Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1850)
- Date
- 1850-10-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIV. Jahrgang. No. 42. Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippsorr, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 14. Oktober 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 90 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Jweües derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/a Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Rabbinen. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Potsdam, Breslau, von der preußisch-russischen Grenze, aus dem Posenschen, ans der Provinz Posen, Frankfurt. Oesterreich ischer Kaiserstaat: Prag, Wien, Wien, Lemberg, Lemberg. Frankreich: Paris. Afrika: Konstantine. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Reorganisation des Gemeindewesens. (Fortsetzung.) — Was das Wesen einer Synagoge ausmacht. Literarische Nachrichten: Leipzig, Magdeburg. Leitender Artikel. Auch vom Rheine, 8. Oktober. Die Rabbinen. Der Artikel in No. 40 dieser Zeitung konnte nicht anders, als tiefe Bewegung in vielen Betheiligten Hervorrufen, und da Lehrer der Religion, nennt sie Geistliche, Prediger, Rabbinen oder Professoren, so selten einer unparteiischen Besprechung unterzogen werden, muß wol auch im Vorurtheilslosen die Frage entstehen: ist der besagte Artikel auch vom Geiste der Gerechtigkeit ausgegangen und beseelt? Er wirst den Rabbinen unsrer Zeit Energielosigkeit, Schwäche, Trägheit für die allgemeinen Interessen des Judenthums vor, er verlangt, daß die Rabbinen wirken sollen für die rechtmäßige Stellung des Judenthums im Staate, für allgemeine Institute des Judenthums u. s. f. Hat er darin Recht? Was uns die Rabbinen mit Einem Male zu rechtfertigen scheint — das ist ihre Stellung. Es giebt keine prekärere, delikatere, schwankendere. Hkngestellt zwischen zwei religiöse Parteien, hingestettt in den Bruch der Zeit überhaupt, die Geschichte und Vernunft als völlig getrennt betrachtet, dabei der Willkür der Gemeinde preisgegeben, mit den persönlichen Schwierigkeiten immerfort ringend, einem Geschlechte gegenüber, das gar kein religiöses Interesse mehr besitzt — was läßt sich da thun? Was sollen sie thun? Dann die geringe Besoldung, die materielle Noth, mit der sehr viele unter ihnen zu kämpfen haben, und die ihnen die Mittel zum Handeln entzieht — wie will man sie anktagen? Versuch' es doch Einer, und mache an seine Gemeinde Ansprüche für das Allgemeine, an sie, die das Möglichste zu thun hat, um nur ihren Etat zu decken — im günstigsten Falle wird er freundlichst ab- und in seine Schranken gewiesen. Dies ist die eine Seite. Nun die andre. Gesetzt die Rabbinen wollten in irgend einer Sache gemeinschaftlich für das Allgemeine streben — mit welchem Vorurtheil und Mißtrauen werden sie empfangen werden? Priesterhercschaft, Obskurantismus, Geistesknechtung, und alle diese Stichworte würden gegen sie geschleudert werden. Die Rabbinen wollen auch im Trüben fischen, sich auch ein Kirchenregiment aneiznen, wollen auch Obmacht und Herrenthum über die Gemeinden erwerben, kurz ihre Stühle festigen und erhöhen — das wäre es, was die