Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1851)
- Date
- 1851-07-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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xv. Jahrgang. Allgemeine No. LS. Zeitung des Zn-enthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philipps»», Dr. V. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 14. Juli 1851. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in O.uc>rt inkl. des Titels, Registers u. s. rv. umfassen. Ln Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 aGr.) für sechs Monate — 22'/z Ngr. (IS gGr.) für das Vierteljahr angefetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. fachs. Aeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Ueber jüdische Erziehung. Von Uri. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Stuttgart. O e st er r e i ch i sch e r K a i s e r st a a t: Brody, Krakau, Pefth, Wien, Prag. Großbritanien: London. Frankreich: Paris. Rußland (Schluß). Amerika: New-Uork, San Francisco. Abhandlungen versckiedenen Inhalts: UeberdieChe nach Sohar und Talmud. Von Di-. I o <; l. Literarische Nackrichten r aus der Altmark. Korrespondenz: Schwersenz. Leitender Artikel. Ueber jüdische Erziehung. Von Uri. (F ortsetzung.) Es war am letzten Sonnabend, als ich ruhig vor der Thür meines ländlichen Hauses unter meiner lieben, breitschattigen Linde saß. Der Tag war so sonnig, so warm, ein linder Zephyrwind hauchte Erquickung nach so vielen unfreundlichen Tagen, die dem Frühling gar keinen Eintritt gestattet hatten und sie auch dem Sommer noch verwehren sollten, die Vöglein sangen vergnügt über meinem Haupte, denn die Sonne neigte sich schon gegen Abend. Ich war ganz einsam. Weib und Kind waren seit Wochen in die Fremde gezogen, aber zu lieben, theueren Verwandten, Knecht und Mägde waren auf den Wiesen, um das eingetretene schöne Wetter zum Grasmahen und Heumachen zu benutzen, die Straße war leer, denn die meisten Bewohner des Fleckens waren ebenfalls draußen. Es war wirklich eine wahre Sabbatsstille in der Natur, im Flecken und — in meinem Herzen. Ueber mir das schattige Laubdach unter dem blauen, klaren Himmel, unter mir der friedliche Boden des eignen kleinen Besttzthums, vor mir aber hatte ich das Buch der Bücher, das vom göttlichen Geiste durchwehete Buch und las mir den Wochenabschnitt. Da hatte der große Mann Kundschafter ausgesendet, um das Land zu erspähen, in das er ein befreietes Volk führen wollten, abersiehe, die Lüge und die Menschenfurcht — die beiden Dämonen, die alles Große und Erhabene in der Geburt zu ersticken suchen und oft auch im Werden vernichten, die Beide schon so viel Unheil erzeuget — sie suchten auch dem Werke des großen Gesetzgebers, da es sich dem Ziele nähere, entgegenzutreten, von Neuem sah ec sich demselben entrückt, mit diesem Geschlechts war Nichts anzusangen mußte Ueberzeugung werden und vor ihm lag ein Zeitraum von vierzig Jahren, eine Wüstenwanderung von vierzig Jahren, ohne daß er selbst auch nach dieser Zeit eine Frucht aller seiner Mühen zu erwarten hatte. Erscheint der göttliche Mann auch überall groß und erhaben, hier erscheint er am Größten, wo er weit zurückgeschleudert in seinem Streben, von Neuem beginnt, mit einem neuen Geschlechts beginnt, was er mit dem alten nicht erringen konnte, mit einem neuen, das er selbst doch nicht im ruhigen Besitze seines Errungenen sehen wird. Und kaum hat er sich darin zurecht gefunden, so stürzt sich die rohe Masse in das andere Extrem, sie hören nicht auf seine Warnungen, sie ziehen in's Gebirge,