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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-03-17 · Heft 12 (17.3.1851) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 12 (17.3.1851)
Date
1851-03-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. IS XV. Jahrgang Allgemeine Zeitung -es Zv-enthums. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philipps»«, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von» Baumgartners Buchhandlung zu Leipziz. Leipzig, den 17. März 1851. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. %nt\ Gemäßheit des Zweckes derselben die Ltlgem einste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (k Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 ‘/a Ngr. (18gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worVen. Alle Buchhandlungen, Postämter und'Z-ritungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hli rptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Vorlesungen über die Geschichte des jüdische« Kultus. t Vierte Vorlesung. (Schluß.! ZeLturrgssiachrichten: Deutschland: Berlin, Berlin, aus den krefelder Sprengel, vom Niederrheiv, aus der RheirMovinz. Oesterreichischer Kaisersta« t: Prag, PreßbllTg.. Rußland: Petersburg. Mittheilungen aus dem Oriente. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Vorlesungen über die Geschichte des jüd. Kultus. Vierte Vorlesung: Die Kultusreform. (Schluß.) Nachdem wir so den eigentlichen Mittelpunkt der Reform betuchtet, blicken wir auf den Gang desselben. Es versteht sich von selbst, daß dieselbe nvcht sofort mit vollere Bewußtsein an den bestehenden Kulms trat. Sie fand ihre erste Regung in äußeren Momenten, und suchte also diese zuvor zu beseitigen. Sie fand her Kultus in den letzten Jahrhunderten so aller Würde, ja schon alles äußern Anstandes entblößt, daß sie hierin genügenden Grund fand^ dies zu bekämpfen. Herstellung derRuhe und Ordnung, der äußern Andacht in der Synagoge war ihre erste Forderung, eine nicht leichte Aufgabe bei so« tief eingewurzelten» übelen Angewöhnungen der Masse-, Bald mußte sie aber fühlen, daß es hierzu auch neuer hebender Mittel bedürfe; zuerst mußte di^ zur bloßen Form gewordene B el eh run g neu belebt werden, und zwar durch Beseitigung der in verdorbener Sprache und um spitzfindige Formalitäten sich drehenden Drascha und Ersetzung derselben durch Predigt in der reinen Muttersprache, dann durch Beseitigung des zur geschmacklosesten Spielerei herabgekommenen Synagogengisangs und Ersetzung desselben durch einfache, gehaltene Rezitation, dann Chorgesang, endlich Musik, Orgel, hierbei hatte sie den eigentlichen Gebetkultus noch unberührt gelassen. Bald aber mußte sie erkennen, daß der amverhältnißmäßig große Umfang der Gebete mit diesen innen Einrichtungen gar nicht zu vereinbaren wäre, indem der Gottesdienst dadurch eine nur noch größere Lär^e erlitte sie ging daher auf Beseitigung aller späteren Zuthaten, wobei sie das jüngere Alter und der groteske Charakter derselben unterstützten, sie entfernte daher bis«uf geringe Ausnahmen die Piutim, nahm den frühem dreijährigen Zyklus der Toraverlesung an, und schloß di« Haphtora aus. Aber auch so gelangte sie dahin zu erkennen, daß dem ganzen Kultus noch als ein wesentliches Hinderniß eingreifender Bethatigung und Wirksamkeit der Umstand gereiche, daß er ganz und gar in einer der Mehrzahl unverständlichen Sprache, der hebräischen, gehaltmwcrr; sieforderte daher auch Einführung deutscher Gebete in den Kultus, sie bewahrte einen Theil derselben in Her hebräischen Sprache, wahrend sie einen andern theils übersetzt, theils ganz neu in deutscher vortrug. Hier stieß sie aber nothwendig auf ein neues Moment, auf den Inhalt der Gebete selbst.

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