Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1850)
- Date
- 1850-09-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225697--11228-3241324- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XIV. Jahrgang. No. 36. Allgemeine Zeitung -es Zndcnthnms. Ei« unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 2. September 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die all gern ein fte Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jah.gang; — 1 Thlr. \b Ngr. (1 Thlr. 12 gGr) für sechs Monate — 22 </Ä Ngr. (JS gGr.) für dns Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Das jüdische Volksleben. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Speyer, Berlin, Eisenach. Oesterreichischer Kaiserstaat: Lemberg, Wien, Prag, aus Ungarn, aus Ungarn, Honlic. Frankreich: Paris. Rußland: aus Rußland. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Ueber die jüdischen Elementarschulen im Großherzogthum Posen. Vom Lehrer Gottheit. Literarische Nachrichten: Magdeburg. Leitender Artikel. Magdeburg, 26. August. Das jüdische Volksleben. Nichts ist dem Menschen angemessner, Nichts für ihn erfolgreicher, als sich seiner Zeit und ihres Inhalts bewußt zu werden. Der Mensch, mit seinem beschröirkten Gesichtskreise, mit seinem kurzsichtigen Blick, läßt sich nur zu sehr vom Augenblick, vom Tage beherrschen, and nur mit Mühe ersteigt er eine Höhe, von der aus er Früheres und Kommendes überschaut, und dadurch seine Gegenwart zu überblicken befähigt ist. Jnsonders vermag er dann das Stück Leben, in welchem er selbst sich bewegt, in seinem Zusammenhang mit dem großen Leben der Menschheit zu erkennen, und wie doch nur im Einzelnsten vor sich geht, was in der großen Gesammtheit geschieht. So ist das Einzelne der Spiegel des Ganzen, das Ganze der Spiegel des Einzelnen. Was sich nun da auf allen Gebieten kund giebt, das ist, daß unsre Zeit, wie wir sie seit einem halben Jahrhundert und noch eher herdatiren können, eine 3eit der Umwandlung in den tiefsten Schichten der Volks massen ist. Es ist dies keine neue These, aber es ist von Bedeutung, dies immer mehr zu wissen. Diese Thatsache tritt allerdings gerade im Judenthume am Schärfsten hervor. Das Leben der jüdischen Masse hat seit über 50 Jahren sich fast ganz umgewandelt, und schreitet mir jedem Jahre in dieser Umwandelung immer weiter, ep und intensiv weiter fort. Zuerst in Norddeutschland und Italien, dann in Süddeutschland, England und Paris, dann im ganzen Deutschland, im Großherzogthum Posen, im nördlichen Böhmen, im westlichen Ungarn, nun schon in Galizien und Hollands ist zum Theil das jüdische Volksleben unter- und in ein modernes allgemeines Leben aufgegangen, und eilt diesem immer mehr zu. Es giebt aus gewissen Kreisen und Gegenden schon Greise, die vom früher» jüdischen Volksleben, seinen Zuständen und Gestalten keine Kenntniß mehr haben, aus anderen, die sich nur noch aus früher Jugend derselben erinnern, endlich aus anderen, die selbst erst im Abstreifen dieser Eigenthümlichkeiten begriffen sind. Niemand aber verkennt, daß innerlich und äußerlich dieses jüdische Volksleben immer mehr sich auslöst. Mit Nichten ist dies aber blos im Judenthume der Fall. In allen, früher abgeschlossenen Kreisen und Gegenden zeigt sich dieselbe Erscheinung. Neulichst nahm ich ein Bändchen „erzgebirgische Dorfgeschichten" zur