Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1850)
- Date
- 1850-05-13
- Page
- Seite 274 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Derselbe hat soeben ein Grundstück Straße Picpus No. 62, 64 und 66 gekauft, von 7500 Mettes, wovon 800 mit Gebäuden, die anderen 6760 mit Gärten, Alleen u. s. w. Die Gebäude hängen an einander. Der Kaufpreis mit den Kosten und Gebäuden wird sich auf 130,000 Frcs. (»4,6662/3 Thlr.) belaufen. Wir werden auf diese wichtige Anstalt zurückkommen. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 1. Mai. (Schluß.) „Maimon weilte mit seinem Sohne Moses noch einige Jahre in Magreb, bevor sie die passende Gelegenheit zur Auswanderung fanden, jedoch stets auf dieselbe bedacht. Endlich im Jahre 1165 gelang ihnen die Ueberfahrt zuerst nach Palästina, dann nach Egypten, woselbst sie dann ihren bleibenden Aufenthalt nahmen. In der Nacht auf den Sonntag den 18. April des genannten Jahres (4 Jjar 4925) bestiegen sie, so theilt Moses selbst mit, das Schiff, nach achtundzwanzigtagiger, durch einen Sturm gefahrvoller Fahrt kamen sie in der Nacht auf den Sonntag 16. Mai (3 Siwan) in St. Jean d'Acre (Akkho) an, und nun waren sie von Religionszwange befreit. Dort fanden sie Jefet ben Elia, einen Gelehrten, welchen auch der bekannte Reisende, Benjamin ben Jona aus Tudela vor dem Jahr 1173 neben zwei anderen Lehrern als Haupt jener Gemeinde traf. In Gemeinschaft mit diesen und noch einem sehr geliebten Freunde, dessen Name nicht genannt wird, den M. aber in einem spatern Schreiben sehr rühmt, und von dem ich vermuthe, daß er der sonst vorkommende Freund Aden Almoschat ist, machten sie eine gleichfalls gefahrvolle Reise nach den heiligen Orten. Dienstag, 12. Oktober (4 Marcheschwan 4926) brachen sie nach Jerusalem auf, woselbst sie den Donnerstag darauf an den Trümmern des Tempels in Andacht zubrachten. Am folgenden Sonntage gingen sie nach Hebron, um an den Gräbern der Väter zu beten. Dort, vielleicht auch schon in Jerusalem, trennte sich Jefet wieder von ihrwn, und kehrte nach seiner Heimat zurück, wahrend Maimon und Moses und der Ungenannte die Reise nach Egypten sortsetzten, das sie wol noch im Laufe dieses Jahres begrüßten. Dem großen Ereignisse angemessen, setzte Moses den Tag seiner Ankunft in St. Jean d'Acre wie die Tage seiner Wallfahrt nach den heiligen Orten zn festlichen Gedenktagen für sich und die Seinigen ein. So waren sie denn endlich in Egypten eingetroffen. Doch sollte Maimon nicht lange der Freiheit und des Friedens mehr auf Erden sich erfreuen. Wenige Monate nach der Entfernung aus dem heiligen Lande verließ er den Schauplatz seines Wirkens und Duldens, das neue Leben sollte der noch jugendliche Sehn beginnen. Für Maimons Bedeutung und für die Anerkennung, welche sein größerer»Sohn schon damals fand, spricht der Umstand, daß an diesen auf die Kunde von dem Tode seines Vaters von den äußersten Gegenden des Magreb, ja sogar aus christlichen Landen (dem nördlichen Theile Spaniens) Trostschreiben einliefen." „Moses hatte sich wol gleich bei seinem Eintritte in Egypten in Fostat, dem alten Mizr, nahe bei Kahira, dem neuen Mizr, niedergelassen. Seinen Lebensunterhalt gewann er durch das Geschäft, welches sein obenerwähnter Freund und Reisegefährte aus gemeinschaftliche Rechnung betrieb, und wie arabische Zeitgenossen melden, war es ein Geschäft mit Juwelen. Auch die Ausübung der Ärzneikunde, in welcher er einen immer steigenden Ruf erlangte, verschaffte ihm einen Theil seines Unterhalts, obgleich der Ertrag der Anstrengung nicht entsprochen zu haben scheint, auch der Neid, welchen sein ärztliches Ansehn erregte, ihn Gehässigkeiten und Gefahren aussetzte. Durch diesen Neid ward seine medizinische Befähigung von Einigen in Zweifel gezogen, von manchen arabischen Berichterstattern sogar behauptet, er habe gar keine Praxis gehabt, während Andere sein medizinisches Wissen rühmen und besingen und, womit auch seine eigenen gewiß wahrheitsgetreuen Berichte übereinstimmen, Mittheilung machen, wie er von allen Seiten als Arzt in Anspruch genommen wurde und daß er am Hofe des Saladin gleichfalls Arzt war. Seine wissenschaftliche Thätigkeit als Arzt war freilich mehr darauf beschränkt, die neuen Erzeugnisse der Literatur sorgfältig zu prüfen; seine eigenen Leistungen bieten blos auszügliche Zusammenstellung des Bewahrten. Dieser Neid seiner Berussgenossen mag auch die Anklage eines gewissen Abul-'Arab gegen ihn bewirkt haben, wonach er des Rückfalls zum Judenthume nach vorhergegangener Annahme des Islam bezüchtigt wurde; die freisinnigen Grundsätze, welche jedoch in Egypten herrschten, ließen die Sache zu seinen Gunsten entscheiden. — In der neuen Heimath vermählte er sich nunmehr auch mit der Schwester des Abul-Maali, Sekretärs in einer vornehmen arabischen Familie, der wieder seine Schwester heirathete; der Schwester, die na-