Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 5 (27.1.1851)
- Date
- 1851-01-27
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 9. Daß ich nicht übersatt verleugne, spräche: Wer ist der Ewige? Und nicht verarmet stehle, Am Namen meines Gottes mich vergreife!-*) Das Stück führt sich durch das bekannte das eine prophetische Rede bedeutet, als Spruchrede ein, wie es sich nicht minder also durch (s. Jirm. 1, 1-) bezeichnet. Eine alte Streitfrage ist es nun, ob die Namen im ersten Verse Eigennamen wirklicher Personen oder Begriffsnamrn sind. Das Targum behalt die Namen bei, Raschi und Ralbag halten Agur für den König Schelomo, wie er sich auch Kohelet genannt, als „Sammler" (liädr heißt aber „gesammelt"); „Jake", weil er die Weisheit von sich gegeben (rj]r hat aber Nichts mit rrip zu thun). Abenesra halt den Agur für einen Zeitgenossen Schelomo's, und Jthiet und Uchal für Schüler oder Freunde desselben. So auch Herder, Umbreit. Andere, wie Ewald, halten Agur, Sohn Jake's, für Eigennamen, dagegen Jthiet „Gottmitmir" und Uchal „Jchbinstark" für Begriffsnamen, jener vom Gläubigen, dieser vom Zweifler. Dieser letztem Meinung müssen wir beirreten, und zwar weil erst mit DN3 die begeisterte Rede beginnt, außerhalb derer sich „Agur, Sohn Jake's" noch befindet, innerhalb derer aber Jthiel und Uchal; weil dies noch mehr aus irntt ÜM erhellt, wie der Vergleich mit 4 Mos. 24, 3 klar lehrt, indem ‘tnan der Redner (Agur) selbst ist; und endlich weil die Wiederholung des bfcrmab gar nichts Anderes zulaßt. Wenn aber Jthiel und Uchal Begriffsnamen sind, und die beiden Parteien der Gottgläubigen und Gottesleugner repräsentiren, so ist das b nicht „zu", sondern „von" wie Jeschaja 5, 1. Uchal wird nun von bs*» „können" erklärt; entschiedener erklären wir es als Pari. Pual von bDN „verzehren", wie bsN 2 Mos. 3, 2. „der verzehrt wird", was einen guten Gegensatz zu „Gottmitmir" bildet. Der Dichter läßt nun die beiden streitenden Parteien wider einander auftreten. Zuerst spricht der Gottesleugner V. 2—4, dann der Gottgläubige 5—9. Der Gottesleugner erklärt sich in Zwiespalt mit der allgemeinen Ansicht und Erkenntniß der Menschen in Bezug auf das Heilige. In feinster Ironie stellt sich der (von Eigendünkel erfüllte) Gottesleugner selbst als der Einsicht der *) Ewald wollte V. 10 noch hinzuziehen, weil mit V. 11 ein neues Stück beginnt, muß ihn aber dann höchst gezwungen erklären. Vielmehr ist V. 10 ein Spruch für sich, der freilich zufällig nur zwischen zwei abgerundete Stücke (1 — 9. 11—33.) gerathen ist. Menschen bar hin, um damit seine Einwürfe desto überraschender einzuleiten. Hinter dieser Ironie des Redners steht aber die noch größere Ironie des Dichter-, der damit in der That den Gottesleugner zeichnen will, B. 2. 3. Nun kommt in D. 4. der wirkliche Einwurf des Gottesleugners. Ich sage, ich weiß Nichts. Wie so weiß denn aber der Mensch überhaupt Etwas? (jw "O am Ende von V. 4.) Alle Dinge um uns sind unendlich, der Himmel, der Wind, das Wasser, die Erde; es kann daher nur aus einem Unendlichen hervorgegangen sein; der Mensch, das endliche, begrenzte Wesen, kann aber das Unendliche gar nicht begreifen, also weiß er Nichts tzon Gott, kann von Gott Nichts wissen. Der Gottesleugner Lronisirt dabei abermals, indem er sagt: Ihr thut, als wäret Ihr so bekannt mit Gott, als ob Ihr ihn, seinen Sohn, seine ganze Familie kennet, während der Mensch, der endliche, vom Unendlichen gar Nichts wissen kann. *) Hören wir die Antwort des Gottgläubigen in V. 5—9. Er giebt zuerst die Quelle seines Wissens von Gott an, nämlich das Wort Gottes, das er als lauter anerkennt; dem aus diesem Worte erkannten Gotte schenkt er als seinem Schutze sein Vertrauen; über dieses Wort und seinen Inhalt dürfe man auch nicht hinausgehen, um nicht in Täuschung und strafbaren Fehltritt zu verfallen, V. 5. 6. Mit dieser bestimmten Antwort sagt er dem Gottesleugner: magst du aus deinem zersetzenden Verstände heraus die Erkenntnißfähigkeit des Menschen, und hiermit Gott leugnen, ich glaube an das Wort Gottes, durch das ich mein Wissen von Gott habe. Wir haben also hier schon den vollständigen Gegensatz gezeichnet: auf der einen Seite den ganzen und unbedingten Zweifel aus der Selbstkritik der Vernunft, auf der andern Seite den ganzen und unbedingten Glauben an das Wort Gottes, an die Offenbarung. Wir müssen aus dieser einfachen Darstellung den Schluß ziehen, daß dieser Gegensatz immer schon bedeutend entwickelt sein mußte, bevor er sich so klar und bestimmt aussprechen konnte. Wir sehen, die Gottesleugnung entsprang hier nicht mehr btos aus Verwilderung und Sittenlosigkeit, *) Die meisten Erklärer haben die Fragen so verstanden, als ob sie frügen, welcher Mensch stieg zum Himmel hinauf ff.? Diesem sind die Worte tjDN, und besonders ü^pii nicht angemessen; ferner würde dann vielmehr nach dessen Vater, als nach dessen Sohn gefragt werden; endlich vollständig führt V. 9 den Beweis dagegen, wo die Gegenpartei diese Fragen 'n V3 gänzlich verdammt.