Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1850)
- Date
- 1850-06-10
- Page
- Seite 335 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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335 aber Gott sei Dank! nicht zerschmettert. Die Bauern rissen den Hund zurück, und Schlemiehl stand auf, nur mit einigen Rissen seines blauen Fracks und seiner gelben Hosen mehr und einigen Beulen seiner Stirn — welch' großer Mann achtet das aber — hatte er doch ein dankbares Publikum gehabt. Ja, die Bauern bewunderten ihn gar sehr, und waren sehr gerührt. Der Bauer, der den Kopf höher trug als die anderen, warf ihm ein Zweigroschenstück zu, die anderen einige Sechser und Dreier, Alle ersuchten ihn aber, recht bald wieder zu kommen, „die Weiber und Mädchen sollten so was auch einmal hören; so was hatten sie im Leben noch nicht gehört, und der alte Pfarrer müßte sich vor dem Juden verstecken, und so was." Leser, ist Dir in Deinem Leben schon einmal etwas recht Tüchtiges und unverhofft gelungen? hat es Gott Dir einmal nur gegeben, Etwas zu vollführen, was Du Dir nicht zugetraut, wodurch Du hinübergciffst in eine Sphäre, die hoch über Dir lag und fern, daß Dein bisheriges Leben tief zu Deinen Füßen kam-dann hast Du empfunden, was unser Schlemiehl gefühlt, als er heimwärts, nein nicht ging, sondern lief, sprang, hüpfte, mit seinem Päckchen, einem halben Thaler Münze in der Tasche, und einem Bewußtsein in der Brust, ach, so groß, so hoch.... BeneidenswertherSchlemiehl, in diesem Augenblick beneidenswerther als Napoleon, da er in die Straßen Wiens und Berlins einzog.... Ungeduldig bis er nach Hause kam, warf er sogleich seinen Packen auf den Tisch, das Geld in den Schooß seiner Mutter, und eilte zu mir. Als er mich erblickte, ich weiß es wie heute, ich hatte gerade eine mächtige Butterbemme in der Hand, die ich zum Abendbrod verzehrte — da stürzte er mir in die Arme, daß mein Butterbrod auf die Erde siel, und zwar wie gewöhnlich mit der Butterseite in den Sand — — „Schlemiehl, was hast Du?" rief icb erschrocken, „hast Du Deinen Verstand verloren?" „Verloren?" rief er aus, „verloren? Gefunden, gefunden, einen nagelneuen Verstand gefunden... Der Glückliche erzählte mir Alles; er hatte sich gesunden, er hatte sich erkannt. Von dem Tage an war er der Improvisator aller benachbarten Dörfer. Auf jede Kirmeß, auf jede Hochzeit mußte der Jude, der so schön predigen kann, kommen, überall drang seine Stimme tief in das Herz des dörflichen Volkes; er wurde seine Bänder rascher los, er brachte Kuchen, Butter, Käse nach Hause; dann und wann auch einige Sechser und Dreier. Der blaue Frack verschwand und die gelbe Hose, und Schlemiehl bekam einen braunen Rock und eine blaue Hose, die erst vier, fünf Jahre getragen waren, und nur zwei, drei Flicken zeigten.. .. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. In demselben werden Annoncen aller Art geg«m 1. V* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Vakanz. Die israelitische Gemeinde zu M i r o w in Mecktenburg-Strelitz sucht zu Michaelis d. I. einen Religionslehrer, welcher zugleich das Schächter- und Vorbeteramt übernimmt und das Ehor zu leiten versteht. Derselbe erhalt an fixem Gehalt 80 Thlr. Pe. Krt. und circa 20 Thlr. fürs Schächteramt, nebst freiee Wohnung, Mittag- und Abendessen, so wie die Bettwäsche. Reflektirende wollen sich in portofreien Briefen wenden an den Vorstand der israelitisch-err Gemeinde. Magnus. Philippson. Mirow in Mecklenburg-Strelitz, cm 2. Juni 1850. <£*T' Die hiesige jüdische Gemeinde beabsichtigt die Aufnahme eines Predigers, der zugleich neben einem Elementarlehrer als Oberlehrer sungiren fcIL Offerten nebst Qualifikationsatteste nimmt der Unterzeichnete srankirt entgegen. Zum jährlichen Gehalt sind 300 Lhlc. festgesetzt. Velgard in Pommern, den 30. Mai 1850. Isra el Jaeoby. Die Lehrer- und Kantorstelle in hiesiger Gemeinde ist vom 1. Juli e. ab vakant. QualWrte Reflektanten wollen sich in frankirten Briefen baldigst an uns wenden. Bielefeld, den 26. Mai 1850. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde. In einem angesehenen Hause in Provinz Preußen wird ein Hauslehrer für 6 Kinder vom 6ten bis 14ten Jahre gewünscht, der den, diesem Alter angemessenen Unterricht, insonders auch in Religion und Hebräischem ertheilen kann. Freie Station und 100—150 Thaler Gehalt, je nach den Befähigungen des Lehrers. Anmeldungen franko zu richten an die Redaktion d. Zig. Magdeburg, den 4. Juni 1850.