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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-06-24 · Heft 26 (24.6.1850) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 26 (24.6.1850)
Date
1850-06-24
Page
Seite 367 (sequence 15)
Language
German
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367 er Längst als höchste Autorität ansah, ihn zu den kühnsten Hoffnungen berechtigte. AlLmälig weckte daher das Streben meines Freundes Ln mir den Gedanken, selbst Dichter zu werden, und meine Schöpfungen durch das Latent meines Freundes in die Wett einzuführen. Es lag dies um so näher, als mir mein Freund auf einige kleine Gedichte, die ich gefertigt, ganz dieselbe Bewunderung zurückzahlte, die ich ihm für seine Deklamation ausgezahlt, und wir uns Beide so in dem reinen Berhaltniß zweier Seelen befanden, die sich Beide, jeder Ln einem andern Fache als exzellent bewundern können, ja, wo der Eine durch den Andern sich zum Höchsten gefördert glaubte. Jetzt war es, wo wir zusammen die vaterstadtjsthen Fluren durchstreiften, um unsere Plane zu besprechen und ihre Erfolge im Voraus, freilich nach großem Maßstabe, zu berechnen. Immer hingen wir zusammen; Schlemiehl wartete auf mich an der Schulpforte, bis die Lektionen zu Ende waren, und ich wartete seiner an der Synagogenpforte — denn diese Leidenschaft hatte er noch nicht aufgegeben. Es mochte ein sonderbarer Anblick sein, wenn wir Beide dann nebeneinander liefen, ich, der zwölfjährige, kleine, kurze, vierschrötige Knabe mit rochen Wangen, schwarzen Locken und tiefsinnigen großen braunen Augen, und neben mir die lange, hagere Gestalt des neunzehnjährigen Schlemiehls, dessen glückliche äußere Erscheinung ich schon beschrieben habe! Und dieses Hangen des Großen an dem Munde des Kleinen, dieses Unterordnen und Anschmiegen des Langen an den Kurzen.... Nach langer Erwägung brachten wir endlich heraus was wir bedurften. Der Plan, zu dem wir endschlüssig gelangten, war: ich sollte eine Tragödie schreiben, die aus lauter Monologen bestünde, damit sie mein Freund einen nach dem andern vortrüge. Es war dies ein ganz Neues, noch nie Dagewesenes, und mein herrliches Dichrertalent und meines Freundes herrliches Vortragtalent sicherten im Vereine uns den glänzendsten Triumph. O, noch stehet der Abend vor mir, an welchem wir diesen Gedanken zu Ende gebracht! Wir waren durch einen Forst gewandert, den ein gerader Fußweg durchschnitt; wir waren an dessen Ende gelangt, als eben die Sonne im herrlichsten Purpur unterging, und ein rosiges Licht über Himmel und Erde ergoß. Da standen wir; bald schauten wir in die Nacht des Waldes zurück, bald wandten wir unsere Blicke in das feuerglühende Gewölk. ,.Siehst Du/" rief ich begeistert aus, „so wird unser Leben sein! Gerade aus durchschreiten wir den kühlen. dunkeln Wald der Welt, um am Ziele unsers Strebens vom Purpur des Ruhmes umkleidet unterzugehen!" „Ja", sagte Schlemiehl, „und dort guckt neugierig ein Hirsch aus dem Walde auf uns: so werden die Menschen immer neugierig auf uns gucken, wo wir stehen und gehen werden, wie Schiller sagt: Auf diese Bank von Stein will ich mich setzen, Dem Wandrer zur kurzen Ruh bereitet." Bald waren wir auch mit dem Entwürfe zu dieser Tragödie aus Monologen fertig. Wir dachten uns einen Knaben wie aus unsrer Umgebung; zwar nicht in unsrer Vaterstadt geboren, aber mit einem Male dahin zum Besuch der Schule gebracht. Er ist schön an Gestalt, tragt sehr feine Kleidung, hat immer Taschengeld in Menge, aber ist verschlossen, und halt sich von den übrigen Knaben fern. Um so mehr bewerben sie sich um seine Freundschaft, ohne daß ec sie ihnen zu Theil werden laßt. Plötzlich kömmt eines Tages eine goldene Kutsche vor die Thüre des Hauses, ein Herr mit Stern und Orden steigt aus, geht hinein, umarmt den Knaben, und erklärt ihn für seinen Sohn. Der Knabe ist also ein Prinz. Nun geht ein herrliches Leben an, der Knabe, oder vielmehr der Prinz wird freundlich gegen Jedermann, er wählt sich Freunde und Gesellschafter aus, denen er kostbare Geschenke macht; es wird gefahren, geritten; er bildet sich eine Leibwache, ein Regiment, mit dem er gegen die Bauernknaben marschirt, und große Thaten vollbringt. Aber abermals plötzlich erscheint der Kammerherr des Fürsten, und erklärt, es sei ein Jrrthum gewesen, der vermeintliche Prinz sei von der Amme untergeschoben, der wahre in der Kindheit gestorben; die Herrlichkeit ist zu Ende, der Knabe stürzt sich in's Wasser, und wir weinen auf seinem Grabe, denn wir hatten ihm Treue gelobt und gewahrt. Dies war der Stoff zu unserer Tragödie aus Monologen, die bald der Knabe, bald Einer von uns, bald der Fürst, bald der Prinz, bald der Kammerherr und so fort sprechen sollte. Alle aber in höchstem Pathos, mit Dolch, Schwert, Wunde, Mord, Brand, leidender Unschuld, verfolgter Jugend in Fülle. Wir schwelgten im Voraus über unser Meisterwerk, an dem Nichts mehr fehlte, als die Ausführung.... (Fortsetzung folgt.)

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