Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1851)
- Date
- 1851-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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xv. Jahrgang. Allgemeine No. SS. Zettimg des AudenthumS. Ein mi parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philippfon, Dr. 8, Meyer, Ra bKLri er zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 2. Juni l8S1. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich TS Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu gebem^ ist der Preis äuf erst niedrig: rnit 3 Thlr. für den Zahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22](n Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Artungs-Expeditionen nehmen Bestellungen m; der Hauptspedition für beide Letztere Hai sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen- Inhalt. Leitender ArtikeLr Die Stellung des Judenthums. II. Zeitungsnachrichten: Deutschland: München, München, aus Meiningen, aus Meiningen, Bonn, Breslau, Berlin, aus der Provinz Posen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Pesth, aus Bohnen, Prag. Frankreich: Paris. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: KoTektaneen zum Religionsunterricht (Fortsetzung). Belletristisches r Die Nachbaren. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 26. Mai. Die Stellung des Zri-enthums. II. Was dem Judmlhume stets eine eigenthümliche Stellung sicherte, das war: seineUrsprünglichkeit, seine Selbstständigkeit, seine U-nabhängigkeit von allen anderen Religionen und Konfessionen. Die anderen positiven Religionen haben ihre ganze Grundlage außerhalb ihrer selbst, nämlich Ln dm heiligen Schriften Israels. Sie sind geaothigt, diese anzuerkennen, sich selbst nur als Fortsetzung derselben zu bekennen, und sie allwege zu benutzen und als Aushilfe ariszubeuten. Man nehme irgend ein christliches Lehrbuch, vom kleinsten Katechismus bis zum ausführlichsten Lehrsystem in die Hand, und man wird gleich sehen, welche wesentliche Lehren allein auf die Aussprüche der heiligen Schriften Israels gestützt werden müssen. Nichts dergleichen int Judenthume. Wie es die Wahrheit und das Rehe ursprünglich gelehrt hat, und damit der ganzen heidnischen Welt gegenübertrat, so ist es selbstständig und unabhängig geblieben durch seine ganze Geschichte hindurch. Man hat viel von dem Einflüsse des Ehaldaismus, Parsismus wahrend der babylonischen Gefangenschaft gesprochen. Allein die Resultate, mit welchen die jüdische Kolonie aus Babylonien nach dem heiligen Lande zurückkehrte, und die gleich nach der Wiederherstellung betätigt wurden, sprechen nicht sehr hierfür. Bekanntlich kehrte Juda mit einem Eifer der Anhänglichkeit für die Lehre Mo sche's zurück, wi< es früher ihn so lebendig nie besessen; bekanntlich reinigten Esra, Nechenrja u. A. damals Jud§ mit Strenge von allem Fremden. Und wenn nun nicht geleugnet werden kann und soll, daß der Chaldäismus Einfluß geübt Hut, so gilt dies doch mehr vom allgemeinen Geiste, wie sich dieser im Stile Jecheskels, Secharja's II. nicht verkennen läßt, von Volksglauben und Volks-sttte, so jedoch, daß die eigentliche Lehre und das wesenchafte Gesetz Israels nicht davon berührt wurde. Dem Griechen- und Römerthume gegenüber befand sich das Judenthum in voller Opposition. Dies lehren uns zur Genüge die Stellen der griechischen und römischen Autoren, in welchen von den Juden die Rede ist, bis zu den Satyren Zrrvenals. Sollte das Griechenthum auf die Sadduzäer einigen Einfluß geübt haben, so war drrs doch nur eine vorübergehende Erscheinung; und wo Judenthum und Griechenthum stich berührten,