Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1850)
- Date
- 1850-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIV. Jahrgang No. 40. Allgemeine Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philipps»«, Rabbiner zu Magdeburg. Vertag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 30. September 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 90 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. K> Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 2*2*/a Ngr. (IS gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptfpedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Rabbinen. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Berlin, Münster, Magdeburg, vom Rhein, Eßlingen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Vorlesung über die von Diesterweg ausgestellte These: „Auf die Existenz Gottes muß immer hingewiesen werden, dieselbe darf aber nicht erst erwiesen werden." Von Schweizer zu Kronheim. Literarische Nachrichten: Magdeburg, Magdeburg. Leitender Artikel. Vom Rheine, 24. September. Die Rabbinen. Welche Energie entwickeln die Rabbinen! Antwort: Keine; auch nicht die geringste Spur davon, ein schwaches, unthatiges Geschlecht. Was haben die Rabbinen im Jahre 1848 gethan, als ein Geist durch die zivilisi'rte Welt schritt, der alle positive Religion zu vernichten drohete, der, in endloser Gleichmacherei, alle religiöse Ueberzeugung in Einen Topf werfen und verkochen wollte? Der eine Theil stürzte sich kopfüber iw den Strudel, der andre zog sich in seine vier Pfähle zurück; Niemand trat energisch auf, das Schiff, das an den Klippen zu scheitern drohte, richtig zu leiten. Was thun die Rabbinen jetzt, wo unter dem Schutze des Gesetzes die Kirche mit großer Mächtigkeit ihre Fahne entfaltet, wo alle öffentlichen Institute den konfessionellen Charakter, wie kaum vor Jahrhunderten so scharf ausgeprägt wieder annehmen? Sie sitzen ruhig in ihren vier Pfählen, und lassen es gehen, wie es geht. Ein Blick auf die kirchlichen Bewegungen, ein Blick auf die Energie, mit der die Geistlichkeit jeder Konfession wirkt, und unsere Rabbinen sollten schamroch werden. Kaum daß eine Versammlung ausgeschrieben wird, und zu Tausenden versammeln sie sich; überall Berathung, Vereinigung, Gemeinsamkeit, kühnes Vorgehen. Man verkenne uns nicht; nicht daß wir überall die Zwecke billigten, welche die Geistlichkeit verfolgt; nicht daß wir in dieselben Wege, die oft Nichts als die Wege zu äußerer, weltlicher Herrschaft und bisweilen noch schlimmer sind, unsere Rabbinen eknlenken sehen möchten — sondern nur die Energie, die Kräftigkeit, die Reg- und Strebsamkeit sollte ihnen zum Vorbild, sollte ihnen zum Vorwurf ausgestellt werden. Wie es in diesen Blattern schon öfter ausgesprochen worden: das Judenthum bedarf gemeinsamer Institute, Lehrinstitute aller Stufen — die Rabbinen legen die Hände in den Schooß. Das Judenthum bedarf inmitten der orthodoxen (denn das werden sie wieder) Konfessionsschulen einer tüchtigen, wohl versehenen Schule, die sich eine Existenz zu erkämpfen hat — die Rabbinen legen die Hände in den Schooß. Das Judenthum bedarf überall der Gemeindeorganisation — die Rabbinen legen die Hände in den Schooß.