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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-24 · Heft 52 (24.12.1849) · p. Seite 738

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 52 (24.12.1849)
Date
1849-12-24
Page
Seite 738 (sequence 2)
Language
German
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738 Inhalt. Leitender Artikel: Ein Stück aus einer Channckapredigt. Zeitungsnachricktenr Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag, Hohenems. Deutschland: aus Baiern, München, München, München, München. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Neugestaltung des Gemeindewesens. (Fortsetzung). Leitender Artikel. Magdeburg, 17. Dezember. Eiy Stück aus einer Channckapredigt. Wenn unsere Religion große, hervorragende Ereignisse der Vergangenheit zu feiern gebot den spätesten Enkeln: so hat sie wol damit diese von selbst aufgefordert, in der Erinnerung dieser denkwürdigen Geschehnisse eine Vergleichung anzustellen zwischen denselben und der eigenen Gegenwart. Gehen wir darauf ein. Ja, wir können die große Zeit des heldenmüthigen Juda Makkabi, dieses leuchtenden Sternes am Horizonte Israels, mit unserer Zeit zusammenstellen, aber nicht wegen ihrer Ae hnlichkeiten, sondern gerade umgekehrt wegen ihrer Gegensätze. I. Als Jude Makkabi das Schwert zog. Wenigen vorannen, aber Vielen zum Siege, was war da über Israel gekommen? Eine furchtbare Unterdrückung, eine unerhörte Knechtung. Antiochus der Syrer hatte das Land mit seinen Kriegern besetzt, hatte Tausende von Israeliten zu den Füßen seiner Götzen geschlachtet, und wollte, daß ganz Israel diesen sein Knie beuge, Israel, welches damals seit vielen Jahrhunderten unverbrüchlich treu dem einigen Gotte gelebt. Also eine allgemeine geistige Knechtung war sein Zweck und Werk. Glaubst du an Jupiter? Nein. Nun, so nimm den Tod. Glaubst du nun? Ja. Nun, so nimm Leben und Lohn. Das war die Losung. Gerade im Gegentheil in unserer Zeit. Unbeschränkte religiöse Freiheit ist die Losung und das Werk der Zeit. Es soll nicht einmal Jemand gefragt werden: weß Glaubens bist du? Geschweige denn, daß er Vor- oder Nachtheile um seines Glaubens willen trage. Die äußere Welt soll mit der Religion gar Nichts zu rhun haben, in gar keiner Berührung mit ihr stehen. Gut. Aber der sonderbare Mensch! Als Tod, Verfolgung, Hohn aller Art auf seiner Religion stand, wie drückte er da diese so feurig an seine Brust, wie schlug die Flamme des Eifers für sie hoch auf, Himmel an, und es war ihm süß, Alles für sie zu tragen. Aber nun, da die ganze Freiheit für den Glauben kam, da Jeglicher ungehindert seinen religiösen Pfad verfolgen kann: wie läßt er ihn fallen, voll Gleichgiltigkeit, wie schweigt es in seiner Brust, kaum daß er sich einmal nach ihm umschaut, wenn das Unglück an seine Pforte klopfte, oder die Reue in die verschlossene Thür seines Busens drang. Damals war die Gefahr vorhanden, daß die Religion untergehe vor den Schwertschlagen der Syrer — aber nein! Helden erstanden und leuchtender denn je ging sie hervor. Jetzt ist die Gefahr vorhanden, daß die Religion verloren gehe an der Freiheit, und fürwahr, die Helden des Wortes haben einen schwerem Kampf als jene Helden des Schwertes; denn ihr Gegner, der Mangel an religiösem Bedürfniß ist ein nicht sterblicher Gegner, ist wie das Unkraut, heute ausgejatet, morgen wieder ersproffen. Ja, Israeliten, mehr als in der Zeit der Knechtschaft ist die Religion in der Zeit der Freiheit in Gefahr — darum weil der Mensch seiner Natur nach das am Meisten liebt, wofür er kämpfen und leiden muß, und in der Bedrängniß den Trost der Religion verlangt, außer dieser sie vergißt. II. Als Juda Makkabi das Schwert zog, um was handelte es sich? Um die äußere Existenz Israels als Staat, als Volk. Es sollte kein Israel mehr existiren, und da es damals noch zusammenwohnte in seinem Lande, so sollte der Todesstreich mit einem Male gegen dasselbe geführt, es als Staat und Volk zertrümmert werden. Gerade der Gegensatz in unserer Zeit. Wir wohnen längst nicht mehr in Einem Lande, sondern in allen, sind langst nicht mehr ein Staat, ein Volk, sondern gehören zu allen Staaten, zu allen Völkern; uns droht kein äußerer Feind mehr, der uns zertrümmere, sondern nur ein innerer Feind, der uns auflöse, der Unglaube, und noch mehr der Garnichtglaube. Aber gerade darum, wie damals der Staat Israels aufrecht erhalten werden mußte, um Israel zu erhalten: so muß auch jetzt, um unsere Religion zu erhalten, die äußere Erscheinung, das äußere Institut Israels erhalten werden, das ist — die Gemeinde. Ja, Israeliten, wollet Ihr Eure Religion, die Lehrerin der Menschheit, nicht verloren gehen lassen, so erhaltet die Gemeinde, die Gemeinde! Soll die Freiheit nicht zur Auflösung werden, so erhaltet die Gemeinde. Soll man von Euch einst nicht sagen: als Knechte erhielten sie sich, als freie Männer gingen sie unter, so wahret die Gemeinde. Wir stehen in einer gefährlichen Krise, Israeliten, in einem bedeutungsvollen Uebergang. Wie auch der Staat sich gegen die anderen Kirchen stelle, uns laßt

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