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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-03-11 · Heft 11 (11.3.1850) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 11 (11.3.1850)
Date
1850-03-11
Page
Seite 152 (sequence 12)
Language
German
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132 „Gott wird uns schützen, Vater! ist doch der Donner seine Stimme, und der Blitz sein Feuers Immer naher kamen die Wetter; immer lauter rollte der Donner; immer starker blies der Sturm; die Blitze begannen sich zu kreuzen — Da wurde auch das Rollen eines Wagens hörbar; näher kam er, ein schöner, verdeckter Wagen; Sara eilte ihm entgegen; es saß nur ein Mann darin, der selbst kutschirte; es schien ein Glaubensgenosse. „Erbarmt Euch eines alten Mannes!" rief ihm das Mädchen zu, „nehmt uns auf, guter Mann, im Namen des barmherzigen Gottes!" Die Pferde hielten an, der Mann blickte auf das Mädchen, den Greis. „Steigt nur ein, es ist ja Platz genug, und die Pferde kräftig." Sie stiegen auf. „Gott, so sendest Du Deine Boten!" sprach der Greis, und blickte auf den wolkenbedeckten Himmel. „Vielleicht war das die letzte Sühne, Sara!" Nach einer halben Stunde hatte sich der Sturm gelegt. Der Mann ließ die Pferde langsamer gehen, wandte sich um, und fragte: „Wer seid Ihr? woher kommt Ihr? Wohin wollt Ihr?" Der Rabbi nannte seinen Namen, erzählte seine Geschichte, und bat den Mann um Verzeihung, wenn er ihn belästige, indem er zugleich seinen Dank in warmen Worten ausströmte. Der Mann hörte aufmerksam zu, ließ sich in ein weiteres Gespräch ein, fragte den Rabbi geschickt nach seiner Meinung in mancherlei Dingen des Glaubens und Gesetzes. Der Rabbi antwortete gern und verrieth dabei leicht seine große Kenntniß und seinen bedeutenden Scharfsinn. Endlich fragte der Mann: „Seid Ihr ein guter Baal Darschan (Prediger)?" „Nun, meine Gemeinde war oft mit mir zufrieden." „Nun, so sollt Ihr in N., wohin wir fahren, den nächsten Sabbat Eure Probedrascha halten, wir wollen einen Rabbiner wählen, da unserer (Friede über ihn!) vor einem Vierteljahr verstorben. Ich bin Rosch hakahal." Die Pforten des Herzens öffneten sich dem verstoßenen Wanderer, und ließen die süße Hoffnung ein. Diese Hoffnung tauschte ihn nicht. Der Rabbi hielt mehrere Predigten, und entzückte seine Zuhörer immer mehr. Nach einem Monat bestieg er nach einstimmiger Wahl von Seiten der Gemeinde den Lehrstuhl. Sein Alter verfloß ruhig. Seine Tochter vermählte er nach ihrem Wunsche und sehr angemeffen. Er sah, wie Joseph, seine Enkel zwischen seinen Knieen erwachsen. Aber die Kabbala trieb er nicht wieder, sei es, daß er nun doch nicht die Kette zu schließen hoffte, sei es, daß er vom Glauben zurückgekommen. Siehst Au, mein Jakob, so hatte sich der Stiel in die Lehre der Axt gedrängt, um den eignen Stamm zu fällen — aber diesmal ließ es Gott nicht zu: die Eiche wurde nicht gefallt, sondern nur entwurzelt und in andern Boden gepflanzt. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. W"" Die hiesige israelitische Gemeinde beabsichtigt von Johanni e. ab einen wissenschaftlich gebildeten Religionölehrer, welcher auch befähigt ist, religiöse Vorträge in deutscher Sprache allwöchentlich zu halten und zugleich die Qualifikation besitzt, als Kantor zu fungiren, mit einem fixirten Gehalte von jährlich 300 Thtr. anzustellen. Hierauf Reflektirende wollen ihre desfallst'gen, ihre Qualifikationen glaubwürdig beurkundenden Meldungen an den Vorstand baldigst portofrei einsenden. Hirschberg in Schlesien, im Februar 1850. Die Schächterstelle in Johannisburg ist cDer Vorstand. Literarische Anzeige. In Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Kleiner Katechismus der Geschichte Israels (bis zu unsrer Zeit), der Bibelkunde, der Landeskunde des alten Palästina und der jüdischen Liturgik. Von vr. Ludwig Philippson, Rabbiner. In 8. roh 4 Ngr. (3 gGr.) geb. 5 */2 Ngr. (4 r/2 gGr.) Bemerkung. Herr Z. in W. kann unfrankirt schreiben. — Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.

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