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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-05-05 · Heft 19 (5.5.1851) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 19 (5.5.1851)
Date
1851-05-05
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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224 ferner, daß alle Körper senkrecht auf die Oberfläche der Erde fallen, nämlich die Oberfläche, welche die Erde haben würde, wenn alle ihre Unebenheiten fort waren, welche Oberfläche jeder Wasserspiegel uns versinnlicht. Wenn man nun beweist, daß der Fall sehr nahe bei einer großen Bergmasse ein Wenig davon abweicht, lehrt dies etwa, daß das Gesetz verändert ist? oder lehrt es nicht vielmehr, daß die Abweichung dem Gesetz zufolge durch die Anziehung des Berges geschieht? Weiter finden wir, daß der Fall nahe der Oberfläche nicht überall mit derselben Schnelligkeit geschieht, ungeachtet es doch dieselbe Erdmasse ist, welche anzieht; aber zeigt sich hier nicht eine Veränderung im Naturgesetze? Nein, sondern ein anderes, ebenso sicheres Naturgesetz greift mit ein, nämlich das Gesetz der mittelpunktfliehenden Kraft, welches selbst nur ein vernunftnothwendiges Glied Ln der Gesammtheit der Bewegungsgesetze ist. Nach diesem Gesetz hat man voraus berechnet, daß die Fallschnelligkeit desto größer ist, je näher man einem der Erdpole kommt; und es muß nicht vergessen werden, daß man diese Ungleichheit berechnet, viel eher als man sie in der Erfahrung gefunden hatte. Ich sage Eine Ungleichheit, weil sie ihren Grund hat in einer Einheit nämlich einer Gesetzeinheit, gebildet, und mit Vernunftnothwendigkeit gebildet von den hier zusammenwirkenden Gesetzen. Das Anziehungsgesetz ist noch in vielen anderen Naturbegebenheiten unter vielerlei Gestalten vorhanden. Giebt man einem Körper eine Bewegung, so wirkt die Anziehung jeden Augenblick ebenso sehr darauf, wie wenn man ihm nicht diese Bewegung gegeben hatte; aber durch diese Vereinigung von zwei Einwirkungen entsteht dann eine durch die Gesetze der mitgetheilten Bewegung und des Falles erfolgende neue Schnelligkeit und Bahn. Auf solche Weise wird eine einem Körper mitgetheilte schräg aufsteigende Bewegung ihm eine parabolische Bahn geben. Inzwischen sah ich hier bei der Darstellung einige Augenblicke ab von verschiedenen mitwirkenden Umständen und namentlich von dem Widerstand der Lust. Dieser bewirkt eine Veränderung in der Form der Bahn, aber grade eine Solche, welche die Naturgesetze des Widerstandes fordern. Selbst wenn Lustströme die Bahn des geworfenen Körpers verändern, geschieht dies nicht, weil die Gesetze der Anziehung und der Bewegung und des Luftwiderstandes nun verändert sind, sondern weil dort eine Wirkung hinzugefügt wird, welche sich nach den Gesetzen der Lustströme richtet. Denken wir nun, mit denselben Gesetzen vor Augen, uns einen Körper, welcher eine Bewegung hoch über der Erde erhalten hat, außerhalb ihrer Atmosphäre, so kann man nach denselben Grundgesetzen mathematisch beweisen, daß er eine Ellipse beschreiben muß, deren Größe und Abweichung von der Kreissigur durch die Schnelligkeit und die Entfernung von der Erde bestimmt wird. Man kann auf solche Weise diese Ellipse für einen Körper berechnen, der die Entfernung des Mondes hat, und siehe, diese Bahn ist es, welche der Mond wirklich beschreibt. Vor ein Paar hundert Jahren schienen die Unregelmäßigkeiten, die man in dem Lauf des Mondes entdeckte, so unbegreiflich, daß man sie mit Launen verglich. Die von Newton entdeckten Anziehungsgesetze setzten ihn in den Stand, gleich auf der Stelle von vielen dieser Unregelmäßigkeiten Rechenschaft abzulegen, ja das Dasein von mehreren ausfindig zu machen, welche die Beobachtung noch nicht gefunden hatte, aber spater bestätigte; und jetzt hat man es durch die größere Ausbildung der Mathematik dahin gebracht, daß man alle jene Unregelmäßigkeiten voraus berechnen kann, und zwar so, daß die Berechnung eine weit feinere Beobachtungskunst befriedigt, als man sie ehedem besaß. Aber unser Gedanke kann hierbei noch nicht stehen bleiben. Nach denselben Gesetzen bewegen sich die Monde der anderen Planeten, ein jeder um den betreffenden Planeten, und die Erde mit allen Planeten um die Sonne. Ich will dies hier nicht naher entwickeln, sondern nur bemerken, daß man in dieser ganzen Mannigfaltigkeit zahllose Verschiedenheiten in Entfernungen, Richtungen, Schnelligkeiten u. s. w. findet, welche alle denselben Gesetzen folgen. Die Wissenschaft bietet den Einwendungen, welche Unkunde hie und da gegen sie ausgestellt hat, durch ihre Voraussagungen Trotz; und diese sind nicht gering an Zahl, oder dunkel, oder unbestimmt, oder nur zufällig eintreffend, sondern zahllos, klar, bestimmt mit Hinsicht auf Zeit und Ort, stets eintreffend. Man sieht hier ein großes und doch im Vergleich mit dessen reichem Inhalt nur sehr wenig entwickeltes Beispiel, das uns die wichtige Wahrheit aufklären kann, daß die Naturbetrachtung uns einen zusammenhängenden Ueberblick giebt über die beständig obwaltende Offenbarung der göttlichen Vernunft im Endlichen. Hier handelt es sich nicht um Winke und Ahnungen, sondern um geistiges Schauen. Nach diesem großen Beispiel kann ich die folgenden größtentheils kürzer behandeln, und sie besonders benutzen, von verschiedenen Seiten auf das Wesen der Naturgesetze Licht zu werfen.

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