Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1850)
- Date
- 1850-05-20
- Page
- Seite 278 (sequence 2)
- Language
- German
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278 Anwachsend stets und tiefres Bette füllend. So wird er Strom und mächtig seine Welle. Und was die Menschheit füllen soll, erheben, Was durch Jahrtausende ihr Stern und Leuchte sei, Was den Geschlechtern werde Grund und Boden, Darauf sie stützen sicheren Bestand —- Dem Strome gleich muß es in stiller Quelle Dem Felsgestein, entlegen weit, entspringen, Durch Fels und Thal, durch Wald und Flur entlang Als Sieger rollen, bis es mächtig ward. Dann ziehe nur mit schwacher Hand den Damm: Es spottet sein und schwemmt ihn bald hinweg; Dann wolle nur mit Eimern ihn erschöpfen: Nur reicher rollt er seine starke Welle. .. . O blöder Sinn, o Uebermulh des Knaben! Was Du vernichten willst, es wird Dich überdauern, Und was Du schaffst, geweiht ist's der Vernichtung! 2. Was stehst Du da, und zuckst die schwachen Achseln? Weil Du die Bürde nicht zu tragen weißt, Wirfst Du sie ab, und dünkst Dich stark und weise? Was stehst Du da ... weil Dir im kühlen Herzen Nicht drangt des Blutes warmer Wellenschlag, Blickst Du verachtend auf des Herzens Glut? O höhne nur, Du höhnest nur Dein selbst Und giebst Dich selbst verloren und verrathen! Und weil Du nicht den Fels erklimmen kannst, Nennst Du ihn kahl und nackt und Steingerölle? Du bist so klein, er ragt zur ew'gen Höhe! 3. Unter Palmen, im Brande der Sonnen Ward Juda geboren; In den Wüsten, in Steppenglut Ward Juda erzogen; Seinen Scheitel brannte der Sonne Strahl Dem Jüngling, Seine Sohle brannte der Wüste Glut Dem Manne — Wem nicht den Geist durchblitzt die Sonne Von Juda, Wem nicht das Herz durchglüht die Steppe Von Juda — Der kann seine Schritte lenken Dahin und dorthin, Nicht sein Scheitel und nicht seine Sohle Sind geweihet — Juda gehört er nicht! . . . lFortsetzung folgt.» Leitendem Artikel. Magdeburg, 13. Mai. Briefe über Religiöses und Theologisches. IV. *) So lange die Juden einer hartnäckig behaupteten Ausschließung gegenüberstanden, ja auch nach erlangter Gleichstellung in der Befürchtung, daß von gewissen Seiten immer wieder nach Gründen gesucht würde, diese Gleichstellung wieder zu beseitigen — fanden und finden wir uns in einer eigenen Verlegenheit: wir können das Interesse, das wir für unsere Glaubens- und Stammesgenoffen aller Zonen und Lander empfinden, nicht leugnen, und doch verleugneten wir es theilweise, indem wir uns überall als dem Volke, in dessen Mitte wir leben, angehörig anerkannten und behaupteten. Die Ursache ist leicht zu finden: man beschuldigte uns außerhalb der Nationen zu stehen und in eigener, jüdischer Nationalität nur uns zu gehören, und glaubte uns darum als Fremde behandeln zu können, wobei freilich auch an die Heiligkeit des alten Tastrechts nicht gedacht wurde. Wenn man auch nicht so weit ging, uns eine geheime Verbindung zuzuschreiben, die über die ganze Erde gehe, so wollte man uns doch auch nicht als integrirend dem betreffenden Volke zugehörig gelten lassen, dessen Pflichten und Rechte somit in ihrem ganzen Umfange uns zukämen. Jetzt, wo wir freier athmen, wo die bürgerliche Gleichberechtigung der verschiedenen Religionsgenossenschaften täglich mehr in succum et sanguinem übergeht, und aus ihm nicht wieder zu scheiden sein wird, jetzt, mein Freund, ist es auch an der Zeit, dieses Verhalmiß unbefangner zu erwägen, und nach den Grillen, die aus ihm heraus ein böswilliger Nachbar erhascht, nicht zu fragen. Es wäre eine Thorheit zu leugnen, daß wir uns den *) S. No. 13. 14. 19.