutschland: München, Jever, Frankfurt, aus dem Posenschen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Pesch, Horzic, Prag. Rußland: aus Polen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Joseph Johlson. Nekrolog. Von Dr. S. Formstecher. Korrespondenz: Goch. Bericht über die in Krefeld stattgehabte Versammlung israelitischer Lehrer aus der Rheinprovinz und Westphalen. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Ueber jüdische Erziehung. Von Uri. (Forts etzung.) Zuerst die Frage: Welche religiöse Richtung geben wir ml unseren Kindern? dann: was bieten sich uns für Mittel zu ihrer religiösen Erziehung dar, und wie benutzen wir dieselben? welche neue Mittel haben wir zu schaffen und welche neue konkrete Gestaltung des Judenthums herbeizuführen? — Welche religiöse Richtung geben wir unseren Kindern? Hören wir zuerst hierauf die gewöhnlichen Antworten. „Laß sie Christen werden!" ruft dir der orthodoxe und fromme Christ zu. „Ist es wahr," sagt er, „wie ihr selbst gestehet, daß eure Formen verlebt sind und für euch bedeutungslos geworden, daß das euch und uns ehrwürdige rabbinische Judenthum einer neuern konkreten Gestaltung des Judenthums weichen muß, wonach ihr ringet und strebet, ist es wahr, wie es schon lange wahr ist, daß ihr selbst die mosaische Institution nicht ausführen und den größten Theil der mosaischen Gesetze nicht befolgen könnet — nun, wo wollet ihr anders Befriedigung finden als im Christenthum, welches, aus euch selbst hervorgegangen, unter Aufhebung aller euch bindenden Gesetze und Formen, den Inhalt seines allein seligmachenden Glaubens euch bietet, vorhergesagt und verkündet durch eure Propheten, die Erfüllung des Wortes von Anfang her bis zum Ende?" — Schwerlich verlanget man hier von uns eine neue Kontroverse zwischen Judenthum und Christenthum. Jeder Jude, welcher fragt: welche religiöse Richtung gebe ich meinem Kinde? weiß, wenn es auch nicht jeder wiffenschafrlich-theologisch darthun kann, daß das wahre Christenthum inhaltlich dem Judenthum schnurstraks Gegensatz ist, wenn auch nicht in seiner Morallehre — denn diese ist selbst nach der orthodox-christlichen Meinung schon im Judenthume vorhanden — aber eben seinem Inhalte nach. Das jüdische Bewußtsein ist eng verbunden mit der Idee von einem einig-einzigen, gerechten aber gnadenreichen, zum Menschen, so wie zur ganzen Natur, unmittelbar stehenden, in dem Stamme Israel zuerst anerkannten und verkündeten Gotte, und verliert seine ganze Existenz, seine Beruhigung ohne diese Gottcsidee, in der es wurzelt,