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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-11-25 · Heft 48 (25.11.1850) · p. Seite 663

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 48 (25.11.1850)
Date
1850-11-25
Page
Seite 663 (sequence 11)
Language
German
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663 Kriegsglück anvertrauen konnten.... Daher die bedeutende Vertretung, welche die ungarische Judenheit in der Nationalarmee fand. Wie stark ihrce Zahl war, läßt sich nicht genau angeben, da hierüber keine Listen geführt wurden. Annähernd wurde sie mch der allergeringsten Schatzung auf 20,000 angegeben. Die Gesammtzaht der Armee war in ihrer höchsten Blütezeit, im Frühling 1840, nicht über 175—180,000 Mann gestiegen. Die Gesarnmtbevölkerung jener Landesheile, welche in den Händen der ungarischen Regierung »vcren und aus denen die Armee rekrutirt werden konnte, Ibelief sich auf höchstens 10,000,000; die jüdische BeMkecung des Landes auf 275—300,000. Die Juden bildeten sonach beiläufig den 30ten Theil der Bevölkmung und den 9ten Theil der Armee, d. h. ihr Kontiivgent war verhältnißmäßig 3*/3 Mal starker als das dn christlichen Einwohnerschaft. Ueber ihr Betragen im Kampfe herrschte die allgemeinste Zufriedenheit, und sie erfreueten sich ungetheilter Liebe und Achtung bei ihre» Kameraden sowol als bei ihren Oberen." Bedeutsam war auch die Theiliurhme, welche die Juden an der mittelbaren Förderung -es Nationalkampfes nahmen; wir meinen an Herbeisch»ffung der Kriegsbedücfnisse. In der Monturkommisfion waren sehr viele jüdische Handwerker beschäftigt, die Lieferungen für diese, wie für die Gewehrfabrik u. s. w. gingen hauptsächlich von jüdischen Kaufleuten aus. Ir» Sommer 1848, wo der Frieden äußerlich noch nicht gerochen, die Kriegsrüstungen nur den Raitzen und Seichen galten, und daher öffentlich und auf legalem Wege betrieben wurden, da wetteiferte allerdings der christliche Kaufmann und Handwerker mit dem jüdischen. Als jedoch nach der wiener Oktoberrevolution die Grenze gesperrt und das Herbeischaffen der Waaren vom AMande gefährlich und beschwerlich war, als nach der Einn>ahme Budapests jede Verbindung mit der ungarischen Regierung strengstens untersagt wurde und die Reise nach Debreczin nur auf Umwegen und durch bedeutende ermöglicht werden konnte: da waren es vorzüglich die jüdischen Kaufleute, welche sich auf die gefahrvollen Unternehmungen einließen. Bekanntlich zeigt der Jll de, weil er seit Jahrhunderten auf das Eine Feld beschränkt ist, in den Handelsunternehmungen mehr Erfindungsgabe, größern Muth und beherztern Unternehmungsgeiß: als sein christlicher Standesgenosse. Diesmal kam i^rrm auch noch sein Patriotismus zu Hilfe. Wir wollen hiermit keineswegs sagen, daß der jüdische Lieferant a»s Patriotismus seine Geschäfte betrieb, wir wissen wol, daß der Kaufmann als Solcher nur arithmetische Gefühle kennt, und daß auch die jüdisch-ungarischen Lieferanten mehr aus Liebe zu den Kossuthnoten als aus Begeisterung für die von ihm vertretene Sache sich auf gefährliche Unternehmungen einließen. Aber der Patriotismus, den der jüdische Kaufmann als Jude nährte, ließ ihm den Sieg Ungarns als gewiß, und in Folge dessen die Gefahr im Falle des Entdecktwerdens minder groß, den Gewinn im Falle des Gelingens bedeutsamer erscheinen. Es waren also auch für den Kaufmann mehr Glücksals Unglückschancen vorhanden, und er konnte guten Muths an das Unternehmen gehen. — Wesentliche Dienste leistete der Jude der ungarischen Sache auch in den ersten Frühlingsmonaten von 1849, als Fürst Windischgrätz in Pesth sammtliche Kossuthnoten für ungiltig erklärte. Indem dieselben demohngeachtet im Wurmkaffeehaus, je nach den wechselnden Kriegsnachrichten, um 60—90 % ge- und verkauft wurden, behielten sie trotz aller Verbote im ganzen Lande einen Kurs, welcher dem der österreichischen Banknoten nur wenig nachstand, so daß die ungarische Regierung fortlaufend alle aus den okkupirten Landestheilen ihr zugeführten Waaren mit ihren eigenen Noten bezahlen konnte, was ihr ungemein ersprießlich war. Auf diese drei Punkte, nämlich: Vertretung magyarischer Gesinnung in nichtmagyacischen Gegenden, Eintritt in die Armee und Lieferung der Kriegsbedürfnisse, — beschränkte sich die Betheiligung des Juden an der ungarischen Revolution. Es erhellt auf den ersten Blick, daß diese Betheiligung, wie bedeutsam auch an und für sich, doch nur sekundärer Natur ist. Richtungsbestimmenden Einfluß, wie ihn z. B. Fischhof und Goldmark in Wien, Jakoby in Berlin, Cremieux in Paris und andere Juden in den kleineren deutschen Staaten übten, hat der ungarische Jude nie gewonnen. Es fehlten ihm schon alle Mittel und Wege hierzu. In der Nationalversammlung saß kein einziger Jude; waren sie doch an den meisten Orten sogar vom Mitwahlen der Deputirten ausgeschlossen. In den Ministerialbüreau's war vor dem 14. April kein einziger Jude, auch dann nur sehr wenige und in untergeordneten Aemtern angestellt. In der Armee war kein einziger Jude höher als bis zum Hauptmann gestiegen, es existirte somit auch kein jüdischer Stabsoffizier, der etwa im Kriegsrath oder auf dem Felde einen entscheidenden Einfluß auf den Gang der Kriegsoperationen hätte üben können. Während der Revolution wurde wol in ausländischen Blättern oft von einem

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