Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1850)
- Date
- 1850-01-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225663--10714-3240776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XIV. Jahrgang, No. s. Allgemeine Zeitung des Zu-euthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 7. Januar 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 1 5 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/r Ngr. (IS gGr.) für das Vierteljahr angefetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel r Die Neujahrsstunde. Zeitungsnachrichten r D e u t s ch l a n d: aus Baiern, FrankfurtamMain, Elbing, Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: aus Mähren, aus Ungarn, Brody. Rußland: aus Litthauen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Neugestaltung des Gemeindewesens. (Schluß.) — Rabbinische Sprüchwörter. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 31. Dezember, Abends 10 Uhr. Die Neujahrsstunde. Bevor die Stunde des Abschiedes schlagt von dem Jahre, das da 1849 benannt wird, setze ich mich nieder, noch einmal in gewohnter Weise zu meinen verehrten Lesern zu sprechen. So und nicht anders will ich das Jahr beschließen, so und nicht anders es beginnen. Mag dies ein gutes Omen sein zwischen mir und den Lesern, daß unser gegenseitiger Bund auch dieses Jahr durchdaure, und den Wechsel der Zeilen und Verhältniffe überwinde. Hast Du mir, Leser, Deine Gunst zugewcndet? Ist es Dir längst eine freundliche Gewohnheit geworden, mich zu hären? Nun, es ist nur eine Gabe, die zurückgegeben wird — denn mir ist es eine theure Gewöhnung, mich Dir gegenüber vernehmen zu laffen. Siehe, es ist schon eine geraume Zeit, daß es also geschiehet; bange Tage der Sorge und Mühsal sind darunter gewesen; es gab Tage, ich will es Dir nicht verhehlen, wo es ein ungeheures Opfer, eine riesige Anstrengung war, mich niederzusetzen und von den Begebenheiten der Zeit oder den Fragen des Tages zu schreiben — wenn ich am Siechbette eines Theuern saß, oder eine kostbare Leiche im Nebenzimmer lag und der Stunde harrete, wo sie dem Schooße der Erde übergeben werde — aber die höhere Pflicht rief, und ich schwankte nicht, und legt die Hand auf das schwellende Herz . . . oft, es war in der Thal so, war es eine fieberhafte Hand, welche die Skripturen ordnete und das Nöthige einrichtete ... und dann wieder Tage der Freude, in der man selbstisch nicht gern aus den Reizen der Gefühle, die sich um einen bestimmten Gegenstand gelegt, hecauslritt... . Doch wozu dies? Draußen liegt hoher Schnee auf Dächern und Straßen; der Wind rauscht um und über die Giebel und Schornsteine, und manche Thüre, mancher Fensterladen schlagt pfeifend zu. Es flicht kein Frühling seinen duftenden Blumenkranz, kein reicher Herbst seinen schweren Erntekranz um diese Neujahrsstunde — widersinnig das alte Jahr als einen Greis sterben, und da» neue Jahr als einen Greis beginnen, und diesen erst später zur fröhlichen Jugend erwachen zu laffen — aber der Mensch weiß Kranze rauschender Lust zu aller Zeit zu flechten, und «s ist Tumult genug auf den mitternächtlichen Gaffen- Lassen wir dies Alles bei Seite. Ocffnen wir den ernsten Gedanken dieser Stund«