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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-12-09 · Heft 50 (9.12.1850) · p. Seite 690

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 50 (9.12.1850)
Date
1850-12-09
Page
Seite 690 (sequence 14)
Language
German
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690 Sie berühren keinen andern Araber, genießen Nichts von ihnen, selbst was Juden erlaubt ist, und stehen immer, auch beim Verkehr, in einer weiten Entfernung von ihnen. Sie erscheinen immer zu Pferde, bewaffnet. An ihrer Kleidung will man schon oft Schaufäden, bemerkt haben. Zur Zeit Ibrahim Pascha's, als das Land überall sicher war und ungehindert bereist werden konnte, machten sich zwei jüdischeBlech- und Silberschmidte inZafed mit ihren Werkzeugen auf, um unter den entfernten Arabern Arbeit zu finden. Sie gingen über den Jordan, in südöstlicher Richtung, dem Haurangebirge zu, und fanden dort unter den Arabern gewünschte Arbeit. Längere Zeit blieben sie dort, genossen blos Brod, Butter und Honig, und saßen zur Essenszeit getrennt von ihren Kameraden. Da kamen einmal zur Nachtzeit von Süden her mehrere Araber zu Pferd, um Tauschkontrakte abzuschließen. Diese bemerkten die zwei Juden und fragten wer sie seien. Als man sie darüber belehrte, lachten sie, und sagten, sie kennen die Jehuds besser, aber sie seien keine solche Gezwerge; denn die Jehud Chebr seien ein kolossales stämmiges Geschlecht und genießen gar Nichts von anderen Glaubensgenossen. Man sagte ihnen natürlich, daß es außer den Jehud Chebr noch andere Jehuds gäbe, und damit waren sie zufrieden. — Hie und da lassen sich auch Einige von den Jehud Ehebr in Palästina sehen — man will selbst in Jerusalem Einige erblickt haben — aber immer verdeckt. Ueber diese ängstliche Zurückhaltung herrscht ein tiefes Rathsel. — Daß sie nach biblischen Gesetzen leben, ist gewiß, sie wissen sogar von unseren talmudischen Heroen. Denn vor einigen Jahren gingen zwei Aschkenasim in Liberia in die Grabeshöhle des würdigen R. Akiba. Beim Heraustreten ritten zwei stattliche Araber vorüber und fragten in hebräischer Sprache, „welcher Zadik — so nennen die Araber und Beduinen unsere alteren Gelehrten — ruht tymV Jene antworteten: R. Akiba. Darauf stiegen sie eilends ab, gingen hinein und die beiden Aschkenasim hörten außen ein rührendes hebräisches Gebet sie verrichten. Als sie herauskamen fragten jene: wer sie seien? „Wir sind Jehud Chebr, aber wir beschwören Euch beim heiligen Gott Israels, daß Ihr so lange unser Hiersein verschweiget, bis wir aus Euerm Gebiete entfernt sind." Dieses sagten sie und flogen dahin mit ihren rennenden Rossen und verschwanden. — Sie haben ein Oberhaupt, das sie als Regenten verehren. Vor ungefähr 25 Jahren wollte der Serif zu Zanaa (siehe o. bm) eine Pilgerreise nach Mekka machen. Gewöhnlich wird dieser Weg zu See unternommen, auf dem Rothen Meer nach Dschrda, von dort nach Mekka; allein dieser Serif kam auf den Gedanken, ihn zu Lande zu machen. Er versah sich hierzu mit Proviant und angemessener Bedeckung. Allein da sie durch die große Sandwüste kamen, so wußten sie bald keinen Weg und Steg und irrten lange herum. Schon sahen sie von allen Lebensmitteln, selbst vom Wasser sich entblößt und befürchteten zu verschmachten. Kraftlos mit Verdoppelung aller Kräfte zogen sie weiter. So waren sie denn in eine glücklichere Gegend angelangt und wußten, daß jetzt die Wüste hinter ihnen läge. Vor Sonnenuntergang sahen sie eine ganze Stadt mit Gezelten. Sie eilten zu ihnen, hoffend zu ihren arabischen Brüdern zu kommen. Sie kamen einem großen und schönen Zelte nahe und der Vorposten der Karawane schrie: „Wasser, Wasser, ihr Brüder, sonst sterben wir." Da tritt ein riesenförmiger Araber zornig aus dem Zelte und schrie: „Kelb (Hund), wer wagt es so zu rufen in der Stunde der Andacht?" Der Muhamedaner erzählte aber die große Noch der Gesellschaft und bat flehentlich um Wasser. „Weißt Du auch," entgegnete jener, „wo Du so ungebürlich gerufen? Hier ist das Zelt unsers würdigen Meleks (Königs); wir halten hier das Abendgebet (nnrn) und wir wurden gestört." Jener blickte in das Zelt und gewahrte auch eine ganze Versammlung würdiger, großer Araber, welche leise ihr Gebet lispelten. Nun wurde der ganzen Gesellschaft Wasser gereicht, in einer angemessenen Entfernung, dann wurden sie mit allem Nothwendigen auf die Reise versehen und ihnen der kürzeste Weg nach Mekka beschrieben, wohin sie — da sie sehr weit vom Wege abirrten — nach einigen Wochen ankamen. Als sie fragten, wer ihre Wohlthater seien, antwortete man ihnen kurz: „Jehud Chebr." Seit dieser Begebenheit ist der Serif von Zanaa ein großer Judenfreund und behandelt unsere Glaubensgenossen mit wahrer Hochachtung. — In neuerer Zeit hat man sich viel Mühe gegeben, über diese Rätselhaften Aufschluß zu erhalten. Selbst ich suchte alle Mittel aus zu einem Ziele zu gelangen. Da kamen wir denn überein, ein tüchtiges Subjekt, verschleiert, als muhamedanischer Pilger Arabien bereisen zu lassen, das uns über die Jehud Chebr glaubwürdige Nachricht bringe. R. Amram, einen afrikanischen Juden — jetzt in Zafed — der mit arabischen Stammen oft in Verbindung war, wählten wir hierzu. Ich schrieb ihm die Marschrute vor, nach meiner Kenntniß vom Lande und Muthmaßung, wo sie gewiß zu sin-

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