Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1850)
- Date
- 1850-09-30
- Page
- Seite 563 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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563 pfen. Sie können mir es also nicht verargen, wenn ich mich bei der Ueberzeugung von deren ll lrwahcher't gedrungen und verpflichtet fühle, für dasselb-e aufzutreten und jeden Angreifer desselben aufs entschiedenste zu bekämpfen. Doch werde ich mit Ruhe irnd mit dem heiligen Ernsteungetheilter Wahrheitsliebe den Gegenstand behandeln. Sie sprechen die Beschädigung aus, und Ihre Gesinnungsgenossen sprechen es Ihnen nach, im mosaischen Gesetze, also in der jüdischen Religion sei nur der Jude der Nächste, den zu lieben geboten sei. Das sprechen sie so kalt, so gleichgültig cnis, als ob es um Erklärung einer Stelle in Horazens Oden sich handelte, bedenken aber nicht, daß diese Beschuldigung ein Dolch sei, gezückt nach Millionen Herzev- Was sage ich, Herzen? nach Millionen Seelen, ein Schwert, die Ehre von Millionen Lebender uud Verstorbner zu morden. Ein solches Wort, und zumal im Munde eines Mannes, der für eine Autorität gehalten wird, ist mehr als Wort, ist eine Thar und eine folgenreiche schwer verantwortliche That. Ein solches Wort muß bewiesen werden können, und nur bewiesen darf es ausgesprochen werden. Thaten Sie das? Können Sie l>^ls? — Doch ich werde das Gegentheil beweisen." Hierauf folgt nun eine so schlagende, oft witzige Entgegnung, daß kein Leser die Broschüre ohm Befriedigung aus den Händen (egen wird. Jnsonders ist der Vers, geschickt, den Kampfplatz auf das Gebiet des Gegners hinüberzuspielen, und ihm da so treffend »mtgegenzutreten, daß er seinen eigenen Boden aufgeben müßte, wollte er den Kampf fortsetzen. Wir können es uns nicht versagen, die Schlußworte, welche dieser Polemik das Ende geben, hierherzustellen. „Es meint manche *) christliche Theologe dem Christenthume zu nützen, wenn er das Judenthum schmäht und in den Augen M christlichen Publikums herabwürdigt, bedenkt aber nicht, daß er hiedurch am Ende jenem mehr Schaden zufüzt, als diesem. Das Judenthum ist und bleibt Grundlage (Basis) des Christenthums. Wie man das auch verdecken und ver¬ *) Ich sage mancher, denn es giebt rßele ehrenvolle Ausnahmen, katholische und protestantische?. Ich selbst kenne deren und will hier nur eines Marines gedenken, der als Dekan und Landtagsabgeordnete such auszusprechen Gelegenheit hatte, des seligen Weinrnrann in UUstadt. Sein Andenken lebt ewig in meinen, Herzen, und wenn ich das Christenthum von einer besser Seite kennen lernte, als es mir sonst erschienen mt: dir danke ich es, mein edler Freund! dir, der du dew Judenthume Gerechtigkeit widerfahren ließest! schweigen mag, der unwissendste Christ ahnt es aus seinem Religionsunterrichte heraus. Meint ihr nun, ihr könnt jenes verächtlich machen, ohne diesem die Achtung zu entziehen, ihr könnt jenes in seinen Grundprinzipien erschüttern, ohne dieses schwankend zu machen? Wenn die Grundsaulen für morsch erklärt werden, glaubt ihr, es halte noch Jemand das darauf ruhende Gebäude für fest und dauerhaft, oder, wie Mendelssohn sich ausdrückte, wenn das untere Stockwerk wirklich so baufällig ist, wer mag wot in dem obern sich sicher fühlen? O lastet endlich einmal von diesem, eines guten, ehrlichen Menschen unwürdigen, eines Gelehrten aber doppelt unwürdigen Schmähen ab! lasset uns jeder als redlicher und fleißiger Arbeiter in seinem Weinberge das Unkraut des Jrrthums und Aberglaubens aufsuchen, ausreißen und — nicht in den des Nachbars, sondern in den Strom der Vergänglichkeit werfen, der es hinabtrage in das Grab der Vergessenheit, von wo es niemals wiederkehre! lasset uns jeder in seinem Weinberge die Steine des Hasses, der Unduldsamkeit und Verfolgung, die das Wachsthum der edeln Pflanze hindern, sorgsam auftösen und hinausschleudern, aber nicht in den Weinberg des Nachbars, sondern wir wollen aus diesen Steinen eine Schutzmauer aufführen, gegen das heranströmende Gewässer der Entsittlichung, des reißenden Stromes wollüstigen Genusses, auf daß diese Fluthen die Weinberge nicht überströmen und alle verwüsten. O würdet ihr mich hören, ihr solltet sehen, wie jeder Weinberg bald in voller Blüte stehen, aus jedem Weinberge mehr und schönere Früchte der Sittlichkeit hervorsprossen und wenn auch die Arbeiter verschieden, die Frucht wird dieselbe sein: Wahrheit, Liebe, Glückseligkekt! Und Sie, Herr Professor, ich scheide von Ihnen ohne Haß und Groll, möchten auch Sie keiner Feindseligkeit Raum geben, ich meine nicht gegen mich, denn was liegt an mir! sondern gegen das Judenthum und seine Bekenner. Sie mögen immerhin Manches in den alten Büchern gesunden haben, was Sie, was aber auch ich nicht billige, was aber nimmermehr dem Judenthume zugeschrieben werden kann, wie Sie sich überzeugt haben werden. Vergesset, daß in alten bestaubten Büchern, die, wie Sie selbst sagen, von den wenigsten Juden verstanden und von noch wenigeren gelesen werden, „einige unzarte und gehässige Redensarten sich befinden", dagegen wollen auch wir vergessen was die unparteiische Geschichte von grausenhaften Mißhandlungen erzählt, die Scheiterhaufen und Blutbäder, wie man uns verkauft und ver-