Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1850)
- Date
- 1850-07-08
- Page
- Seite 395 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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395 Der erste Monolog war zu Ende. Der Deklamator ließ das Buch finken, und blickte ruhig um sich. Da erhob sich aus dem Haufen der Linken ein schallendes Pfeifen, aber die rechte Seite erhob sich wie Ein Mann, trotzdem es die Frauen waren, und klatschte mit den fetten, und klapperte mit den dürren Händen. Je mehr diese klatschten, desto mehr pfiffen jene, so daß bald die Wände dröhnten. Schon fuhren die Damen von ihren Sitzen auf, und rüsteten sich ihre Hände, namentlich die Enden der Finger, auch noch anders zu gebrauchen: da siel mit bewunderungswürdiger Geistesgegenwart Schlemiehl mit seiner Donnerstimme hinein: „Zweiter Monolog. Die goldene Kutsche vor der Thüre" — und Alles schwieg. „Was klappert, was klirret, was rollet daher? Was schlagen die Hufen der Rosse so schwer? Ich schaue zum Fensterlein rasch hinaus — Da kommt eine goldne Kutsche zum Haus. Die Peitsche knillet und knallet, Das Posthorn schrillet und schallet, Hurrah; eine goldne Kutsche zum Haus, Da steigt ein Prinz heraus!" Mein Freund sprach dies so nachdrucksvoll und nachahmend, daß ein Troß Jungen schrie: Hurrah, hurrah! das nicht enden wollte. Schlemiehl klopfte mit dem Buch aus einen nahen Tisch, da schwiegen sie endlich, und er fuhr fort. So führte mein Freund lange mit Ruhe und Festigkeit seinen Vortrag durch, und erntete bald Pfeifen und Gelächter, bald Beifall, ja selbst Thranen, bald Beides zugleich — bis ihm endlich der Geduldsfaden zerriß, und er nicht mehr deklamirte, sondern zu brüllen begann, und in wahre Raserei gerieth. Die Töne kamen wie aus der Brust eines Löwen, die Hände und Füße warf er nach allen Seiten; er stand nicht mehr, sondern fuhr von einer Ecke zur andern. Hätte dies nur mit dem Inhalte noch etwas übereingestimmt, wäre es mit den Glanzstellen meines Gedichtes zusammengetroffen, so wäre es gut gewesen — so aber wurde es selbst mir etwas zu stark. Das Gelächter ward rauschender, je schwacher der Beifall. Er war gerade im vierzehnten Monolog, als der aufgefundene Prinz mit seinen Kameraden spatziren gehr. „Horcht! Freunde" — und das fuhr mit fürchterlicher Wuth heraus — „Horcht, Freunde, wie die Frösche dort im Sumpf Kraxen! kommt, mt wollen danach werfen! Wer kann mit Stslaeir auf dem Waffer schnellen? Von Euch thut's Keiner mir zuvor! Dreiviermal fpciwgt mein Stein auf. Dort taucht ein großer Frosch empor..." Dabei ballte mein Ziround die Hände und stieß sie in die Luft. Gellendes «Gelächter. Da geschah es, bajj er beim Wiedererheben des Heftes, aus dem er volles, in der steigenden Wuth eine Zahl Seiten übecknisf, so daß er unmittelbar sortfuhr: „Wenn ich sie erreiche, so tobt’ ich sie Alle Und opfre sie Alle meiner Wuth, Meine Mutter hat mich verleugnet, Mein Vater verstößt mich, Und sie, und sie, \tt zieh'n mich herab In ihren Sumpf —" Dieser Bockssprm z, der den Prinzen von den Fröschen in den Sumpf ziehen ließ, war endlich den Zuhörern zu viel, und Wes, Alles, beide Parteien, Rechte und Linke, lösten ftd>* in ein homerisches Gelächter auf. Schlemiehl deklainirte noch eine Weile fort, hatte aber bald den Faden ^rnz verloren, und nun trabte seine Rede in endloser Unordnung weiter. Das Auditorium ward still. „Doch nein!" fuhr er fort, „Doch nein! ich ^ill mich opfern, Hier will ich enbeit, Die schlechte Welt soll mich nicht haben. . . Wo bleibst du, Sh^tten meines. . . Laßt uns ein Denkmal. .. Die Milch der frommen Denkungsart... O leerer Schaum d°es Lebens... Durch diese hohle KÄßnacht muß die Gaffe. . . Wir drehen auf, wie drehen unter. . ." Es war genug. Alles fuhr auf, und Schlemiehl stürzte zur Thüre hin»us. Wie die Sache sich abspielte, war ich allmalich von Absatz des Ofens heruntcrgestiegen, hatte mich in die Eck gedrückt, und schlüpfte zur andern Thüre hinaus. .. . Wir hatten vollstem big Fiasco gemacht. (Fortsetzung folgt.)