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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-10 · Heft 7 (10.2.1851) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 7 (10.2.1851)
Date
1851-02-10
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 der Achtung, so sind dies Symbole. Wenn wir Landesfarben, Wappen, Fahnen aufstecken, so sind dies Symbole, aus einer Zeit überkommen, wo ein bestimmter Sinn mit ihnen verbunden ward. Die Blumensprache der Orientalen, die mit Straußen Korrespondenzen führen, ohne daß Jemand sie gelehrt oder gelernt hat, ist noch unmittelbare Symbolsprache; so wie sie auch bei uns noch in Resten vorhanden ist, wie Jedermann mit einem Vergißmeinnicht, Veilchen, einer Lilie einen bestimmten Gedanken verbindet. Der Opferkultus nun hat in der ursprünglichsten Periode der Mystik seine Wurzeln getrieben, und ist deren Produkt, wie die Schrift selbst in der Geschichte Kajin's und Hebels andeutet'. Daher sehen wir den Altar errichtet, theils auf Hohen, theils im Schatten der Wälder, theils in gigantischen Tempeln durch die ganze alte, und in verständlichen Resten auch in Theilen der neuen Welt, um Opfer darauf der noch unerkannten Gottheit daczubüngen, die theils in den Produkten des Fleißes, theils in den theuersten Besitzthümern des Menschen bestanden — wurde doch im ganzen heidnischen Alterthum selbst der Mensch dem zürnenden Gotte nicht verweigert. Wie sich nun aus oer mystischen Periode dieser Opferkultus in den verschiedenen Gegenden bei den verschiedenen Völkerstammen erhob und übertrug, so gestalteten sich auch die Formen und Gebräuche desselben. Anders mit dem mosaischen Opferkultus. Der Mosaismus trägt das Gepräge der losgelöseten Erkenntniß. Die Begriffe, die Lehre, die Idee treten in ihm überall bestimmt formulirt und in klarem, einfachem Verstände des Wortes entgegen. Die Mystik ist bereits in ihm überwunden. Dennoch verband sich mit ihm ein Opferkultus; aber nicht als ein überkommenes Komplex von alten Formen, sondern mit neu und genau erlheilten Vorschriften über Zahl, Beschaffenheit, Behandlung, Gestalt u. dergl. Wir können daher hier nicht mehr ein unmittelbares Mystisches annehmen, sondern es muß hier schon das Bestreben vorausgesetzt sein, mit der gewonnenen Erkenntniß die Form zu durchdringen, und in die Mystik die Begriffe hineinzutragen; die den damaligen Menschen in ihrem Verftändniß unmittelbar klaren Formen, welche die Mystik darbot, zu der Darstellung der Begriffe des Mosaismus zu verwenden. Selbstredend konnten aber diese Begriffe mit den Vorschriften des Kultus selbst nicht ausgesprochen werden, weil die damals lebenden Menschen die Bedeutung der Formen unmittelbar verstanden, aber in Worten ausgedrückt sie gar nicht verstanden hatten, und weil überhaupt eine mystische Form schon todt ist, wenn man sie erklären soll. Aber um so schwieriger ist es, sie, diese Bedeutung, diese Begriffe jener Formen, jetzt verstehen zu wollen, jetzt, wo wir längst das Gefühl dafür verloren haben, und hiefür keine Tradition zu uns herüberreicht. Wir stehen hier vor Rathseln der Vorzeit, die wir um so begieriger zu lösen sind. Es sind keine Hieroglyphen, keine Keilschrift, es sind keine Sphinxe und Bautrümmer, es sind überall verständliche Gesetzesworte, und doch das: warum? was war der Gedanke dabei? so tief verborgen. Derselbe Mose, der den unkörperlichen, einzigen und einigen Gottesgeist lehrte, der die einfachsten, aber schärfsten Rechtssätze aufstellte, der die licyt-ste Sittlichkeitslehre aussprach — wenn er die Zahl der Balken, die Farben der Stoffe, die Form der Geräthe, die Zahl der Opferthiere auf's Genaueste bestimmte, was war dabei der Gedanke, der Sinn, der Zwecks Gerade in dieser Verbindung mit dem Mosaismus erscheint der Opferkultus und was mit ihm zusammenhängt, am Rathselhaftesten. Von jeher hat man daher vorausgesetzt, daß eine Bedeutung vorhanden gewesen sein müsse; eine Bedeutung, die schon zu David's und Schelomo's Zeit nach und nach aus der unmittelbaren Gefühlswelt des Volkes gewichen, wie eben diese Letztere durch die Erkenntniß, durch die Verstandesthätigkeit immer mehr durchdrungen und aufgelöset ward. Man wußte, der Opferkultus überhaupt, der mosaische insbesonder, war symbolisch, aber diese Symbole, diese äußeren Zeichen für tiefe, dem Volke durch die Unmittelbarkeit verständliche Gedanken, was bedeuteten sie? Nun war und ist aber die Beantwortung dieser Frage tausendfachem Jrrthum unterworfen. Denn in den meisten Fällen ging man von einer vorgefaßten Meinung aus, in vielen Fallen wollte man Lehrsätze spaterer Zeiten und Kirchen darin finden. Philo der Alexandriner, die Midraschim und Rabbinen stellten solche, höchst einseitige Deutungen auf. Maimonides und einige Kirchenvater leugneten die Bedeutung ganz und gar, und wollten gar nur Konzessionen an die einmal vorhandene Sitte darin sehen, eine Ansicht, die kaum werth ist jetzt noch bestritten zu werden. Die christliche Kirche sah im ganzen mosaischen Kultus nur eine Typik auf den christlichen Messias. Den bedeutendsten Schritt that in neuester Zeit der Professor Bahr, der aber dennoch von einer christlichen Semi-Typik sich noch nicht losmachen konnte, und vielfach an Sophistik leidet. Der einzige sichere Leitfaden, der hier möglich ist, ist

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