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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-10 · Heft 50 (10.12.1849) · p. Seite 719

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 50 (10.12.1849)
Date
1849-12-10
Page
Seite 719 (sequence 11)
Language
German
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719 Brust gepreßt, das Auge glühend, als Ln einem Straßenwinkel ein Mann sich ihm näherte und ihm die Hand drückte, sprechend: „Junger Mann, ich bin mit Ihnen zufrieden; Sie haben voll Feuers die Verteidigung dieser armen Leute übernommen; ich danke Ihnen, denn wie Sie bin ich überzeugt, daß sie unschuldig sind." Der Mann, welcher diese Sprache führte, war der Doktor Montrol, ein protestantischer Arzt, voller Wissen und Geist, der sein Leben der Heilkunst gewidmet, die er mit ebenso vieler Eigennutzlosigkeit wie Auszeichnung übte; er war im Lande sowol durch sein tiefes Wissen als durch seine Hingebung für die leidende Menschheit bekannt. Als Gefangnißarzt war er zu Castro und seiner Tochter gerufen worden, welche, von dem Blitzstrahl, der so unvermuthet auf ihr Haupt gefallen, getroffen, von jenem Fieber ergriffen worden, das, der Seele sich bemächtigend, den Körper verzehrt. Er hatte sich lange mit diesen Unglücklichen unterhalten, er hatte ihren Muth und ihre Resignation bewundert, er hatte ihr naives Leugnen gehört, das den Siegel der Wahrheit trug, welches die Lüge nicht nachzuahmen vermag; er war ergriffen von dem Schmerz des Vaters, der nur an seine Tochter dachte, er hatte die Thranen getrocknet, die aus den schönen Augen der Tochter bei dem Gedanken an die Leiden des Vaters flössen, er hatte aus ihren Erzählungen, Erinnerungen herauszufinden gesucht, was die Ursache dieser schrecklichen Anklage, die auf ihnen lastete, sein konnte, und hatte sie verlassen mit der festen Uederzeugung von ihrer Unschuld. Eine lange trauliche Unterredung entspann sich zwischen diesen beiden guten Männern, welche eine gleiche Sympathie für die unglückliche Familie Castro beseelte, und als sie sich trennend, sich die Hände herzlich drückten, schienen ihre Augen von einem Hoffnungsstrahl erleuchtet. Einige Tage darauf war eine große Gesellschaft bei dem Bürgermeister der Stadt. Die älteren Herren, unter denen sich Rabusson befand, unterhielten sich von den städtischen Angelegenheiten, die Frauen schwatzten, indem sie leise über die Toiletten und Koiffüren ihrer Nebenbuhlerinnen spotteten, während sie ihnen laut die übertriebendsten Komplimente machten, während die jungen Leute in einem Winkel des Saales ungläubig von einem angekündigten Schauspiel sprachen, und sich Vornahmen für die vorübergehende Langeweile, die sie erleiden würden, Rache zu nehmen am Punsch und Kuchen, die die nothwendige Krone jeder Soiree bilden. Plötzlich entstand ein tiefes Stillschweigen, als der Doktor Montrol ernst eintrat, Prosper Vidal den Arm gebend. Beide waren schwarzgekleidet, mit weißer Halsbinde, ihr Aussehen war feierlich. „Meine Herren," sagte der Doktor, „seit vielen Jahren habe ich Ihnen die Wunder des Somnambulismus erzählt, die in Paris für alle Welt klar sind, aber von. denen bis jetzt wir hier nur die Theorie kannten. Der Zufall hat in unsere kleine Stadt einen Mann gebracht, der mit einer wunderbaren Anlage unter dem Einfluß der magnetischen Elektrizität zu handeln begabt ist. Nur um diesen sonderbaren und wichtigen Erfahrungen beizuwohnen haben wir uns bei dem Herrn Bürgermeister versammelt, bei welchem die Wissenschaft stets eine Zuflucht findet." — Der Bürgermeister grüßte gravitätisch, und die Sitzung begann. (Schluß folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Vi Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Die israelitische Gemeinde zu Linden vor Hannover wünscht auf kommenden Semester (2^12) einen eximinirten ledigen;ungen Mann zu engagiren, der die Funktion als Lehrer, Vorsänger und Schächter übernehmen kann. Die hierauf Reflektirenden wollen sich gefälligst schnellmöglichst hinsichtlich des Gehaltes und der sonstigen Bedingungen an den zeitigen Vorsteher Joseph Benjamin daselbst wenden. Linden vor Hannover im November 1849. Zum 1. Januar 1850, oder nöthigenfalls etwas später, soll bei der hiesigen israelitischen Gemeinde ein Vorbetec (ym) engagirr werden, der befähigt ist einen Chor zu leiten und in der hebräischen Sprache und der mosaischen Religion zu unterrichten. Das Gehalt ist, bei freier Wohnung 350 Thlr. p. a. exkl. Nebeneinkünften. Reflektirende wollen ihre Zeugnisse so schnell als möglich portofrei dem Unterzeichneten zustellen. (Alt-) Stettin, im November 1849. Die israelitische Gemeinde. Rosenheim. Ich erlaube mir, meine auf's Beste und Dauerhafteste konstruirte Matzoth-Maschine hiermit zu empfehlen. I Eine solche Maschine liefert täglich mit Hilfe von 6—7 I Personen circa 4—5000 Matzoth. Diejenigen Gemein-

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