Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1851)
- Date
- 1851-05-12
- Page
- Seite 239 (sequence 11)
- Language
- German
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239 ihrem Gatten <fnm Sohn; die Ehe Josephs blieb lämgere Zeit kinderl-os. Daher dieser Knaibe, Jaques, Ut Liebling und »U gemeinsame Sohn des ganzen Hauste noch mehr in der rechten Hälfte der Hütte bei Josephs als in der linkem bei Benoits sich aushaltend, genährt, geliebkost. Die beiden Männer triebe» ihr Geschäft aus gemeinsamen Mnn; sie kauften und verkauften — Alles. Geschmeide, Gold und Silber, Zeuge und Kleider, .Möbels und Werkzeuge, baar und Borg, was nur einen Vortheil — auf ehrliche Weise—abz»werfen schien, gehörte ihrem Gewerbe an, dem sie rastlos und unermüdlich oblagen. Allerdings leuchtete Joseph» voran, und mx die Seele des Geschäfts. Er hatte Spekulationsgeist, man möchte sagen Sp>okulationsinstinkt; er sah jedem Dinge sofort an, was sich in gewerblicher Beziehung daraus machen ließe; e« war kühn, verwegen; denen, die ihn brauchten, gegenüber, stellte er sich über alle Mittel zu gebieten; er wn berechnend und schlau, sein mächtiges Auge blickte tief in die Seele dessen, mit dem er verhandelte, und «rrtwarf sich aus wenigen Worten und Blicken die galt je Situation desselben . Freilich betraf alles dies Anfaivzs fast nur Lumpen und Kleinigkeiten; aber eS war dies eine treffliche Vorübung, um ihn zu Größerm und immer Größerm geschickt zu machen. An allem diesem fchlte es dem Benoit; ecwar einfach, mhig; aber ein unermüdlicher Arbeiter; keine Mühe war ihm zu groß, keine Last zu schwer; von bewundernswerther Ausdauer, »nd der Preis der Arbeit war ihm gleichgiltig; er hielt «es für seine Pflicht, Nichts, auch nicht das Geringste, fc» vernachlässigen, der Erfolg lag ihm — in Gottes Hand». Darum ergänzten sich die Beiden in den ersten Jahren vortrefflich; Joseph spekutirte, Benoit führte aus; Joseph entwarf den Feldzugsplan, Benoit kämpfte. Stillschweigend unterwarf sich Benoit den Anordnungen Josepchs, und selbst wenn Etwas mißglückte, wagte er keine Klage. Ich sage in den ersten Jahren: denn da ihr Erwerb gesegnet war, der Kreis ihrer Kundschaft immer zirnahm und in immer höhere Klassen b>n damals so vielfach abgestusten Gesellschaft stieg, wurde bald die Thätigleit Benoits weniger i» Anspruch genonZmen als der SIekulationsgeist Josephs. So umschlang ein dreifaches Band die beiden Männer, die beiden Familien: der Knabe Jaques, die Verschwägerung, das gemeinsame Geschäft. Aber alle drei zerrissen nacheinander. Zuerst trat Jaques in den Hintergrund, denn die Schwester Benoits gebar ihrem Gatten eine wundmfchöne Tochter, Dina genannt. Und gerade weit es feien Sohn war, wurde Joseph dem Knaben beinah gehässig. Dom Wochenbette erhob sich Josephs Frau kränklich, und starb nach einjährigere Leiden. Joseph, der sie sehr geliebt, wurde mißmuthig, mürrisch, abgeschlossen, unverträglich. Seine Oberhecrlichkeit äußerte sich gegen Benoit auf nicht zu ertragende Weise. Man sah es ihm an, baß er Benoit fast als Mnbec der Hälfte dessen, was, nach seiner Meinung, ihm gehörte, ansah. Wer mit dem Vorschläge, sich zu trennen^ zuerst vortrat, läßt sich nicht mehr sagen; Jeder sagte, ec wäre es gewesen, und Jede^r meinte im Innern: der Andere wäre es gewesen, und warf die Schuld, das Unrecht auf den Andern. Zum Rtnglück mußten sie noch eine Zeit lang dasselbe Haus bewohnen; dies gab Gelegenheit zu tausend Reibungen; dem Joseph sing an ALles und immer Größeres zu gellagen; dem Benoit mißlong Alles, und dort nistete sich der Uebermuth, hier mit der Armuth der Neid, der Haß eia. Da wurde das groHe, palaisartige Haus zur rechtem Seite, welches einem jungen Verschwender gehört hatte^ veranschlagt; Joseph in einer kühnen Spekulation kargte es, richtete es zu vielen Wohnungen ein, vermiethete diese, und zog hinein — Benoit blieb in der Hütte zurück. Es blieb keine Verbindung zwischen ihnen, als daß die Hütte dem Pallaste verschuldet war, und Benoit mit seiner Familie lieber fajk Hungers starb, als die Zinsen »icht pünktlich abzuzahlen, Jaques trug sie vierteljährlich hinüber, erhielt einen kurzen Blick und eine Quittung, and war wieder verschwaaden. Jahre vergingen; es waren Jahre des wachsenden Reichthums für Joseph. Langst hatte er das kleine Trödelgeschäft vergessen; er war das Faktotum vieler großen Herren geworde»; ec schaffte ihnen Geldauf ihre schon tief verschuldete« Güter; er verkaufte ihnen den einen Theil derselben, um den andern Theil zu retten; er nahm ihre Gelder in Empfang und brachte sie vntheilhaft unter. Man konnte niemals sagen, daß er sitz zu einem unrechtlichen Handel brauchen ließ, aber er war ein geschickter Unterhändler, der die Wege der Verschwendung erleichterte. Er stieg höher »nd höher an Besitz und» Ansehen, und schon war ihm eine Generalpächterstelle in Aussicht gestellt. Es waren Jahre der wachsenden Noch für Benoit. Welche Mühsal, am mit geringen Mitteln mit geringen Lumpen und R«mpetwerk das tägliche Bcsd zu erschwingen. Wie viele nutzlose Wege! Wieviele Tage der Heimkehr mit leeren Händen! Krankheiten kanaen dazu—und der Blick auf dr.sHaus rechts! Dieser streuete Salz in die offenen Wunde». Endlich hatte Jaques das Jünglings-