Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1850)
- Date
- 1850-11-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIV. Jahrgang No. 45. Allgemeine Zritung des Z«denth«ms. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Zuteresse. Redakteur Verlag uon Dp. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. Leipzig, den 4. November 1850. Diese Zeitung erschKnt wöchentlich einmal, MoniÄags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart mH. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben dik allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. ib Ngr. ( 1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22>/s Ngr. (18 <j©r.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter unt Zeitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. rsächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Lage. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Posen, aus der Provinz Posen, aus der Provinz Posen. O esterreich ischerKaiserstaat: Pesth, Großkanischa^ Somogy, Hohenems. Holland: Amsterdam. Belgien:: Brüssel. Italien: Nom. Türkei: Konstantinopel, Konstantinopel. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Mabbinische Sprüchwörter. Belletristisches: Briefe und Spaziergänge em?s jüdischen Studenten. Leitender Artikel. Magdeburg, 28. Oktober. Die Lage. Die Zeiten erfüllen sich; was wir vor vielen Monaten vorausgesagt, was dann in langerm Zwischenräume zu ruhen schien—das rückt uns jetzt Schritt vvr Schritt naher. Zu Baiern, in welchem die Gleichstellung der Juden nur im Wahlrecht einen Schritt vorwärts gegangen, wo diese also mindestens Nichts wieder zu veM'eren hatten, gesellen sich jetzt alle die Staaten, wo die Verfassungen, die 1848 brachte, oder wo die deutsche Grundrechte angenommen waren, jetzt aber wieder aausgehoben werden, um auch die gesetzlichen Verhältnisse t>icr Juden von Neuem in Frage zu stellen. Zuerst Sachsen und Mecklenburg. Zwar werden die Aussichten in jenem Lande als günstig dargestellt, wahrend sie in Mecklenburg gänzlich geschwunden, aber mit jedem Tage weiter wird es doch fraglicher, zweifelhafter werden. Daß es in Kurhessen nicht anders gehen werde, ist einfichtlich; und so sieht man sich besorgt immer weiter um, da keine Grenze sichtbar ist, wo die rückgängige Bewegung stehen bleiben werde.'. Und ist es nicht wahr, daß wir hiermit in die vormarzlichen Zustände zurückkehren. Nein! damals war Streben, war Hoffnung, war Schwanken — jetzt ist das Alles nicht, jetzt laßt man die Hände schlaff sinken, und fühlt sich kaum geneigt, auszusprechen was man fühlt und denkt, da es doch nutzlos sei. Fürwahr, es gilt ein Mann zu sein, der kräftig im innersten Gemüthe von den Zielen, denen er nachgerungen, nicht abläßt, und den Glauben an den Fortschritt der Menschheit niemals aufgebend, vor dem wechselnden Charakter der Zeiten nicht verzweifelt. Aber — weil wir des Wechsels schon so viel erlebt haben, weil die erste Halste des Jahrhunderts schon so mannigfaltigen Verlauf hervorgebracht, wie früher ein halbes Jahrtausend kaum: darum muß man unerschüttert festhalten, was man als Recht erkannt hat, und nicht müde werden... .