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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-12-10 · Heft 50 (10.12.1849) · p. Seite 710

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 50 (10.12.1849)
Date
1849-12-10
Page
Seite 710 (sequence 2)
Language
German
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710 Inhalt. Leitender Artikel: Kreuz- und Querzüge. JeitungSnackricbtenr Deutschland: Magdeburg, aus Baiern. Oesterreichischer Kaiserstaat: Krakau. Belgien: Brüssel. Italien: Rom. Rußland: aus Litthauen. Belletristisches: Das verlorene Kind. Novelle von G. Ben- Lev i. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Von der Saale, 2. Dezember. Kreuz- und Querzüge. Es hat mich gefreut und ermuntert, zu sehen, daß mein letzter Artikel in diesem Blatte über den Kultus vielseitig beachtet und in Erwägung gezogen worden. Wenn Ihr gesch. Korrespondent in Hamburg meint, daß dort Alles, was derselbe in Anspruch nahm, schon langst vorhanden sei, wenn man Tempel, Synagoge, Klausen u. s. f. zusammenni mmt, so ist dergleichen freilich in größeren Gemeinden zu treffen; mir schwebten natürlich mehr die mittleren vor, in denen nicht eine Menge Anstalten nach verschiedenem Zuschnitt neben einander existiren können, und die doch immerhin Etwas haben und schaffen müssen; indeß ich lasse vorerst den Gegenstand fallen, es muß alles Kundgegebene nach seiner Art wirken — wenn es nur wirkt. Doch wollen wir nicht verzweifeln. Was mich heute insonders anregt, das ist etwas Allgemeines, worüber Sie mir gestatten mich zu äußern, fall' es auch anders aus, wie Sie es vermeinen. Was ich sagen will, ist: wenn irgend einmal, ist es jetzt Zeit, daß die Juden sich fassen und in ihrem Wesen energischer sich konzentriren. Ich meine hiermit keine politische oder soziale Demonstration, oder irgend Solches. Ich meine vielmehr, daß sie die Schlaffheit, die seit Dezennien die Juden an sich beherrscht, fahren lassen, und sich im Geiste enger an ihr Judenthum anschließen müssen. Ich meine auch hier nicht die Uebung der Zeremonialien rc., obgleich ein engeres Anschließen an den jüdischen Kultus einbegriffen sein muß. Denn der Mensch ist kein blos geistiges und Gedankenwesen. Es wird gleich klar werden, worauf ich eigentlich hinauswill. Wer da meint, daß es in und mit Europa zu Ende ist, wer da glaubt, es sei nun wieder Ruhe und Frieden auf lange, lange Zeit, den halt' ich für sehr kurzsichtig. Die Haltung der Konservativen selbst, die Mittel, die sie ergreifen, sie zeugen selbst von der Fiebergluth, die vorhanden, von den krampfhaften Zuckungen, die durch den Körper gehen. Die Krise ist nicht vorüber, sie ist vielmehr noch nicht einmal da gewesen, es war nur ein Anlauf, ein Stoß, der die rechte Krise erst vorläufig verkündete. Ohne einer bestimmten Partei anzugehören, ohne eine bestimmte Partei im Auge zu haben, ist man erst recht im. Stande einzusehen, daß alle die jetzigen Parteien nichts Dauerhaftes in sich haben, die eine verlebt, die andere abgenutzt, die dritte unpraktisch, die vierte philisteriös ist, und daß sie Alle eben nur das Eine erweisen: es ist eine innerliche Gahrung da, die noch nicht einmal recht begriffen, noch nicht zum eigentlichen Ausdruck gekommen ist. Fragt Ihr mich: bezeichne es uns doch, sag' uns genau, wie Du es verstehst — so antwort' ich Euch: ich weiß es auch nicht; aber die schwüle Luft drückt, und das allgemeine Gefühl lehrt's. Bemerkt nur, wie Jeder sich krampfhaft an irgend ein erkenntliches Prinzip anklammert, vom Kreuzritter bis zum Rothen, aber es ist doch nur Deklamation, und er vermag Nichts zu sagen, wenn man ihn auf den eigentlichen Kern bringt; er muß zuletzt immer einräumen: ja mein Prinzip ist schwach und nicht haltbar, und er wird sich nur damit rechtfertigen, das der Gegner sei noch schwächer und gar nicht haltbar. Und nehmen wir gar die in der Mitte schweben, fürwahr, das ist „Haschen nach Wind/" Wie gesagt, wir ziehen daraus nur folgende Schlüsse: Jeder fühlt den Boden schwanken, und woran er sich hält, wankt ihm in den Händen — also muß Etwas vorhanden sein oder bevorstehen, was aber Keiner recht weiß, was es ist. Jeder verspürt die Witterung, aber wird nicht klug daraus, wovon die Witterung ausgeht, und was sie bedeutet. Der Eine fürchtet den Sozialismus, der Andere den Despotismus, der Dritte die Pratorianerherrschast, der Vierte die Russen, der Fünfte die Asiaten, d. i. eine neue Völkerwanderung. Da aber alle hiese, so weit sie irgend eine Herrschaft üben, sich wieder vor dem Gegner fürchten, so versteht es sich von selbst, daß jene Alle nicht zur Herrschaft angethan sind: denn was herrschen soll, darf sich nicht fürchten, muß vielmehr die weltüberwindende Siegeskraft in allen Zügen und Geberden als unveclöfchlichen Stempel tragen. Da meine ich denn: daß, bei jedem Blick in diese Zukunft, der Jude auf nichts Anderes kommen kann, als sich auf sein Judenthum zu werfen, und sich an dieses festzuhatten. Thor ist der, welcher bei drohendem

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