Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1850)
- Date
- 1850-07-22
- Page
- Seite 420 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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420 gerade das aramäische Idiom zu ihrem Vehikel gewählt hat; die düstere Physiognomie dieses Idioms, sein elegischer Klang, wie die Schroffheit und Sprödigkeit seiner Formen machen es ganz besonders geeignet, Sprache des Aenigmatischen und Mysteriösen zu sein. Zum Beleg sür diese Behauptung verweisen wir auf den aramäischen Theil des Buches Daniel, auf die Gnomen im Midrasch, auf die Salomosagen im Targum, auf die Seemahrchm des Rabba bar bar Chana im Talmud, vorzüglichst aber auf das mystische Buch Sohar." Dann aber weist er auf den Inhalt der umfangreichen Literaturen dieser Völkerstamme hin, auf ihre geschichtliche Bedeutung auch als Brücke zwischen der alten und neuern Zeit vermittelst des Arabischen und Neuhebräischen. Dann fügt er hinzu: „Jemehc die klassische Philologie in letzterer Zeit begonnen hat, ihre Verschanzungen hinter hellenisch-römischen Mauern zu verlassen und sich über den Hellespont zu wagen, — destomehr ist es Pflicht der Linguistik, der freundlich sich nähernden Schwester freundlich entgegenzukommen. Nur durch gegenseitige Beachtung und Würdigung können Beide das hohe Ziel der Aufklärung, Veredlung und Verbrüderung des Menschengeschlechts erreichen. Die nach geistiger und sittlicher Vervollkommnung strebende Welt bedarf ebenso nothwendig des ernsten Semiten als des j oviaten H elle ne n, um auf den Höhepunkt menschlicher Entwickelung zu gelangen. Oer Hellene umkleidet sie mit Anmurh und Liebreiz, und der Semite haucht ihr das lebenswarme Gemüth ein; jener schärft ihren Blick, verfeinert ihren Geschmack, verleihet ihrem Verstände logische Scharfe, und ihrem Ausdrucke Präzision und Eleganz, — dieser erschließt in ihrem Herzen eine Welt höhern Bewußtseins und erhebt ihren Geist über die Schranken der Endlichkeit; mit einem Worte — der Hellene schafft die Form, der Semite den Inhalt. Erst Beide vereint geben den ganzen Menschen. Diese beherzkgenswerthe Wahrheit hat die Vorsehung selbst mit unverlöschlichen Zügen an das Firmament der sittlichen Welt geschrieben, indem sie die beiden Hauptsaktoren aller höhern menschlichen Bildung — nämlich die biblischen Schriften und die klassische Literatur — nicht durch einen und denselben Urstamm hervorbcingen, sondern in diese, hohe Aufgabe S6nr und Jüphet sich theilen ließ, damit jeder dieser beiden edelsten Urstamme der Menschheit Etwas entbehre, was nur der andere ihm gewähren kann, und sie dadurch zu gegenseitiger Beachtung aus Würdigung geführt werden." — Er schließt, indem er einen Blick auf das, was Böhmen auf diesem Gebiete geleistet haben, wirst. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1V4 Ngr. (L gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Werl agshandlung. Zn der israel. Kultusgemeinde Grobzig findet ein unverheiratheter Mann, welcher befähigt ist als Lehrer, am« und *jm zu fungiren, zu ynzm HS Anstellung. Gehalt jährlich circa 150 Thlr. exkl. Akzidentien und i"?üTiU3. Bewerber haben sich persönlich zu melden. Reisekosten werden nicht vergütigt. Gröbzig in Anhalt Deßau, im Juni 1850. Der Vorstand der israel. Kultttsgenremde. Ein unverheiratheter Mann, der die Funktionen eines Lehrers, Kantors und Schächters übernehmen kann, findet zum September eine Stelle bei der israelitischen Gemeinde zu Lülhorst. Reflektanten wollen sich recht bald in frankirten Briefen melden bei dem Unterzeichneten Vorstand. Lüthorst bei Eimbeck, den 4. Juli 1850. S. Rofenstekn. Einen Lehrling wünscht in die Lehre zu nehmen die Manufaktur- und Modewaarenhandlung von M. S. Nathan in Magdeburg, Breite Weg No. 40. Ein junges, würdiges Mädchen israelitischer Religion kann zur Führung eines Haushaltes, namentlich zum Nahen u. dgl., oder zur Gesellschafterin empfohlen weren durch den Redakteur t>. Ztg. Durch <£♦ L. Fritzsche in Leipzig ist zu beziehen: ba-na*' ■'32b ndriDin ros^Q*» nrßn Biblisch-talmudische Medizin I. Heft oder Pragmatische Darstellung der Arzneikunde der alten Israeliten. Mit Einschluß der Staalsarzne iku nde und mit besonderer Berücksichtigung der Theologie. Rach den Quellen in gedrängtester Kürze bearbeitet von R. Z. Wunderbar. Erste Abth. enthalt: Allgem. Einleitung, inkl. der Geschichte und Literatur der israel. Heilkunde; Materia medica und Pharmakologie der alten Israeliten. Riga und Leipzig, 1850. gr. 8. VIII, 119 S. Eleg. brosch. Preis 2(z Thlr. netto. Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.