Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1850)
- Date
- 1850-02-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIV. Jahrgang No. 9. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philipps»«, Ra bbin er zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung iu Leipzig. Leipzig, den 25. Februar 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 9 6 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. ^5 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Va Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Seitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel. Zeitungsnachrichten: Deutschland: aus dem schlesischen Gebirge, aus Vorpommern, aus dem Großherzogthum Posen, München, Speier. Oesterreichischer Kaiserstaat: Agram, Semlin, Prag, Prag, Wien. Frankreich: Paris (Schluß). Großbritanien: London. Rußland:Petersburg. Griechenland: Athen. Italien: Turin, Rom. Syrien: Damaskus. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Die Beerdigung. Belletristisches : Erzählungen eines Großonkels. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 20. Februar. Wenn jetzt ein Jude, insondcrs ein Jude, der mit dem Judenthume außer Geburt und Tod und Zahlung eines Beitrags gerade in so vieler Verbindung stand wie mit der Religion der Hottentotten, wenn jetzt ein solcher Jude mit dem Vorstande der Gemeinde um ein Paar Pfennige Beitrag oder dgl. in Streit gerath: so sagt er, „ich trete aus, ich gehe zur freien Gemeinde!" Oder wenn ein Jude, insonders eine jüdische Dame, die außerordentliche Aufklärung bezeugen will, von derer durchdrungen ist, wie er alle Glaubensvorurtheile von sich geschleudert, wie er aus der Höhe der Zeit steht rc. rc. — so sagt er: „ich trete aus, ich gehe zur freien Gemeinde!" Gut. Hat das Judenthum beim Verlust solcher Glieder viel zu bedauern? Sicher nicht! Alle Religionen mögen solche Verluste zu bedauern haben — nur das Judenthum nicht. Denn dieses war niemals aus eine größere oder kleinere Zahl, sondern stets aus die Entschiedenheit seiner Bekenner gebaut. Für das Judenthum sind halbe Glieder keine Glieder, sondern nur ganze. Hat die freie Gemeinde solcher Erwerbnisse sich zu freuen? Sicher nicht. Mag sie nur auf diese Weise das Reservoir für den Abfluß aller positiven Religionsparteien werden — ihr Bestand wird dadurch der prekärste, wenn er an sich nicht schon prekär genug wäre. Das Judenthum, wie es jetzt beschaffen ist, braucht Nichts zu fürchten. Das Formenwesen deffelben ist dem Gewissen jedes Einzelnen überwiesen; seine Lehre hat sich bestimmter und sichrer herausgestellt, als je, den edelsten Strebungen und Fragen des menschlichen Geistes genügend; dabei sein Kultus nach den nachbaltigsten und eindringlichsten Formen strebend, und in dieser Entwickelung ankampfend begriffen; dabei seine Armenpstege, seine ursprüngliche Brüderlichkeit noch immer pflegend, ohne sich dem allgemeinen Armenwesen, den Instituten der allgemeinen Menschenliebe zu entziehen oder abzuschließen — — fürwahr, da hat es Nichts zu befürchten, und jeder Geist, der in Gott wurzeln, und in einem Religionsverbande beruhen will, wird sich darin befriedigt finden. Lassen wir nun die einzelnen Individuen, die aus Streitsucht, Geiz oder zeitgemäßer Frivolität von der vicrtau-