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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-01-06 · Heft 2 (6.1.1851) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 2 (6.1.1851)
Date
1851-01-06
Page
Seite 23 (sequence 11)
Language
German
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23 Thüre wurde verschlossen und toe Insurgent, ein Bürger der Stadt, sagte zu ihm: „Ich vertraue Dir ein Geheimniß an und fordere zugleih Deinen wohlerwogenen Rath, doch wisse, wenn Du nul) verrathst, mein Weib sei mir eine Verbannte (dieses i st der höchste Schwur der Muhamedaner, heiliger als der kt Atta und dem Nebi; denn wenn der Schwur übertret>tat wird, so ist seine Frau von ihm geschieden und kann einen Andern heirathen) wenn ich nicht den Verrath!« Deinem Blute rache/' Der Pakid bat ihn von dem jährlichen Geheimniß befreit zu werden, aber die Gegenrede des Insurgenten, daß er keinem ktügern Manivesein Herz aufschließen könne, war mächtiger als seine Litte. Darauf fuhr nun der Muhamedaner fort und sag!«: „Ich glaube, daß unsere Stadt nicht lange mehr sich gegen den Pascha vertheidigen kann, und weiß nun «licht wie ich mein Geld mit auf meine Flucht nehmen Knn, denn ich bin entschlossen, verkleidet das Weite }ii suchen." Der Pakid rieth ihm in dem armenisch-griechischen Kloster, das mit dem Pascha in gutem Verhalts steht, sich für sein Geld einen Wechsel in Konstantinopck geben zu lassen. „Taib, taib, taib katir, gut, gut, sehr Mt," rief der Insurgent, „der Rath ist exzellent," undmllfernte sich. Nach einigen Tagen kam er mit einen andern Rebellen wieder, Beide stürzten wüthend in das Ziimmer. „Keib" (Hund), schrie der Erste, „ich ermorde Dich, weil Du mich verrathen hast, auf dem Markte ««zahlt man von meinem Vorhaben, und Alles ist verloren. — „Chansir" (Schwein), rief der Andere, „ich erwürge Dich, da Du diesem Verrather mit Deinem Rathe beista »best, damit er die Stadt verlassen kann, und seinen verruchten Plan nicht der Stadt mittheiltest." — Der Gitae schrie Verleumder, der Andre Verrather, der Eine n ill ihn erstechen, weil er ein Geheimniß entdeckt, der Andre erwürgen, weil er es nicht entdeckt. Der arme PEb war starr, das Blut stockte ihm, er war ohnmächtig zu sprechen. Doch bald lallte er verzweifelnd: „Ich schwöre bei Gott, daß mir Dein Geheimniß nicht vom H««zen in den Mund kam, und Deine Beschuldigung," n wendete sich hier zum Andern, „ich sei Hochverräter! konnte ich denn ahnen, daß er seinen Plan ohne Wissen und Willen der Anderen unternommen?" — Doh das half nicht viel. Der schleuderte ihn auf diese, der Andre auf jene Seite hin, sie mißhandelten ihn, und cil.5 ec schrie: „von beiden Seiten, ihr Wüthriche, kann i'd> doch nicht für schuldig erklärt werden!" machten end lich die Furien den Vorschlag, eine große Summe Geldes als Sühne annehmen zu wollen. Der Pakid zögerte nicht es zu geben und freute sich im Herzen, daß das Ganze reine — Prellerei gewesen. Alla, Nebi und Charim (Din) vermögen bei den Muhamedanern das nicht, was das Musari (Geld). 12) Der Gouverneur in Jambo. Ein hannovecanischer Jude, der viele Edelsteine mit sich führte, reiste in Begleitung eines Renegaten, der geborner Israelit war, nach Jambo, dem Hafen von Medina, an der Ostseite des Rothen Meeres. Auf dem Schiffe starb der schon früher erkrankte Renegat, und wurde in's Meer geworfen. Der Verstorbene hatte einen Pack Waaren bei sich, welchen sich der Reis (arabischer Schiffseigenthümer) zueignen wollte, doch der Jude widersetzte sich dem Beginnen und bestand darauf, der Pack müsse dem Gerichte in Jambo ausgeliefert werden. Da ergrimmte der Araber und sann sich an den Juden zu rachen und dessen reiche Habe zu gewinnen. In Jambo angekommen, ging er zum Gouverneur, erzählte ihm Lockendes von des Juden Schätzen und behauptete, der größte Theil der Juwelen sei gewiß dem verstorbenen Renegaten geraubt worden, aus Habsucht und Fanatismus. Dieser Wink siel wie der Funke in eine Putvertonne, so in das golddürstende Herz des Gouverneurs. Bald war zwischen Beiden Alles verabredet, falsche Schiffszeugen erkauft, der Jude des Raubmordes angeklagt und gefangen genommen. Nach der Aussage der meineidigen Zeugen war das Verdammungsurtheil schon auf den Lippen des Gouverneurs — da trat plötzlich ein christlicher Herr aus Deutschland, der auf dem Schiffe die Reise mitmachte, vor den Richter, und vertheidigte mit Kraft und Klarheit den schuldlos Angeklagten. Aber die giftige Lust nach den blinkenden Edelsteinen machte das Ohr und Herz des Gouverneurs taub für die Worte der Wahrheit. „Ei wie kommt es denn," sprach er zu dem Vertheidiger, „daß Du, ein Christ, Dich um den Juden annimmst?" — „Weil er unschuldig ist," war die Antwort des Edeln, „überdies," fuhr er fort, „steht der Jude unter englischem Schutze und Du kannst ihn gar nicht richten." — „Wenn Du so mit mir sprichst," sagte der Gouverneur, „so will ich auch ein Wort mit Dir sprechen. Du nimmst Dich gewiß nur darum des Juden an, weil Du sein Mitschuldiger bist. Janitscharen! ergreift Beide und werft sie in's Gefangniß!" Es half kein Entgegnen und Sträuben, Beide wurden in den Kerker geschleppt und mit schweren Ketten um Hals und Füße gefesselt. Beide erwarteten den Tod und die

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