Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1851)
- Date
- 1851-03-03
- Page
- Seite 117 (sequence 9)
- Language
- German
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117 Ueberhaupt irrt der Verf. gar sehr, we«n er die Kabbala als Urtradition des Judenthums betra chtet und ihr, als Solcher, einen so hohen Werth beilegt, während dieselbe, nach den gründlichsten Untersuchungen Aunz's!) erst mit dem letzten Viertel des 12ten Jahrhunderts ihren Anfang nimmt. Dieser gelehrte und zuverlässige Kritiker macht sogar eine Anzahl rabbinischer AriLvcitäten, von höchst rechtgläubigem und weisem Rufe, namhaft, die die Bücher und Lehren der Kabbala angefochten, ja sogar nicht selten angefeindet und verketzert haben 1). Wenn daher unser Autor durch gegenwärtiges Werk die „Bekenntnißeinheit", d. h. mit anderen Worten: die Amalgamirung des Judenthums mit demLhristenthume, erzielen will, so wird ihm dieses ebenso weinig wie Knorr von Rosenroth, Reuchlin und Rittangel gelingen, die ebenfalls in der Kabbala — um mich eines treffenden Ausdrucks zu bedienen — „das wirksamste Mittel gesehen haben, um die Schranke, welche die Synagoge von der Kirche trennt, fallen zu machen" 3). Mit Recht wurden daher die Rabbineu schon frühzeitig auf die Gefahr aufmerksam, welche dem Judenthume durch die Kabbala drohete; und ist es daher nicht zu verwundern, wenn Leon de Modena, free gegen die Authentizität des Sohar schrieb, eine Feindseligkeit gegen die Kabbala gezeigt und sogar an dem Heil derjenigen zweifelt, welche die Hauptwerke der Kabeln der Presse übergeben haben 4). Jndeß enthält dieses Werk auch manches Nützliche und Interessante; und die hohe Verehrung, welche der Verf. der heiligen Schrift und Sprache, überhaupt der ganzen jüdischen Literatur zollt, als alrch die Beweise für den göttlichen Ursprung der Ersteren, die er mit so viel Einsicht und Sachkenntniß liefert, »erblinden mit dem Umstande, daß darin, wie es sonst in derartigen christlichen Schriften zu geschehen pflegt, knie Spur von Gehässigkeit gegen Juden und Judenthri«, anzutreffen ist, machen es auch der jüdischen gelehrten Welt empfehlenswerth, und würden wir eine baldige Nachfolge der übrigen Theile desselben von ganzem Herzen wünschen. S. Weintraklb, Lehrer. *) Zunz, G. V. S. 402. 2) lbid. S. 408 und 409. 3) Frank, die Kabbala, S. 250. 4) Ari Rohem, herausgegeben von vr. Fürst, S. 7, 79 und 80; eonk. Franck, die Kabbala, 8. 250. Alks dem Nassauische», im Februar. „Die Religion sphilosophie des R. Abraham ben David ha- Levi rc. Emuna rama, bearbeitet »on vr. Joseph Gugenheiw er." Wenn es seit den beiden letzten Dezennien dm jüdischen Gelehrten und namentlich auch den jüngeren Rabbinatskandidaten zuiri dauernden Ruhme gereicht, daß sie so manches vortreffliche Schriftwerk der alten RMgionsphilosophen aus denn Staube der Mannskriptensnmmlungen auferstehen ließen, mit dem kritischen Geiste der Neuzeit belebte» und hierdurch einem denkenden Publikum zugänglich Mächten: so verdient das rubrizirte Schriftchen des noch sehr jungen Rabbinatökandidatm vr. Joseph Gugenhei mer um so mehr die Anerkennung aller Freunde jüdischer Wissenschaft, als wir durch dasselbe ein Geistesprobakt aus früher Zeit näher kennen lernen, welches bisher: nur dem Namens nach bekannt war; besten Inhalt aber ein so wichtiges Thema der Philosophie und Theologie behandelt, daß die Kontroversen hierüber noch lange nicht als abgeschlossen betrachtet werden können! Es betrifft dies nämlich die Hauptfrage: „Ob sich die Lehre vo» der Willensfreiheit des Menschen mit jener von der göttlichen Vorsehung und Vorherbestimmung der menschlichen Geschicke vereinbaren taffe?/y Welcher Theologe kennt nicht die schweren Folgen der Augustiuschen P radestinationsl^eh re in der christlichen Kirche! Um wie viel höher steht hierin der jüdische Sch.riftgelehrte R. Ehanina, ber 400 Jahre früher schon die Lehre aufstellte: „daß weil alle Zustände, Anlagen ririd Schicksale des Menschen von seinem Schöpfer voraushestimmt würden, nur nicht die Religiosität (Tugend und Gottesfurcht) selbst/' welche Behauptung derselbe mit der Schriststelle in 5 9$. Mos. 10, 12 und 13 zu begründen sucht (s. Talmud babli Traktat Beraschat 33, 1).). Als nun in den i»iittelalterlichen Zeiten die sogmannten Scholastiker die überlieferten Lehren der positive,r Religion mit den Ergebnissen der griechischen Philosophie auszugleichen suchten, waren es wiederum die jüdischen Religionsphilosophen, bie namentlich in dogmatischer Beziehung weit Heller dachten und ihre Vernunft nicht so leicht gefangen nehmen ließen, als dies *) Selbst der Titel des Buches wurde durch die fleißige Arbeit unfers jungen Gelehrten sicher gestellt; indem derselbe sowol von Gedalia 0bn Jachya in seinem B. Schrlschelet Ha-Kabbala, als auch von Jitzchak Arama in seinem B. Akeda „Emuna r»bba<c (st. rama) genannt wurde. IG*