Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1850)
- Date
- 1850-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIV. Jahrgang. Allgemeine No. 46 Zeitung des Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von irr. Ludwig Philipps»», Baumgartners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. Leipzig, den 11. November 1850. Diese Zeitung erscheint U'6cbeuftirf> einmal, Montags, und wird jährlich Ofi Bogen in Quart inkl. des Titels, Regisiers u. f. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu g t t c n, ist der Preis a u ß e r st n i e d r t g: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. I;» Ngr. (1 Thlr. 12 gGr ) für sechs Monate —22HJ Ngr. <18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buch-l-andlu.ngen, Postämter und Jeitungs-Erpedilionen nehmen Bestellungtri an: der Hauptspedition für >-eid. Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzo-gen. Inhalt. Leitende Artikel r Eine Betrachtung. — Geschichte und Vernunft. Ein Gespräch. (Schluß.) Zeitungsnachrichten: Deutsch Land: Berlin, Brilon, Steele, Münster, Tübingen, Untergrombach. Ocsterreicht sch er Kaiserstaat: Wien, Pesth. Holland: Amsterdam . G r o ß b r i t a n i en : London. R u ß l a n d u n d Polen: ans Rußland, Warschau. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: tteber die Anstalt zur Ausbildung i sra e l i ti sch e r -Religionslehrer und Vorsänger im Herzogthmue Nassau. Von I)r. Hochstädte r. Belletristisches: Briese und Spaziergänge eines jüdischen Studenten. (Fortsetzung.) Leitcude Artikel. Magdeburg, 5. November. Eine Betrachtung. Die meisten Menschen halten jene S turmzeiten für schwer, in welchem lang aufgehäufter Zündstoff durch irgend einen Feuerfunken plötzlich zur Flamme aufschlägt, die schnell die Zeile hinunterlauft und zündet, was zündbar ist. Aber der Sturm, der durch den Wald braust, bricht doch nur die hochragenden Eichen ab — wir, kleines Unterholz, Gesträuch, Gebüsch zerzauset er nur ein Wenig, und laßt uns an unseren Plätzchen ruhig fortwachsen und uns ausdehnen, so weit unsre Kraft reicht. Eine schwerere Zeit ist jene allgemeiner Schwüle und Dürre, wenn der eherne Himmel kein Wölkchen beut, aus deren Schooße Er-^nickung strömt, die Erde in Risten auseinanderklafft, und die Luft gebannt steht, wie durch Zauberspruch jeder Bewegung verlustig. Dann sinken nicht die Wipfel der cuifftrebenben Großen des Waldes, sondern die Häupter aller Gewächse senken sich, und die Wurzeln vertrocknen, und das Laub und die Blüten verwelken, und nur spärlich erhält sich der Lebenssaft in den Adern und KamiSm de^ Stammes. Eine solche Zeit ruhet jetzt auch auf Israel. Wie wird es sich da bewahren? Wie wird es vermögen, das Leben in seinem Innern nicht stocken zu lassen, sondern wach zu erhalten und zu erfrischen und aufzuraffen und sich stark und rüstig Zu zeigen? Israel hat den Vorzug, nicht eine Wurzel, sondern zw een, nicht eineir Stamm, sondern zw een, nicht einenWipfel, sondern zween zu haben. Denn Israel wurzelt lebenskräftig üi der Gegenwart, aber nicht minder im Felsengrunde -er Vergangenheit; Israel besteht in den Nationen, denen es angehört, aber auch in dem uralten Stamm, der ftme Existenz befaßt; Israel strebt nicht allein im Leben empor, sondern auch in der Religion, welche den Inhalt seines Lebens bildet. Darum kann es und wird es bestehen. Darum erdrückt und erstickt die Zeit der Schwüle und Dürre sein Leben nicht; burum tragt es in sich einen Schatz von Lebenskraft, an dem es zehren kann selbst in dürrer Zeit. Aber können nicht Schätze auch unbenutzt liegen? und der Staub und der Rost sie überziehen, daß sie un-