Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1850)
- Date
- 1850-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225675--10890-3240964- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XIV. Jahrgang. Allgemeine No. 14 Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgartners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. ZU Leipzig. Leipzig, den 1. April 1850. Diese Zeitung erscheint wöckcntlicb einmal, Montags, und wird jährlich 00 Bogen in Quart mH. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — i Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22*/a Ngr. (JS gGr.) für das Vierteljahr angefetzt worden. Alle Buckhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat ssch die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Briefe über Religiöses und Theologisches. JI. Zeitungsnachrichten: Deutschland: aus dem Großherzogthuln Weimar, Hannover, Frankfurt a. M., Berlin, Berlin, Nordhausen, aus dem Großherzogthum Posen, Magdeburg. O e st e r r e i ch i sch er K a i se r st a a t: Wien, Prag. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Joseph,Sohn des Tobias, und seine Söhne, die ersten jüdischen Gesthästsmänner. (Schluß.) Leitender 2lrtikel. Magdeburg, 24. Marz. Briefe über Religiöses und Theologisches. II. In der ungezwungenen Weise, die Du mir, mein Freund, hinsichtlich meiner Zuschriften gestattest, gestatte ich mir heute, einen sehr wesentlichen Gegenstand zu berühren. Die Stellung der Rabbinen, wie sie früher war und noch ist, wird, meiner Meinung nach immer unhaltbarer. Wir haben im Allgemeinen zwei Positionen für dieselben, die altere und die neuere. Du kennst sie Beide; Du weißt, wie die Rabbinen ältern Schlages nur dazu da waren und, wo sie noch existiren, sind, die Ritualfragen zu beantworten, zwei-, dreimal im Jahre eine spitzfindige Dcascha zu halten, und, wo sich Jünger finden^ den Talmud rc. zu lehren. Letzteres hat an den meisten Orten aufgehört, Ersteces vermindert sich immer mehr und mehr, und an dem Mittlern finden nur noch Wenige Geschmack. So überkömmt diese Männer immer mehr das Gefühl des Ueberstüssigseins, und nicht allein sie, sondern die Gemeinden selbst überkömmt dasselbe Gefühl. Oft ist es daher ein reines Glück für diese Männer, wenn in der Gemeinde ein heftiger Parteikampf entbrennt, wodurch dann die eine Partei sich um sie schaart und sie als Vorkämpfer und Leiter aufrecht erhält. Die neueren Rabbinen haben eine andere Bahn sich eröffnet durch die Predigt und die Reform des Gottesdienstes. Durch die öftere Predigt haben sie doch einen großem Wirkungskreis, sie treten mit der Gemeinde in größere Wechselwirkung, in öftere Berührung; dem umgestalteten Gottesdienste werden sie mehr oder weniger Bedürfniß. Trotzdem kann es dem Heller Schauenden nicht ungewiß sein, daß auch diese Stellung nicht genügt und ausreicht. Denn unsere Zeit hat einen sehr fühlbaren Mangel an gottesdienstlichem Bedürfniß überhaupt; zum Unglück für den jüdischen Gottesdienst tritt nun hinzu, daß feine Sabbate und Feste mit den Zeiten des bürgerlichen Verkehrs kollidiren, und, ich brauche es nicht erst weitläufig auszuführen, der jüdische Gottesdienst zieht diesem treibenden Widersacher gegenüber immer mehr den Kurzem. Dadurch geht aber vielfach wieder verloren, was der neuere Rabbine an Wirksamkeit auf die Gemeinde, und an Verbindung mit ihr gewonnen hat. Will also der Rabbine seine Stellung fortan behaup-