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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-12-16 · Heft 51 (16.12.1850) · p. Seite 707

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 51 (16.12.1850)
Date
1850-12-16
Page
Seite 707 (sequence 15)
Language
German
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707 zu überzeugen, ob feine Gebote treulich erfüllt würden, reiste er oft verkleidet durch das 2mt. Bevor er selbst dorthin kam, schickte er eine Person voraus, um zu sehen, ob man das Kafar fordere. Wurde die Person wirklich dazu angehalten, so kam er ganz gleiichgiltig dazu, stellte sich fremd, bis er sich genau von -er Sachlage überzeugte. Dann aber ließ er alle Necheiligten ergreifen und aufknüpftn, wo sie lange Zeit «als warnendes Beispiel hangen blieben. — Diese Bestrafung, die zuerst häufig vorkam, erregte solchen Schocken, daß so Lange er regierte das Kafar gar nicht mehr genannt wurde. 2) Das Zartgefühl des Tyrannen. Durch die unerhörte Strenge, tü ec bei der geringsten Kleinigkeit ausübte, erregte er l>«u den Arabern eine solche Angst, daß das ganze Land sicher wurde und die rohesten Stamme sich wie Lämmer benahmen. Man konnte die Nacht ohne Gefahr das Hand passiren. So geschah es eines Abends spat, daß eim ansehnlicher Bürger aus Aka außerhalb der Stadt spr zieren ging; er traf eine Araberin und fragte sie, ob fie so spat von der Stadt entfernt keine Angst hätte, allsin zu gehen? Sie antwortete: Dem Alla sei Dank, f> lange er unserm Effendi das Leben schenkt können »vir die Furcht nicht. — Dieser Bürger hatte am ander» Tage zufällig bei dem Pascha ein Geschäft, und wollteihm ein Kompliment machen, in welchem Ansehen er stände, und erzählte ihm die Geschichte von gestern acht. Was, schrie er. Du hattest den Muth, die arme Krau zu erschrecken, und sie zu fragen, ob sie keine Furcht hege? Hast Du sie durch Deine Frage ja wirklich erstreckt! Er ließ ihn hierauf aus Erbarmen über den Schrecken der armen Frau — sogleich hinrichten. 3) Der jüdische Schloi chter. Eines Tages »var der jüdische Schlächter aus Zafed in Aka. Da kommen einige Guwciffe (Bediente) des Paschas um ihn zu suchen, damit er gleich zum Effendi komme. Daß es dem Schlachter schwer urn's Herze war, kann man sich denken. Er wurde vor den Pascha geführt. Ein gebundener Beduine lag vor demselben und der Pascha befahl ihm, diesen Unglü<klrchen zu schlachten, da er doch geübt in diesem Handwnk sei. Der Jude, von Menschlichkeit ergriffen und den Spruch der Rabbinen eingedenk: „wer sagt dir denn, daß dein Blut röther sei, wie das deines Nächsten" (L h. bei einem Falle, wo Jemand mit dem Tode bedroht wird einen Andern zu tödten, so müsse er sein Leben hingeben, ohne unschuldiges Blut zu vergießen), aber nach nicht minder die Blutrache der Hinterbliebenen Familie des Beduinen fürchtend, war auch so geistesgegenwärtig dem Tyrannen Folgendes zu envidern. „Gnädigster Regent und Herr! Ich bin ein armer Mann und habe tin< zahlreiche Familie, die ich kümmerlich mit meinem Schlächteramt: ernähre. Müßte ich nun, nach deinem erhabenen Befehl, diesen Beduinen schlachten, so dürfte ich utj unseren rabbinischen Vorschriften kein Schlächter mehr sein, denn die Hand, die Menschenblut vergossen, bars nie ein Thier zum Menschengenusse schlachten, und ich wäre brodlos, meine Familie müßte verschmachten." Der Pascha wurde gerührt durch diese einfachen Worte, und entließ ihn gnädigst; er ergriff sein Schwert und hieb, aus Mitleid für den Schlächter, mit eigner Hand t>as Haupt des Beduinen ab. 4) Der richtige Beweis. Eines Tages stand er am Fenster seines Schlosses und bemerkte, »vie ein Soldat bei einer Milchbauerin für 10 Parra Milch forderte, die er erhielt imd trank, aber die Zahlung verweigerte, indem er frech b-khauptete, die Milch noch nicht getrunken zu haben. Niemand war da, der als Zeuge für oder gegen auftreten konnte. Der Pascha, der unbemerkt diesen Handel mit angesehen, forderte sie Beide vor sich, und fragte gleichgiltsg, warum sie streiten. Sie erzählten es. Der Pascha forderte einen Eid vom Soldaten, und dieser war ruchlos genug zu schwören, er habe die Milch noch nicht ge-trunken. Der Pascha erklärte aber den Schwur bei dieser Angelegenheit für keinen sichern Beweis, die Wahrheit zu entdecken und befahl den Leib des Soldaten zu öffnen. Findet man die Milch, so muß er die 10 Parra bezahlen, wo nicht so müsse sie die Kosten des Zksammennähens bestreiten und die 10 Parra sind eingebüßt. — Wie er befohlen, so geschah es. Man fand die Milch im Magen des ausgeschnittenen Soldaten, r»rt> dem Weibe wurden die 10 Parra ausbezahlt. 5) Das Soldatenrwahl. Einmal kam er zufällig in die Kaserne zu Aka und hörte in der Küche Gezänk und Handel unter den Soldaten. Wüthend eilte ec hinein, und ohne nach der Ursache des Streites zu fragen, ergriff er den Ersten, Besten unter ihnen und schleuderte ihn in Mit großen Kessel, in »velchem man für das Militär kochee, und der gerade

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