Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1850)
- Date
- 1850-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIV. Jahrgang §Ko. 30« Allgemeine Zeitung des Zu-enthuins. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippfon, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgartners Buchhandlung z>r Leipzig. Leipzig, den 23. September 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in L_aart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu gebrn, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 2L>> Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzog«,,. Inhalt. Leitender Artikel. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Magdeburg, Berlin, Berlin, Hanau. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Wien, ans Ungarn, Vrody, Prag. Frankreich: Metz. Italien: Ankona. Rußland: Petersburg. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: aus Pommern. Literarische Nachrichten: Magdeburg. Leitender Artikel. Magdeburg, 17. September. Die preußischen ministeriellen Blätter enthalten Andeutungen, daß die Staatsregierung beabsichtigt, die Angelegenheit der jüdischen Gemeinden in irgend einer Weise in die Hand zu nehmen. Wir sehen voraus, daß eben über das Wie? noch Nichts bekannt ist, das Wie? aber allerdings in dieser Frage das Entscheidende ist. So sehr wir Freunde der Freiheit und Unabhängigkeit in Glaubenssachcn sind, so sehr wir jede Beschränkung der Selbstständigkeit der Gemeinden bekämpfen müßten: so kann es im Allgemeinen nur wünschenswerth sein, daß von Seiten der Regierung Etwas geschieht, sobald dieses Etwas das nöthige Maaß nicht überschreitet. Wir dürfen es nicht verkennen, wir müssen es vielmehr mit Freude und Stolz anerkennen, daß die jüdischen Gemeinden in ihrer größten Mehrheit auch in den verflossenen kritischen Jahren sich trefflich bewährt haben. Im Ganzen sind es doch nur wenige, welche der Zerrüttung gänzlich anheMsielen, und die nicht in ihrem Hauptkörper sich lebenskräftig erprobt haben. Aber was wir seit Jahren gewünscht haben, das ist mehr, als der bloße Abstand; was wir seit Jahren für nothwendig erachteten, tas reicht über die bloße Existenz, über das bloße Vegetirm hinaus. Wir wollen großartige Schöpfungen der Gesammtheit der Juden, aus denen die tüchtigsten Leistungen in Kultus und Unterricht hcrvorgehen; durch welche wie von selbst der Entwickelungsgang des Judenthums sich regelt und verallgemeinert; an welchen das Interesse Aller sich erfrischt. Hierzu aber ist die Anregung und Leitung von Seiten der Regierung un e»tl>ehrlich. Wir wissen es, Privatpersonen können sich die Finger abschreiben, es wird Nichts geschafft. Von der Reziecung braucht nur eine Zusammcnberufung von Dep»tirten auszugchen, um den größten Eifer hervorzurufe». Dies und Nichts weiter ist die Befugniß der Regierung; solchen Anstoß und solche Leitung der Allgemeinheit zu geben. Dafür würde sie sich unendlichen Dank erwerben; in der Liefe wäre sie allerdings verpflichtet bn§u. Jetzt, wo offenbar das Konfessionelle in allen öffentlichen Institutionen wieder mit einer Mächtigkeit vorgeschoben wird, die über 1847 hinausgeht, wo dadurch indirekt die Juden um so mehr ausgeschlossen werden — wollte die Regierung irgendwie gerecht sein, müßte sie auch auf Anstalten für die Pflege des Judenthums bedaht sein. Ob wir uns nun der Hoffnung überlassen können,