Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1851)
- Date
- 1851-07-07
- Page
- Seite 335 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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835 und den Krebsschaden aufzudecken, der die Keime des Guten schon im Entstehen zerfrißt. Präs.: Eine Petition an das Ministerium, wie sie Herr Goldstern vorgeschtagen, führe nicht zum Ziel, das habe die Erfahrung gelehrt; mit dem B'schen Antrag könne er sich auch nicht befreunden, da selbst gebildete Gemeinden sich in dem Lehrerwechsel zu gefallen scheinen; dem Anträge des Herrn Cramer widerspreche er endlich ganz und gar; ein solcher Beschluß hieße die Gemeinden in den Bann legen. Crom er: Er möchte es nicht „Bann" nennen, sondern opferfähig, wenn ein Lehrer eine Stelle nicht annimmt, von der der frühere unbilliger Weise verdrängt worden. Felfenthal: Tüchtige Lehrer giebts nicht viele, und diese sollten eine solche Stelle nicht annehmen; haben die Gemeinden das erst erfahren, dann werden sie billiger denken und handeln. Leeser meint, die Gemeinden seien im 'Allgemeinen wol nicht gegen die feste Anstellung; auch er sei nach einem Provisorium definitiv angestellt; man sollte es versuchen und beim Engagement zur Bedingung machen. Wedelt: Er theile den schönen Glauben des Herrn Leeser nicht. Die Willkür in den Gemeinden sei von der Gewohnheit sanktkonirt; die stettiner Regierung habe einmal verordnet, daß auch die kontraktlich angestellten Lehrer nur mit Genehmigung der Behörde entlasten werden dürfen; es sei aber „trotz alledem" in statu quo geblieben. Es gebe allerdings ein weit innigeres Band für Lehrer und Gemeinde, es sei dies die gegenseitige Achtung, das Vertrauen zu seinem Charakter, seinen Leistungen; aber nicht alle Gemeinden wissen es zu würdigen und die es wissen, sind's nicht immer im Stande. Bonin: Vielleicht ließe sich Etwas durch die Kommunalbehörden erzielen, die ja an manchen Orten sehr viel für die jüdischen Schuten thun. Wedell: Nur keine Illusionen; was einzelne Kommunalbehörden thun, geschieht aus — Humanität; nur öffentliche jüdische Schulen haben in manchen Fällen Anspruch auf eine Unterstützung aus der Kommunalkasse. Wolfs: Es scheine ihm, daß man hier die Stellung des Lehrers zu einseitig aufgefaßt; Letzterer sei ja auch Synagogenbeamter und das sei wichtig und festzuhalten; die Gemeinden seien eigenthümlich zusammengesetzt; Mancher wolle einen Lehrer, Mancher einen Chasan oder Prediger; wenn der Lehrer das in sich vereinigt, habe er Mittel, sich eine dauernde Stellung zu verschaffen; von den anderen Vorschlägen verspreche er sich Nichts. Fischbein: Auch ihn habe die Erfahrung und diese Debatte gelehrt, daß Nichts helfe. Bodenheimer: Die Eigenschaft als Kultusbeamter könne hier nicht in Betracht kommen, weil nicht alle Lehrer es sind. Da man bisher zu keinem Resultate gekommen, möchte er Vorschlägen, daß man sich mit einigen einflußreichen Männern Berlins in Verbindung setze und im Interesse des qu. Gegenstandes eine Deputation an das Ministerium sende. Rofenthal bittet, daß der Präsident sich dieser Mission unterziehen möchte. Wedell theitt diese Bitte, um so mehr, da es bei einer etwaigen Unterredung mit dem Minister nothwendig sei, die diesseitigen Verhältnisse aus eigner Anschauung zu kennen, was einer Deputation, die nur aus Berlinern besteht, abgehe. Präs, erklärt sich bereit, erforderlichen Falls das Seinige zu thun. Nachdem noch einige Mitglieder ihre Ansichten ausgesprochen, wurde zur Abstimmung geschritten und folgender Beschluß gefaßt: Der Präsident setzt sich Namens der Konferenz mit einflußreichen Männern Berlins in Verbindung und legt in Gemeinschaft mit ihnen dem Ministerium ein Gesuch um eine durchgreifende Reorganisation des jüdischen Schulwesens vor; zuvor wird aber, wenn es nothwendig scheint, eine Versammlung der jüdischen Vorsteher der Rheinprovinz und Westphalens veranstaltet. Schluß der Sitzung. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1J/4 Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Offene Selle. Zn Folge des Abgangs des Herrn Stern von hier, welcher kommenden Michaelis einem Ruf als Inspektor der Jacobson'schen Waisenanstalk zu Seesen folgt, eröffnen wir die Konkurrenz zur Wiederbesetzung seines Amts als Religionslehrer und Vorsänger. Portofreie Anmel-