Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1851)
- Date
- 1851-01-06
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225717--11495-3241602- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21 sich nicht mit Voraussetzungen und schönen Hoffnungen begnügen; es muß bestimmt sein und für alle mögliche Fälle sorgen." Frankreich. Paris, im Dezember. Nichts ist wichtiger, als die Ausschließung von allen Lehrämtern, die man jetzt in Frankreich gegen unsere Glaubensgenossen versucht; wir kommen daher auf die Absetzung des Herrn Jeröme Aron zurück, die zweite, die innerhalb eines Jahres einen Israeliten betroffen hat. Der berühmte Advokat beim Staatsrath und Kaffationshof, Herr Martin (von Straßburg) hat ein Memoire dem Oberunterrichtsrath deshalb cingereicht, aus welchem wir Folgendes entlehnen: „Der Lizentiat der Wissenschaften, Herr Jeröme Aron, ist den 19. Dezember 1848 mit der zweiten Stufe des Geschichtsunterrichts beim Lyzeum zu Straßburg beauftragt worden. Dieses Amt wurde ihm aus die Forderung und Empfehlungen des Aufsehers (proviseur) des Lyzeums und des Rektors der Akademie übergeben. Herr Aron zögerte nicht, die Wahl des Ministers und die Erwartung seiner Vorgesetzten zu rechtfertigen. Sein Unterricht hatte einen vollständigen Erfolg, und beim Anfang des Schuljahres von 1849 schlug der akademische Rath von Straßburg, sich stützend auf die von Herrn Aron geleisteten Dienste, vor, sein Gehalt von 1009 auf 1500 Frcs. zu erhöhen, die für die Charge des Herrn Aron übliche Summe. Da dieser Antrag von der Zcntralverwaltung bis zur Durchreise der Gencralinspektorcn vertagt wurde, erneuerte ihn der akademische Rath im Juli 1850 auf die formelle Aufforderung des General, inspektors Ozaneaur. Es existirte also gegen Herrn Aron keine Art von Tadel, weder über sein Betragen, noch über seinen Unterricht, kein Grund, kein Vorwand; aber gerade als er von Lobsprüchen Seitens aller seiner Vorgesetzten überhäuft wurde, als die Ortsverwaltung von Neuem und mit allem Nachdruck die Verbesserung seiner Stellung beanspruchte, als dieses Verlangen durch den Generalinspektor unterstützt wurde, der die ehrenvollsten und befriedigendsten Noten über ihn ausfertigte, gerade da traf ihn der Minister, der aufgefordert war ihn zu belohnen, mit der Absetzung, aus dem einzigen Grunde weil er Aron heißt, und der israelitischen Religion angehört." Gegen den Schluß des Memoire's spricht sich Martin so aus: „Ausschließen eine Klaffe von Bürgern von einem Zweige des Unterrichts, heißt den Art. 4 des Eingangs der Konstitution, welcher das Prinzip der Gleichheit proklamirt, und den Art. 10 der Konstitution, welcher die Zulassung aller Bürger zu allen öffentlichen Aemtem erklärt, verletzen. Ausschließen eine Klasse Bürger wegen der Religion, die sie bekennt, heißt außerdem den Art. 8 des Eingangs und Art. 7 der Konstitution verletzen, welche beide die völlige religiöse Freiheit proklamiren und schützen. Diese religiöse Freiheit und diese völlige Gleichheit vor dem Gesetze paßt vielleicht nicht aller Welt, und mehr als Jemand wissen wir, welche Hindernisse und Schwierigkeiten die Emanzipation der Israeliten bis in den jüngsten Zeiten begegnet hat. Aber sie ist jetzt vollständig in Frankreich; sie ist durch den Text der Konstitution selbst verbürgt, und, wenn die Konstitution keine Lüge ist, so ist der fähige Israelit und welcher die durch das Gcsk tz bestimmten Bedingungen erfüllt, ebenso berechtigt, Rhetorik, Philosophie oder Geschichte zu lehren wie jeder andre Franzose." — „Der Obcrrath wird nicht buEben, daß für den Unterricht neue Unterschiede und Ausschließungen, die der religiösen Freiheit und der Gleichheit vor dem Gesetze entgegengesetzt sind, geschaffen werden." — „Man hüte sich wohl! Einmal diesen Weg beschritten, wird man keinen Halt mehr finden. Heute handelt es sich um die Israeliten; morgen wird die Reihe an den Protestanten sein; dann werden die minder gläubigen Katholiken daran kommen; denn hat nicht der Herr Bischof von Perigeur lau! gesagt, daß künftig Niemand Professor sein soll, der nicht ein Zeugniß bringt, daß er die Fasten gehalten.?" So Herr Maillin. Dem gegenüber, meldet eben die Köln. Ztg., daß „der Unterrichtsminister dem obersten Unterrichtsrath e ein Projekt zur Aufhebung aller höheren Anstalten für gemischte Konfessionen vorlegcn werde". Damit wird also bereits nicht mehr die Freiheit zu lehren, fordern zu lernen bedroht. —. Die Stadt Marseille hat soeben beschlossen, dem Großrabbinen dieser Stadt, Herrn Cahen eine silberne Medaille irls Dank für seine Hingebung während der Cholera zu übergeben. (Arcli. isr. de Fr.) 2*