Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1850)
- Date
- 1850-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIV. Jahrgang, No. IS. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippfon, Rabbiner zu Magdeburg. Vertag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 8. April 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. rv. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Va Ngr. (IS gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Erpedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Sendschreiben des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin an die Vorstände der übrigen jüdischen Gemeinden in Preußen über Schöpfung einer jüdischen Zentralbehörde. — Die Kämpfe der Menschheit und der Religion. Zwei Peßachpredigten. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M., Berlin, Hamburg, Regensburg. Frankreich: Paris. Italien: Piemont. Mitgetheilt. Leitende Artikel. Magdeburg, 31. Marz. Das Sendschreiben des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin an die Vorstande der übrigen jüdischen Gemeinden in Preußen über Schöpfung einer jüdischen Zentralbehörde. Wir haben in voriger Nummer dieses Sendschreiben gegeben, und sind um so mehr verpflichtet, unsere Ansicht darüber auszusprechen. Die vorliegende Sache hat natürlich zwei Stadien der Beurtheilung, erstens: ist auf die Idee überhaupt einzugehen? und zweitens: wie ist sie zu verwirklichen? Uns heute schon mit der zweiten Frage zu beschäftigen, da es hiermit Zeit ist, bis die erste Frage durch die Gemeinden praktisch beantwortet ist, wäre überflüssig. - Bevor wir jedoch zur Sache schreiten,,möge man uns einige vorläufige Worte gestatten. Man hat ein bekanntes Dichterwort: „Spät kommt ihr, doch ihr kommt!" und ein, in jüngster Zeit noch öfter gehörtes Wort: „Zu spät!" Wie sehr wünschten wir, dem berliner Vorstande das erste Wort zurufen zu können, um so mehr da der jetzige berliner Vorstand für die Sünden seiner Vorgänger nicht verantwortlich gemacht werden kann. Ja, es war eine Zeit, wo ein neues Leben in den israelitischen Gemeinden erwacht war, wo sich ein allseitiger Eifer für die religiöse Entwickelung der jüdischen Kultusinstitutionen zeigte und von Tag zu Tag belebte, wo diese Fragen zu denen des Tages gehörten. Aber alles dies blieb — außerhalb der offiziellen Instanzen der berliner Gemeinde. Alle Anrufungen an die Hauptgemeinde des Staates blieben vergebens, alle Bemühungen, sie zur Theilnahme zu wecken, waren eitel: die Antwort war, „sie müßten erst für ihre Armen sorgen" — wie in der Sache der theologischen Fakultät — oder ihre Antwort war — gar keine, Stillschweigen, vornehmes, verachtendes Stillschweigen. Damals war es Zeit, eine solche „Zentralbehörde" zu schaffen, damals hatte man bei den jüdischen Gemeinden und der Regierung Anklang gefunden, damals war es Zeit eine jüdischtheologische Fakultät, ein Seminar u. s. w. zu schaffen, und ein Ruf Berlins hatte Alles an sich gezogen — aber es geschah Nichts, es saßen Männer an dem Vorstandstische Berlins, die für nichts Allgemeines Sinn hatten — wir riefen damals ihnen zu: die Nachwelt wird Euch richten! und siehe da, das Gericht ist schnell, sehr schnell gekommen, es ist schon jetzt da.